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Die Einnahmen der Bahn ergeben sich aus demPersonenverkehr, der Gepäckbeförderung, der Verprovian-tirung der umliegenden Schutzhäuser sowie der am Paster-zenboden zu errichtenden Alpcnhotels, endlich aus demTransport landwirthschaftlicher Erzeugnisse, d. i. vonHolz und Futter. Dementsprechend wird der Verkehretwa vom 1. Juni bis Mitte November aufrechterhaltenwerden müssen, was bei den günstigen Witterungsver-verhältnissen des Spätherbstes auch zu ermöglichen seindürfte.
Der Personenfahrpreis würde sich auf 25 Kr. ö.W. für daS Kilometer stellen, sodaß auf die Bergfahrtder mäßige Betrag von 1 Fl. 85 Kr. für die Personentfallen würde. Bei dem voraussichtlichen jährlichenFremdenverkehr von etwa 16 000 Personen dürfte dieBahn eine genügende Rente abwerfen.
Zur Kraftgewinnung läßt sich entweder der Abflußdes Letterthals oder der des Gößnitzthals verwenden,und zwar an jenen Stellen, wo die Gewässer in mächtigenFällen von der rechten Lehne in das Möllthal stürzen.Der gesammte Kapitalsaufwand für die Bahnlinie be-rechnet sich auf 380000 bis 400000 Fl. ö. W.
Für die Folge ist eine Fortsetzung der Bahnanlagedurch das Leiterthal bis zur Erzherzog-Johann-Hütte auf der Adlersruhe geplant, und dann soll auch Heiligen-blut mit der Südbahnlinte Marburg-Franzensfeste durcheine elektrische Kleinbahn verbunden werden, die etwa40 Kilometer Länge haben und nur am Jselberg aufeinige Kilometer Zahnstangenbetrieb erfordern würde.Die elektrische Kraftstation könnte in der Nähe der Ort-schaft Winklern am Möllfluß errichtet werden. Vorläufig,d. h. bis zur Ausführung der eben erwähnten Möllthal-bahn, ist die Einrichtung eines regelmäßigen Wagenver-kehrs mit zweimaligem Pferdewechsel geplant. ES würdedie Aufgabe einer Transportunternehmung sein, dienöthigen Straßenverbesserungen und -Verbreiterungen ander jetzigen Bezirksstraße durchzuführen. Außerdem müßtedurch eine größere Hotclanlage in Heiligenblut demjedenfalls verdreifachten Frcmdenzuzug Rechnung getragenwerden. Die für den Wagenverkehr, die Straßenver-besserungen und Hotelanlagen nöthigen Kosten würdensich auf etwa 300000 Fl. ö. W. belaufen.
Hoffen wir, daß sich diese Pläne bald verwirklichenlassen, denn die großartigen Naturschönheiten des Möll-thals und der Glocknergruppe verdienen es sicherlich, demgroßen Strom der Reisenden erschlossen zu werden.
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Allerlei.
Frauenberufe in England . Dem englischenParlament ist soeben eine Berufsstatistik aus den Volks-zählungsjahren 1871, 1881, 1891 zugegangen. In der-selben findet man sehr interessante Aufschlüsse über denFortschritt, den die Frauenberufe in England gemachthaben. Im Jahre 1871 waren als öffentliche Beamte5000 Frauen angestellt, 1891 waren es 8546. ImJahre 1871 gab es wohl schon weibliche Studenten derMedizin, aber keinen ausübenden weiblichen Arzt. ImJahre 1881 praktizierten 29, im Jahre 1891 schon 101Aerztinnen. In letzterem Jahre findet man zum erstenMale zwei Thierärztinnen. Die Zahl der Kranken-wärterinnen dagegen belief sich auf 53,000. Unter derBezeichnung „Schriftsteller, Redakteure und Journalisten"
verzeichnet im Jahre 1891 die Statistik 660 Frauen,gegen 452 im Jahre 1881 und 225 im Jahre 1871.Speziell als „Reporter" bekannte sich 1871 noch keineFrau. Zehn Jahre später thun dies 15, zwanzig Jahrespäter 191. Am rapidesten ist die Zahl der Künstlerinnengestiegen. Im Jahre 1881 waren in England 1960Malerinnen, Nadirerinnen und Bildhauerinnen. Bis 1891war die Zahl auf 3032 angewachsen. Die Zählung vomJahre 1891 erwähnt zum ersten Male Architektinnen, undzwar 19. Endlich erscheinen in der Statistik von 1891nicht weniger als 19,000 Musiklehrerinnen und 3698Schauspielerinnen.
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Ueberall, wo man auf das Zifferblatt einer Uhr sieht,kann man sicher sein, daß auf demselben, wenn mit röm-ischen Ziffern versehen, die Vier durch das Zeichen IIII,nie aber durch das sonst allgemeine Zeichen IV markirtist; ein Umstand, der wohl noch von den Wenigsten be-achtet worden ist. Dieser merkwürdige allgemeine Gebrauchwird auf Kaiser Karl V. zurückgeführt, welcher ein be-sonderer Liebhaber von eigenartig gestalteten Uhren war;bis zu dessen Zeiten sollen die Zifferblätter durchweg mitder „IV" versehen gewesen sein, während der Kaiser beiallen seinen Uhren die andere Form der IIII verlangte.Da nun alle Uhrmacher wetteiferten, dem Herrscher, indessen Reich die Sonne nicht unterging, kostbare Uhrenzu verehren, so wurde die erwähnte Art der Vier baldtypisch und erhielt sich in alleiniger Form bis heute.Mitgetheilt vom Internationalen Patent-Bureau CarlFr. Reichest, Berlin HIV. 6.^
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Trost am Multerherzen.
(Zu unserem Bild Seite 279.)
„Ich wollte kein Wort dir sagen,
Es schmerzt so sehr,
Und kann's doch allein nicht tragen,
Ich kann's nicht mehr!
Du sabest mein Glück, ob es nimmer
Ein Wort verrieth
Nun, Mutter, ist's aus für immer,
Verhallt das Lied."
„„Mein Kind, was dein Herzchen gestrittenSo stumm allein,
Ich hab' es mit dir gelittenIn tiefer Pein.
Nun lerne, Liebling, dich fassen;
Der Schmerz verzehrt; —
Der Falsche, der dich verlassen,
War dein nicht werth!""
„Mutter, ach, könntest du's fühlen,
Wie weh das thut!
Willst du die Wunde mir kühlen,
Sei still — lei gut!
Laß leise den Kopf mich schmiegenIn deinen Schoß,
Ein Weilchen am Herzen dir liegen,
Ein Weilchen bloß!"
Und stille ward's in der Kammer.
Die Mutter litt
Des Lieblings unsäglichen JammerVerzehnfacht mit.
Sie hat mit zärtlichem NeigenSie leis gekost.
So ward ihr Weinen und SchweigenDes Mägdleins Trost.
---EZS--