Ausgabe 
(8.5.1896) 38
Seite
285
 
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-U 38. Ireitag, den 6 . Mai 1.896.

Kür die Redaction verantwortlich: vr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbefitzer vr. Max Huttlcr).

Audas Makkaöäus,

Historischer Roman von A. L. O. E.

Frei nach dem Englischen von D. ColoniuS.

(Fortsetzung.)

In der folgenden Nacht befand sich LyctdaS wiederin dem Olivenhain. Er stand unter demselben Baum,dessen Zweige ihm, als er Sarah zum ersten Male sah,Schutz gewährten. Der Erdboden war infolge der langenDürre sehr hart. Dem Joab und seinen Gefährten,die er sich zur Hilfe mitgebracht hatte, verursachte eSgroße Mühe, den Boden auszuwerfen.

Wenn wir jetzt den starken Arm des Makkabäuszur Hilfe hätten," sagte einer der Männer, indem erinne hielt, um sich die Schweißtropfen von seiner Stirnzu wischen.

MakkabäuS macht jetzt Gräber für seine Feinde,nicht für seine Freunde," war die ernste Antwort desMaulthiertrcibers.

Dicke, schwere Wolken bedeckten den Himmel, nichtein Windhauch bewegte sich, die Luft war drückend undschwül, selbst in jener Mitternachtsstunde. Eine kleineFackel war das einzige Licht, welches die Todtengräberbei ihrem gefährlichen Werk zu benutzten wagten.

In beinahe vollkommener Finsterniß wurden dieUeberreste Hadassah's und ihres unglücklichen Sohnesin den Staub gelegt. Kein silbernes Mondlicht schiendurch die Stämme der Olivenbüume, noch war Sarahgegenwärtig, um Blumen in das offene Grab zu streuen.Ihre Körperkräfte waren endlich unter den langenLeiden, die sie zu erdulden gehabt hatte, gewichen. Dasarme Mädchen lag in ihrer verlassenen Wohnung dar-nieder, zu krank selbst, um zu wissen von der Beerdigungderer, die sie, so lange sie dessen fähig gewesen, bewachtund beweint hatte.

Es war für Lycidas eigenthümlich, auf diese Weiseder einzige Stellvertreter von Hadassah's Familie beiihrem und ihres Sohnes Begräbniß zu sein er, dernicht nur kein Verwandter, sondern auch anderer Religion,mit einem Wort, ein Ausländer war, aber dieses Vor-recht schätzte er so hoch, daß er es nicht für den höchstenEhrenplatz bei den prachtvollsten Feierlichkeiten der Welthingegeben haben würde.

Als das Grab über Hadaffah und ihrem Abner sichschloß, öffneten sich die Wolken und der lange, lange er-sehnte Regen strömte hernieder. Der versengte, trockene

Rasen schien neues Leben zn trinken das welke Laubschien sich zu beleben. Die ganze Natur erfreute sichdieser Himmelsgabe. Als die Sonne aufging, tröpfeltewieder das Wasser aus dem Quell hinter Hadassah'sWohnung. Die Oleander waren noch nicht todt, sondernerblühten in neuer Schönheit.

29. Kapitel.

Der Trauernden Heimath.

Ich gehe nun über die Begebenheiten mehrererMonate leicht hinweg. Der Sommer ging mit seinergroßen Hitze und seinen heißen Winden vorüber. Dannkamen starke Nachtthaue, und die Tageshitze nahm ab.Der Herbst näherte sich, aber wenige Bewohner Jerusa-lems hatten den Muth, die Festzeiten zu berücksichtigen.Die Zeit des Laubhüttenfestes nahte heran, und niemandwagte, die blätterreichen Hütten von Palmen und Weiden zu errichten, um darinnen eine Woche fröhlich, wie früherzuzubringen.

Früh im Sommer hatte Antiochus Epiphanes Judäaverlassen, um nach Persien , wo er einen Aufstand zuunterdrücken hatte, zu gehen. Dieser war infolge seinerGrausamkeit ausgebrochen. Die Abwesenheit desTyrannen hatte in etwas die Heftigkeit der Verfolgunggegen solche Juden, die dem Gesetz Mofis zu gehorchenbestrebt waren, gemildert, doch wagte noch niemand,jüdischen Gottesdienst in Jerusalem zu halten, unddas Bild des Jupiter Olympias entheiligte immer nochden Tempel auf dem Berge Zion.

Judas Makkabäus bot dem Feinde im südlichenJudäa kühn die Stirn. Die Macht seines Namensfühlten die reichen Weidelande, die Hebron umgaben,bis an die schöne Ebene am Südosten des todtenMeeres. Soweit der Einfluß des Hasmonäers reichte,wurden Felder angesäet und im Herbst in Frieden ab-geerntet. Der Landmann folgte seinem Gespann, derHirte seiner Heerde. Mütter freuten sich ihrer Kinder,die sie nun ohne Furcht dem Herrn darbringen konnten.

Aber von neuem zog eine schwere, von AntiochuS gesendete Kriegswolke heran.

LystaS, der Beherrscher der westlichen Provinzen,hatte auf Befehl des Antiochus eine sehr große Kriegs-macht um sich gesammelt, ein Heer, viel größer nochals das, welches Nikanor geführt hatte, und Syrien sammelte wieder seine Horden, um durch Uebermacht denJudaL und sein kleines Heer zu vernichten.-