Ausgabe 
(8.5.1896) 38
Seite
292
 
Einzelbild herunterladen

2S2

Fenster. Ich schrie um Hülfe so laut ich vermochte,aber unterdessen war der Schwarze bereits zum Fensterhinausgeschlüpft und in der Dunkelheit verschwunden.

Ich hatte versucht, mich aufzuraffen, um ihn zu ver-folgen, aber meine kraftlosen Glieder versagten mir denDienst und ich fiel ohnmächtig in das Bett zurück, alsder Arzt und die Wärterin in das Zimmer eilten. So-bald ich wieder zu mir kam, schrie ich wild und leiden-schaftlich, daß ich beraubt, ruiniert, meine ganze Existenzvernichtet seil

Der Arzt sah mich lächelnd an.

Seien Sie nicht gar zu sicher", sagte er. Beidiesen Worten zog er etwas aus seiner Westentasche,legte es auf seine Handfläche und hielt es mir hin.

Es war der Diamant des Najah!

Auf einige Augenblicke dachte ich vor Entzückenund Erleichterung an nichts anderes. Dann aber fragteich verblüfft, wie das sein konnte; denn ich war dersicheren Meinung gewesen, daß ich den Diamanten ge-habt hätte. Der Arzt hatte mich damals von dem Vor-handensein des Steines überzeugt, und ich hatte mehrdenn einmal meinen verwundeten Arm an meine Seitegepreßt und dann jedesmal den kleinen, harten Gegen-stand, der soviel werth war, gefühlt.

Der Doktor lachte.

Das war nur ein Ersah", sagte er, und erklärtemir darauf, er habe es in Anbetracht meines Schwäche-zustandes nicht für räthlich gehalten, den Diamanten beimir zu lassen. Voraussichtlich würde ich mich bei derTrennung von dem Steine in ein heftiges Fieber hin-eingearbeitet haben. Er hatte es verstanden, währendich schlief, den Diamanten herauszunehmen und, um michin Ruhe zu erhalten, ihn gegen etwas anderes umge-tauscht.

»-Ich hatte beabsichtigt, einen kleinen Kieselsteinhineinzuthun:", sagte er,konnte aber in der Eilekeinen gleichgroßen finden und unterschob statt dessen einStück Kohle, das gerade so war, wie ich es benöthigte.Wie Sie sehen, ist Ihr Freund aus dem Osten miteinem Diamanten von seiner eigenen Färbung durch-gegangen."

---

ALLssLsr«

Poetisch.Ach, liebe Camilla, theile meinenSchmerz! Du weißt, wie ich die Thiere liebe. Täg-lich ging ich nach dem benachbarten Streuheim, um dortdie prächtigen Heerden zu bewundern. Vor allem wares ein Kalb, das sich durch seinen Frohsinn und seinemunteren Sprünge meine herzlichste Zuneigung erworben.Gestern, denke Dir, kam aus unser'm Städtchen eingroßer starker Mann mit einem Hunde nach Streichet«.Er handelte mit dem Besitzer meines Lieblings, und siewurden Handeleins. Das Kalb ahnte, was ihm bevor-stand. Lautlos ergab es sich in sein Schicksal und warfmir nur einen einzigen Blick zu, einen Blick, als ob eSsagen wollte:Leb' wohl! . . Auf Mederseh'n auf derSpeisekarte!""

*

Stoßseufzer eines Mainzers.Herrgott,wenn nor emol ener e' Maschin' erfinde that', daß weram Sunntag sei' Fraa net mehr mitnehme müßt'!"

Widerlegt. Richter fzu einem jugendlichenaber vielfach vorbestraften Angeklagten^:Sie sind jaschon ein recht abgefeimter Bursche! DaS kommt vonden schlechten Gesellschaften!" Angeklagter:Wieso? ichhabe doch meist mit den Behörden zu thun!"

*

Ruhestörung.Ist Ihre Furcht vor Einbrechernbeseitigt, seit Sie sich den Hund angeschafft haben?"O ja."Na, dann ist Ihre Nachtruhe ja doch nichtmehr gestört?"O doch, durch den Hund."

Jagdvorbereitnngen. Oberhofmeister:HabevSie alle Vorkehrungen zur Jagd für Se. Durchlauchtgetroffen?" Forstmeister:Jawohl, alle Jäger undTreiber sind bereits in die Unfallversicherung eingekauft."

*

Generös. Prinzipal zum Lehrling:Mater, ichmuß Sie bitten, mit Ihren Interpunktionen nicht sosparsam zu sein, besonders diesem Kunden gegenüber, deruns so viel Geld zu verdienen gibt!"

-- v > < -*---

Im Maien.

O, war' ich werth, Maria, Dich zu preisen,

Wär' fromm mein Herz und meine Seele rein,

Ich wollte singen Dir in tausend Weisen,

In solchem Singen müßt' ich selig sein.

Dir blüht der Blumen Gruß auf tausend Fluren,

Dein Lob verkünden Wind und Wolkenzug,

Und alles, was da Deiner Würde SpurenAls Gottgeschaff'nes in sich hat und trug.

Kaum gottbewußt und doch nur Dir zu Ehren!

Wie wird das Kleinste da vom Kleinen groß,

Darf'S mit dem ganzen Ich Dein Lob vermehren;

Nur ich steh' zagend fern und spendelos.

Nicht Rosen hab' ich, die im Licht erglühten»

Maiholde Frau, zu Deines Thrones Zier,

Nur einen Kranz von schlichten Herzensblüthen;

O, nimm als Opfergrnß ihn an von mir!

München , 2. Mai 1896. Elsa GlaS.

- ^ > > > - >

Schach aufgäbe.

Schwarz.

6 S

Weiß.

Weiß zieht an und setzt mit dem 4. Zuge matt.

-EVS--