Ausgabe 
(12.5.1896) 39
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ter und am Ellbogen, an den Schenkeln und unter denKnieen ähnliche Einschnitte gemacht und Stäbchen hin-durchgesteckt werden, an die man Schild, Bogen, Köcherund sonstige schwere Gegenstände anhängt. Nun werdensie, während das Blut herabströmt, soweit hinaufgezogen,bis die angehängten Gegenstände den Boden nicht mehrberühren.

Die Standhaftigkeit, mit der die Jünglinge allediese Martern ertragen, grenzt ans Unglaubliche, keinervon ihnen verzieht auch nur eine Miene, wenn das Mes-ser durch das Fleisch gestochen wird, und mehrere, welchebemerkten, daß ich zeichnete, gaben mir zu verstehen, ichmöchte ihr Gesicht betrachten; ich konnte denn auch nichtsanderes wahrnehmen, als ein freundliches Lächeln, wennich sie anblickte, während ich hörte, wie das schartigeMesser das Fleisch zerriß und mir unwillkürlich dieThränen in die Augen traten.

herabgelassen, die Holzstäbchen an denen er hing, werdenherausgenommen, die übrigen bleiben noch im Fleischestecken. Sobald er sich stark genug fühlt, sich erheben zukönnen, wobei niemand behilflich sein darf, schleicht ermit der ganzen Last in einen Winkel der Hütte zu einemAlten und erklärt, zum Danke für den Beistand, denihm der große Geist geleistet, bereit zu sein, den kleinenFinger der linken Hand zu opfern, worauf ihn der Altemit einem Beilhicb abtrennt. Alle diese Wunden werdennicht verbunden, die Sorgfalt sie zu heilen, überläßt mandem großen Geiste.

Während der ganzen Zeit dieser Marter beobachtendie Häuptlinge sorgfältig, wer am längsten hängen kann,bevor er ohnmächtig wird, und wer sich nachher amschnellsten wieder erholt. Danach bemessen sie, wer sicham besten eignet, einen Kriegszug anzuführen oder sonsteine gefährliche That zu vollbringen.

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Gablingen.

Ongmal-Austiahmr vvn Gustav Baadtl, Psvlourapy IN «rumdach. sV-rvieUaUigungSttch» vorbehalten.;

Wenn der Gemarterte in der beschriebenen Weisefreischwebt, tritt ein anderer hinzu und bringt chn ineine drehende Bewegung, die allmählich immer schnellerwird, wodurch die Schmerzen so gesteigert werden, daßder Unglückliche sich nicht mehr überwinden kann und inden rührendsten Klagetönen den großen Geist anfleht,ihm in dieser Prüfung Kraft zu verleihen, während erzu gleicher Zeit wiederholt, daß das Vertrauen in seinenBeistand unerschüttert sei. Das Drehen wird so langefortgesetzt, bis die Klagen verstummen, der Kopf sinktauf die Brust herab, oder hintenüber, je nachdem er auf-gehängt ist, still und leblos hängt er da. Nun wird ervon seinen Quälern genau beobachtet, denn er darf solange nicht herabgenommen werden, als sich noch dasleiseste Zucken bemerkbar macht und er nicht, wie siesagen,ganz todt" ist.

In dem Zustande wird er langsam auf den Boden

Nun wird jeder der Jünglinge noch von zwei kräf-tigen, jungen Menschen an den Armen mit Riemen ge-bunden und so gezwungen, ihnen, die mit den Endender Riemen in den Händen davonlaufen, zu folgen.Dabei suchen alle Umstehenden etwas von den ange-pflöckten Anhängseln abzureißen. Bald verlassen denohnedies Erschöpften die Kräfte gänzlich, er fällt zuBoden, wird aber immer weiter geschleift, wobei die Um-stehenden noch die letzten Anhängsel abreißen wobeijedesmal ein Fetzen Fleisch mitgerissen wird eher hörtdie Procedur nicht auf. Trotzdem der Körper auf dasjämmerlichste zerfetzt ist, erholen sich die jungen Leutedoch ziemlich bald.

Daß Menschen, welche eine solche Selbstverleugnungbesitzen, zu den größten Opfern, den kühnsten Wagnissenbefähigt sind, wird niemand bezweifeln, und dieser er-probte Muth, die unerhörte Standhaftigkeit im Ertragen