Ausgabe 
(19.5.1896) 41
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den zu legen, über dessen Haupt der Führer den Schildseines mächtigen Schutzes hielt.

Lycidas fühlte, daß er zum zweiten Male seinLeben dem Judas Makkabäus verdankte. Das Herz desjungen Atheners war voll heißen Dankes gegen seinenErretter. Aber etwas in dem Wesen des Makkabäus sagte ihm, daß dieser keinen Dank wünschte, daß der Aus-druck desselben wie eine Aufdringlichkeit angesehen werdenwürde. Lycidas, welcher zum Schweigen gezwungenwar, konnte daher nur Gott anflehen, ihm in der Schlachteine Gelegenheit zu geben, feine Dankbarkeit durchHandlungen zu zeigen, die lauter sprächen als Worte.

Nun blast die Posaunen und greift zu den Waffen,"rief Makkabäus.Wenn Gott uns heute den Sieg gibt,so liegt der Weg nach Jerusalem offen vor uns! Hierwill ich meine Reihen in Schlachtordnung aufstellen zumGefecht." Makkabäus bestieg bei diesen Worten denGipfel der kleinen Anhöhe, welchen Jascher verlassenhatte und befahl seinen Fahnenträgern, das Banner hinterihm aufzupflanzen, wo es von allen Theilen des Lagersgesehen werden konnte.

Hier überwachte Makkabäus mit gekreuzten Armenstehend die Bewegungen seiner Krieger, welche bei demSignal der Posaunen aus allen Theilen des Lagersherbeieilten, um von ihren Führern unter den Augen desgroßen Feldherrn in Schlachtordnung aufgestellt zu werden.Mit schneller Genauigkeit waren die Colonnen gebildet,aber bevor sie zum Angriff vorgingen, flehte Malkabäusmit kurzem, aber ernstlichem Gebet den göttlichen Segenauf seine Truppen herab.

35. Kapitel.

Das Schlachtgebet.

Lycidas war aus dem Lande der Beredsamkeit-Seine Wiege hatte dort gestanden, woGedanken sprühenund Worte blitzen." Er hatte die Reden des Demosthenes eifrig studirt und in seinen Geist aufgenommen undfühlte den Geist des todten Redners in sich wehen.Lycidas hatte die Beredsamkeit der begabtesten Rednerseiner Zeit in der schönsten Sprache der griechischen Poesiebewundert; aber niemals hatte der Athener eine Redegehört, die so seine Seele bewegte, wie jene einfacheRede des Judas Makkabäus vor der Schlacht bei Beth-sura. Es war darinnen keine Beredsamkeit außer derdes unetnstudirten Herzens. Der Hebräer hatte nurseinen Kriegern gegenüber einfachen Gedanken in WortenAusdruck gegeben, die seinen Geist so fest und hart ge-macht hatten, wie der Stahl, der seine Brust bedeckte.Der Eindruck, den die Scene und die Versammlung inihrem Gottesdienst auf das Gemüth des Lycidas machte,war groß. Kein Bild von Menschenhänden war es, dasdort angebetet wurde, keine erdichtete Gottheit, launischwie die Gemüther derer, in deren Einbildungskraft sieihr Bestehen hatte sondern der Heilige, Hohe, Er-habene, der da wohnt im Heiligthum, dessen Kleid Lichtist und der Himmel seiner Füße Teppich.

Kein Gebäude von Menschenhänden war es, in demMakkabäus seine Kniee beugte vor dem Herrn der Heer-schaaren. Ec kniete auf dem Boden des gelobten Landes,das Gott seinen Vätern gegeben, und von vielen anderender Erde erwählt war, der Schauplatz von Ereignissen,die bis in Ewigkeit auf die Schicksale der Welt ein-wirken sollten, zu werden. Am südlichen Himmel lagHebron , wo der Vater der Gläubigen geknieet, wo der

Boden von Engelsfüßen und von den Füßen des Herrnder Heerschaaren, mit dem Abraham um Sodom ge-rungen, berührt gewesen war. Es war dasselbe Hebron ,wo David regiert hatte, bevor er über ganz Israel zumKönige ausgerufen wurde. Der hasmonäische Fürst betetemit hoher Begeisterung und tiefer Inbrunst. Vor ihmlagen die Thürme Bethsuras, das er stürmen, und dieSchaaren des Feindes, die er mit dem kleinen Häufleinder Seinen angreifen wollte. Dieses Alles machte indem Gebet einen überwältigenden Eindruck auf dieZuhörer.

Und die Schaar der Zuhörer bestand aus denEdelsten und Auserlesensten aller Länder, Griechenland und Italien nicht ausgenommen. Nicht Ehrgeiz oderGoldgier hatte sie aus ihrer Heimath gegen einen Feindgetrieben, dessen Macht und Zahl ihre eigene so weitüberragte. Angesichts der wohlgeschulten Krieger Syriens hatten sich Bauern, Künstler, Hirten zusammengefunden,welche alle von glühender Vaterlandsliebe und festemGlauben an Gott beseelt waren. Jeder Einzelne in derdort knieenden Schaar wußte, daß er sein Leben inseinen eigenen Händen trug, daß er im Falle einerNiederlage keine Gnade zu erwarten hatte, und daß nachmenschlicher Berechnung die Aussicht auf Sieg immersehr gering war. Und dennoch zeigte jedes Antlitz jenerwettergebräunten, arbeitsgewohnten Krieger nichts alsunerschrockenen Muth, fröhliche Hoffnung und festenGlauben, als sie zuhörten und in das Gebet ihres Führerseinstimmten.

Aber es war auch der Charakter des Führers selbst,der seinen Worten so große Bedeutung gab. WennMakkabäus , der Hasmonäer, den hohen Titel: Fürst derKinder Gottes erhielt, so kam es daher, daß seine Lands-leute seine königliche Abstammung anerkannten, die zuihrer Würde keines Salböls, noch einer goldenen Kronebedurfte. Jede Nation würde diesen Mann mit Stolzunter ihre Helden aufgenommen haben, der die militärischenTalente eines Milttades und die unbefleckte Rechtlichkeiteines Aristides in sich vereinigte, einen Mann, dessenCharakter und Ruf ohne den geringsten Makel war.

Einfältiger, fester Glaube war der Ursprung allerHandlungen des Makkabäus . Ein klarer, durchdringenderBlick, an Kraft dem des Adlers gleich, der mit mächtigemFluge die Luft durchschneidet, zeichnete den edlen Has-monäer aus. Der Seele Blick war aufwärts zur Sonnegerichtet, der Seele Flügel erhoben sich weit über dienichtigen Interessen und den schwülen Ehrgeiz der Erde.So wie Einfalt in der Gesinnung dem Charakter desJudas die höchste Würde verlieh, so war es eben die Einfalt,die seinen Worten Macht gab. Ich will diese Einfach-heit nicht durch eigene Zusätze verderben, sondern diesenBlättern das Schlachtgebet des Hasmonäers übergeben:

Lob sei Dir, Du Heiland Israels, der Du durchdie Hand Deines Knechtes David den großen Riesenerschlagen hast und hast ein ganzes Heer der Heidengegeben in die Hände Jonathan's, Saul's Sohnes undseines Knechtes. Ich bitte Dich, Du wolltest diese, unsereFeinde auch in die Hände Deines Volkes Israel geben,daß sie mit ihrer Macht und Reisigen zu Schandenwerden. Gib ihnen ein erschrocken und v'erzagtes Herz.Schlage sie nieder mit dem Schwert, daß Dich lieben,daß Dich loben und preisen alle, so Deinen Namenkennen!"

Als die Stimme des Anführers schwieg, herrschte