Ausgabe 
(19.5.1896) 41
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für einige Augenblicke tiefes Stillschweigen in der Ver-sammlung. Dann erhoben sich die tapferen Söhne Abra-hams , fest entschlossen, zu siegen oder zu sterben.

3 6. Kapitel.

Bcthsura.

Die kurze, aber verhängnißvolle Zusammenkunft mitMakkabäas haNe auf"Sarah's Gemüth einen sehr pein-

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Düppchrn Hai Durst. Nach dem Gemälde von H. Kaulbach .

Photographie und Verlag'^von Franz Hanjstängl in München .

Aller Wahrscheinlichkeit nach konnten sich ihrer Verbindungmit dem Griechen sehr ernste Hindernisse entgegenstellen.So edelmüthig auch Makkabäus war, so lag es dochnicht in der menschlichen Natur, die Ansprüche einesNebenbuhlers zu begünstigen, und eine entschiedene Oppo-sition seitens des Fürsten , ihres Verwandten, vernichtetealle Hoffnungen des Mädchens. In vielen jüdischenHerzen waren Vorurtheile gegen einen Athener, Sarah

. wußte dies, obgleich sie° nicht ahnte, bis zu welchemtiefen Haß dieseVorurtheileführen konnten. Die kurze, Zusammenkunft mit Mak-! kabäus hatte genügt, um^ ihren Himmel mit Wolkenzu bedecken, threHoffnungenzu verfinstern, ihr Gewissenzu beunruhigen und sichdie Frage vorzulegen, obsie auch recht thäte, einemFremden ihr Herz zuschenken. Hatte sie wirk-lich die Wahrheit ge-sprochen, wenn sie sagte:Hadassah würde uns nichtgetadelt haben"?

Als aber Hannah, blaßvor Erregung, ihrer jungenHerrindieNachricht brachte,daß die Hebräer in dieSchlacht gingen, als Sarahhörte, dap die entscheidendeStunde gekommen war, vonwelcher das Schicksal ihresVaterlandes und mithinauch das des Lycidas ab-hing, verschwanden alleanderen Befürchtungen voreiner tödtlichen Angst. Aufihren Knieen, mit gefal-teten Händen, in betenderStellung, und doch kaumim Stande zu beten, horchtesie aufdieschrecklichenTöne,die der Wind zu ihr herübertrug wirrer Lärm,Schreien, Rufen brachtevor ihr inneres Auge leb-haft die Schrecken derScene, die in ihrer Nähevor sich ging. Es war fürsie nicht nothwendig, nachdem tosenden Kriegsstromezu blicken, die Einbildungs-kraft malte zu deutlich dieStröme der wider einander

lichen Eindruck gemacht. Zu ihrem Kummer ebensowohl,wie zu ihrem Erstaunen hatte sie gesehen, wie tief dieWunde war, welche sie in einem liebenden Herzen ver-ursacht hatte. Denn Sarah besaß nicht jene niedrigeEitelkeit, in welcher Mittelmäßige ihres Geschlechts, wennsie entdecken, daß sie die Macht haben, Schmerz zu ver-ursachen, triumphiren. Auch in Bezug auf Lycidas warenin Sarah's Seele sehr ernste Befürchtungen erwacht.

streitenden Krieger gleichFluihen, die von Bergen herabstürzenund durch einanderschäumen, wieder. Sie vergegenwärtigtesich, wie im wilden Strudel des Todes Wagen von tollge-machten Rossen über blutige Haufen von Erschlagenengezogen werden. Sie sah deutlich das Fliegen der ver-wundenden und tödtlichen Pfeile. Sie hörte den Wirbelder tödtlichen Axt das Krachen das Tobendas Schreien den ungestümen Anlauf. Ihrem Geiste