Ausgabe 
(19.5.1896) 41
Seite
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Tischchen wie damals, aber nicht in derselben Stimmung.

Bevor wir aufbrachen, um uns zur Ruhe zu be-geben, flüsterte Pollux dem Kellner etwas zu, und balderschien derselbe mit einem Eiskübel, aus welchem derHals einer Flasche herausschaute.

Pollux schenkte Jedem ein Glas ein und gab diehalbgeleerte Flasche dem Kellner zurück.

Mit vor Erregung zitternder Stimme sprach er:

Vor 20 Jahren fanden wir uns hier zusammenin einer glücklichen Stunde, und in der übermüthigenLaune des Augenblicks freuten wir uns dieses Götter-trankes. Das Schicksal hat nicht gewollt, daß wiruns nochmals so treffen sollten, es hat uns Allen dasLiebste entrissen, was wir besaßen! Ihnen hat eswenigstens einen theilweisen Ersatz geboten, denn Siehaben blühende Kinder an Stelle des verlorenen Gatten,der verlorenen Gattin an Jdrer Seite, während ich ein-sam in der Welt dastehe. Doch, rechten wir nicht mitdem Schicksal, was Gott thut, das ist wohlgethan!Widmen wir den theuren Dahingeschiedenen, die wirAlle nie vergessen werden, einen stillen Trunk!"

Lautlos wurden die Gläser geleert, und mancheThräne mag hineingeflossen sein.

Mit einem stummen Händedruck verabschiedeten wiruns.

Das war der einzige Schluck, den ich nach 20 Jahrennoch getrunken.

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Das Alte fällt,.

Und neues Leben blüht aus den Ruinen."

Die Herzen Alsred's und Clara's haben sich ge-funden.-

Die Beiden sind auf der Hochzeitsreise nachItalien !

Heute Morgen erhielt ich ein Telegramm:

Glücklich in Florenz angekommen, wohnen imHotel Bonciani."-

Während ich in später Abendstunde Scenen derVergangenheit vor meinem Geiste vorüberziehen lasse,

vor mir auf dem Schreibtisch das Bild der unver-geßlichen Gattin, sitzen sie wahrscheinlich am bekanntenTischchen als glückliches junges Ehepaar in fröhlichsterStimmung beim

^sti opuinuirtö".

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Zu unseren Bildern

Dttppcher» hat Durft.

Es ist reizend zu beobachten, mit welch fürsorglicher Auf-merksamkeit die kleinen Mädchen, wenn sie selbst noch der müt-terlichen Pflege in allweg bedürftig sind, an ihren PüppchenMutterstelle vertreten. Freud' und Leid theilen sie mit ihnen,und alle Bedürfnisse, die sie selbst baben, übertragen sie aufdieselben. So glaubt die Kleine auf unserem Bilde, nachdemsie eben ihre Milch getrunken hat, auch den ihrer Pflege an-vertrauten Liebling nicht vergessen zu dürfen. Mit einem Ernste,als ob es gelte, denselben dem Tode des Verdurstcns zu ent-reißen, gießt sie ihm aus der großen Kanne, die sie kaum zuhalten vermag, den stärkenden Trank ein. Und der kleine Nim-mersatt will auch gar nicht genug bekommen. Was wird aberdie Mutter, die dem in Bälde von der Tagesarbcit heimkom-menden Vater das Essen zubereitet, für eine Freude haben,wenn sie die Milch, mit der sie auf den morgigen Feiertagetwas Besonderes zubereiten wollte, in so edler Weise verwerthetsieht? Hoffentlich läßt sie es bei einer ernsten Strafpredigt be-wenden und greift nicht zu der gefürckteten Ruthe, die hinter

dem Spiegel steckt. Der Schaden läßt sich dadurch ja doch nichtmeU gut machen, und das Kätzchen wird froh sein, die MilchFt>on dem Boden auflecken zu dürfen.

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Geh. Iuftizrath Geffcken

Der tragische Tod des Geheimen Justizrathes Pros. Frdr.Heinr. Geffcken in München in Folge der Explosion einerPetroleumlampe bat allseitiges Aufsehen erregt. Pros. Geffckenhat im Jahre 1888 durch Veröffentlichung des Tagebuches desKaisers Friedrich große Sensation erregt und sich selbst einedreimonatliche Untersuchungshaft zugezogen, die wieder aufge-hoben wurde, ohne daß man ihm den Prozeß gemacht hätte.Geffcken war am 9. Dezember 1830 zu Hamburg geboren, studirteJura, wurde 1854 Legationssekretär in Paris , 1856 hamb. Ge-schäftsträger in Berlin , 1859 hanseatischer Ministerresident da-selbst, 1866 nach London versetzt, 1869 zum hamb. Syndikusgewählt und nahm 1872 einen Ruf als Professor der Staats-wissenschaft und des öffentlichen Rechtes an die UniversitätStraßburg an, auf welche Professur er 1882 verzichtete. Geffckengehörte zu den vertrautesten Rathgebern des späteren KaisersFriedrich.

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Allerlei.

Auch ein Schwerenöther. Handwerksbursche:Ein armer Handwerksbursche bittet um eine kleine Gabe,liebe Frau! Frau (die Katze auf dem Arm): Ichgebe nichts, machen Sie, daß Sie fortkömmen l Hand-werksbursche (zur Katze): Vielleicht legen Sie, verehrtesFräulein, ein gutes Wort bet Ihrer Frau Mama fürmich ein?

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Umsicht in der Gefahr. Fremder:WollenSie nicht packen? Es brennt ja im Hause." DerHerr Sekretär:Wir packen ja schon! Aber helfen Sie,wir suchen die wichtigsten Dokumente zusammen und dafehlt uns der Impfschein unserer verstorbenen Tochter."

-SWüses-

Magisches Quadrat.

Es sollen die Felder obenstehenden Quadrats mit 16 auf-einanderfolgenden Zahlen derart besetzt werden, daß die Summeder Wagerechten, senkrechten und Diagonalreihen, sowie der vierzusammenliegenden Mittelfelder stets 46 ergibt.

Auflösung des Kreuzräthsels in Nr. 40:§ 0 8l 8 08 18

8 1 8 8 8 IV 8 I 808^8881888081V8I2888 12I 8 88 8 8

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