Ausgabe 
(20.5.1896) 42
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keine neuen Lorbeeren oder einen schönen Preis zn er-ringen galt?

Die entfernteste Hoffnung, Sarah zu gewinnen,"dachte Makkabäus bei sich selbst,wäre schon hinreichend,einen Mann zu bewegen, der Sache ihres Volkes bei-zutreten und allen Abgöttern, außer der Vergötterungdieses Mädchens, zu entsagen. Ich muß diesen Athenerselbst befragen, ich muß ihn prüfen, ob er diesen Glaubenganz unabhängig von irdischen Beweggründen angenommenhat und als ein treuer Bekenner dieses köstlichsten allerEdelsteine würdig ist. Wenn es so ist, dann mag erglücklich sein, da ihr Glück mit dem seinigen so eng ver-kettet ist. Niemals will ich ihren sonnenhellen Weg mitdem Schatten, der auf dem meinigen jetzt immer bleibenwird, verdunkeln."

Mit nicht geringer Unruhe folgte LycidaS demRuf des Fürsten und traf ihn in einem Häuschen derFestung allein, die er zu erobern geholfen hatte. DerGrieche konnte nicht umhin, zu glauben, daß sein Schicksal,was seine Vereinigung mit Sarah anbetraf, von dieserZusammenkunft mit seinem großen Nebenbuhler ab-hängen würde.

Die Zusammenkunft war nicht lang; was darinverhandelt wurde, blieb verschwiegen. Lycidas hatte nichteinmal Sarah diese Unterhaltung mit dem Manne, dessenLebensglück er zerstört, mitgetheilt.

Als der Grieche den Fürsten verließ, begegnete erSimon und Eleazar, welche soeben von der Begleitungihrer jungen Verwandten zu der Wohnung RahelS'szurückkehrten.

Die hasmonäischen Brüder begrüßten den Fremdenfreimüthig und herzlich, den sie zum ersten Male amvorhergehenden Tage im Kampfe gesehen. Die Binde,welche der Athener um seine Schläfe trug, und die Schlinge,in welcher er seinen Arm trug, waren als Beglaubigungenein Freibrief für die Gunst und das Vertrauen seinerneuen Waffengefährten.

Du bist schnell zu Ruhm und Ehre gekommen,schöner Grieche!" rief Eleazar.Du hattest die höchsteStufe der Leiter erreicht, bevor ich meinen Fuß auf dieunterste setzen konnte. Ich könnte Dich um den Ruhm, denDu Dir erworben hast, beneiden."

Eleazar und Simon gingen dann zu MakkabäuShinein, während Lycidas sich entfernte. DaS Lächeln,welches der junge Hebräer bei der Anrede an Lycidasum seine Lippen hatte, war noch vorhanden, als er indas Gemach trat, in welchem der Fürst allein saß.Aber der erste Blick des Eleazar auf Makkabäus ver-bannte schnell jede Spur des Lächelns.

Du bist krank!" rief er, indem er auf das beinahegeisterhafte Antlitz seines Bruders blickte.Du hast ge-wiß eine tödtliche Wunde bekommen!"

Der Fürst verneinte dies durch ein leichtes Kopf-schütteln.

Die Last der Verantwortung, der Mangel an Schlaf,die Anstrengung des gestrigen Kampfes zehren Deine Kräfteauf," bemerkte Simon ernst.Judas , Du bist nicht imStande, die Mühsale deS langen Marsches, der vor unsliegt, auszuhalten."

Ich war niemals mehr bereit und sehnte mich nochine so sehr nach einem Marsch," entgegnete Makkabäus ,indem er plötzlich aufstand; denn es schien ihm, als obheftige körperliche Anstrengungen allein im Stande wären,fein Leben erträglich zu machen.

Mich soll nur wundern," sagte Eleazar,ob unserjunger, schöner Bekehrter die Strapazen des Marschesebenso leicht aushalten wird, wie er gezeigt hat, daß erder Gefahr in's Auge sehen kann. Mich dünkt, er säheunter unsern grimmigen Kriegern wie eine Marmorsäuleaus Salomo's Palast unter rauhen Eichen, wie sie jenenHügel dort bekleiden, aus. Wenn Lycidas erst"

Er wird Sarah's Gemahl werden," unterbrachihn Makkabäus ; seine Stimme klang fremd und hart,und er wandte bei diesen Worten das Gesicht ab.

Sarah's Gemahl!" wiederholte Eleazar mit Erstaunen,warum" Simon's warnender Blick verhinderte denjungen Mann, mehr zu sagen. Die Brüder wechseltenverständnißvolle Blicke. Das war das letzte Mal, daßSarah's Name von einem unter ihnen in Gegenwart deSMakkabäus genannt wurde.

Sarah überzeugte sich bald, daß ihr Aufenthalt inihrer neuen Heimath nur von kurzer Dauer sein unddaß sie möglicherweise weit eher nach Jerusalem zurück-kehren würde, als sie bei ihrer Abreise in jener Nachtvoraussetzen konnte. Rahel, ein Weib, welches, obgleichhochbetagt, doch nichts von ihrer Jugendkraft und be-geisterten Vaterlandsliebe eingebüßt hatte, war über denSieg von Bethsura voll triumphirender Freude und er-klärte Sarah, daß sie die Absicht habe, bet dem Vor-rücken des Heeres nach der Stadt abzureisen.

Ich habe ein Gelübde gethan, ein feierliches Ge-lübde," sagte die alte Jüdin zu dem Mädchen.Langehabe ich um die Verwüstung Zions getrauert; und ichhabe dem Herrn gelobt, daß, wenn jemals wieder ge-opfert werden sollte auf dem Altar deS Herrn zu Jeru-salem , meine junge Kuh, meine schöne, weiße, junge Kuhdas erste Friedensopfer sein sollte. Auch habe ich gelobt,selbst in die heilige Stadt zu gehen, um dort mit meineneigenen Händen mit Oel gesalbte Oblaten zu machen,welche bei dem Opfer der Danksagung gegessen werdensollten. Die Zeit der Erfüllung meines Gelübdes istgekommen. Wir wollen, meine Tochter, zusammen hinauf-gehen und meine Leibeigene soll die weiße Kuh vor mirHertreiben. Meine Seele kann nicht mit Frieden dahin-fahren, bevor ich das Heiligthum gesehen, in welchemmeine Väter den Herrn anbeteten, und bevor ich ihmvon ganzem Herzen mein Gelübde dargebracht habe."

Sarah machte gegen die Wünsche ihrer Verwandtenkeine Einwendungen, zumal dieselben mit ihren eigenensehr übereinstimmten. Die Vorbereitungen zur Reisewurden schnell getroffen. Die Pferdesänfte, in welcherSarah nach Bethsura gekommen war. genügte für dieBequemlichkeit der beiden Frauen bet ihrer Rückkehr nachder heiligen Stadt vollkommen. Der treue Joab wurdewiederum mit der Leitung des Rosses beauftragt, undHannah, sowie die Mägde Nahel'S reisten mit. Unterfrohen Erwartungen machten sich die Reisenden nach derStadt David's auf.

(Schluß folgt.)

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GoldkSxuer.

DaS Kleinste, beut eS Liebe dar,

Verwandelt sich zum ScqenlEin treuer Rath, ein tröstend Wort,

Ein redlich Wollen fort und fort

Kann manche Thräne trocknen. Krank.

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