Ausgabe 
(22.5.1896) 43
Seite
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Judas Makkabäus .

Historischer Roman von A. L. O. E.

Frei nach dem Englischen von D. ColoniuS.

(Schluß.)

28. Kapitel.

DeS Siegers Heimkehr.

Gibt es wohl einen herrlicheren, herzbewegenderenAnblick, als den eines tapferen Volkes, das sich, indemes sich von dem Joch der Fremdherrschaft frei macht, dieFesseln, die es drückte, abwirft, siegreich sich erhebt undfrei frei ist, um den einen wahren Gott in Lauter-keit und Wahrheit anzubeten? Gleichwie der Mond, wenndie Finsterniß vorüber, durch die Wolken bricht, um inneuer Schönheit am Firmament zu leuchten, so war esin Jerusalem , als Makkabäus und die Seinen in dieheilige Stadt kamen, welche sie durch den Arm des Herrnbefreit hatten. Die Stadt befand sich in einem wahrenFreudentaumel, den sie zu verbergen nicht nöthig hatten.Die Stimme der Danksagung wurde in jeder Straßegehört. Weiber weinten vor Entzücken, und währenddie jüngeren Bewohner ihr Jauchzen erschallen ließen,segneten die Alten den Herrn, daß sie einen solchen Tagerleben durften. Die vorgerückte Jahreszeit verbot jeglichenBlumenschmuck, aber überall, wohin man blickte, wehtenPalmenzweige, waren Thüren und Fenster mit Immer-grün geschmückt und Zweige auf den Weg gestreut. JedeSpur von Heidenthum war eifrig zerstört worden, undin den Straßen traten die Kinder die Trümmer derGötzen und Altäre unter ihre Füße.Singet dem Herrnein neues Lied, denn er thut Wunder!" und Weibergingen mit Cimbeln den Kriegern des Judas entgegen.

Obgleich eS schon spät im Jahre war, schien dieSonne hell und warm, als ob die Natur an der all-gemeinen Freude thcilnehmen wollte.

Hierauf zogen sie zum Berge Zion, die Braven undTreuen , sie, die trotz vieler Anfechtung den Glaubenbewahrt hatten, die vor dem Götzen niemals ein Kniegebeugt, noch den Bund des Herrn verlassen hatten.

MakkabäuS ist der Erste hier wie einst in derGefahr:

Erhebt Euch, ihn zu sehen, Ihr Kinder von Je-rusalem , jauchzet ihm entgegen, Ihr Söhne der Freien!"

Eine Gruppe von Weibern und Mädchen stand inder Vorhalle des Tempels. Sarah und Rahel warenunter ihnen.

Du sollst die Erste sein, die Sieger zu begrüßen,meine Tochter," rief Nahel ihrer jungen Begleiterin zu,welche sehr geneigt war, zurückzutreten.Das hasmonäischeBlut fließt in Deinen Adern, und Du hast selbst umDeines Glaubens willen Verfolgung erlitten. Was?Thränen in Deinen Augen an solch einem Morgen wiediesem?"

O, daß meine geliebte Mutter Hadassah gelebthätte, um dieses zu sehen," dachte Sarah.Sie würdediesen Tag als ein Vorblld und einen Vorläufer jenergesegneten Zeit angesehen haben, wenn die Erlöseten deSHerrn wiederkommen zu Zion mit Gesang und ewigerFreude, wenn sie werden Freude und Wonne haben undKummer und Seufzer wird weg müssen."

Ja, was jener helle Wintertag, dem bald Frostund Stürme folgen mußten, im Vergleich zu dem herr-lichen langen Sommer war, das war das Glück Judüasunter der Herrschaft seines ersten hasmonäischen Fürsten

im Vergleich zu dem Ruhm, der ihm gebührte, wenndie Zeiten der Anfechtung und Verfolgung ein Endehaben sollten. Zur Zeit des Makkabäus und seinerNachfolger hatte sich dieverlassene Königin" aus demStaube erhoben, aber sie hatte in jener Periode nochnicht den Thron bestiegen. Schreckliche Gerichte, fürchter-liche Verfolgungen sollten noch nach jener Zeit desGlückes und der Freiheit In der Geschichte Zions kommen.Die Römer, noch schrecklicher als die Syrer, solltenJerusalems Söhne dem Schwert und ihren Tempel denFlammen übergeben; und Gottes altes Volk sollte inalle Länder zerstreut und ein Sprichwort und ein Gespöttder Leute werden.

Aber ihr Ruhm ist nicht für immer dahin. Wir,oder unsere Nachkommen, werden den Weinstock sehen,der, nachdem er aus Aegypten wiedergebracht ist, zuneuer Schönheit erblüht und in dem verheißenen Frühlingneues Leben athmet.

Er kommt, er kommt, Makkabäus , unser Held!"so schallte es aus aller Munde, als die wettergebräuntenSieger mit Palmenzweigen in ihren Händen erschienen.Frohlockte auch das Herz deS Makkabäus in jenemAugenblick? Vielleicht nickst, vielleicht würde er dasJauchzen des ganzen Volkes für ein liebendes Willkommender einen treuen Stimme hingegeben huben. Judas er-blickte Sarah. Ihre Augen waren die einzigen, die nichtauf ihn gerichtet waren. Sie suchte eifrig nach einerGestalt im Gefolge des Führers der Gestalt ihresVerlobten, des heidnischen Bekehrten, den sie liebte.

Die Sieger betraten den Tempel von Zion. Siekamen nicht nur, um anzubeten, sondern auch zu säubern.Kein Opfer konnte im Heiligthum dargebracht werden,bis das hinweggethan war, was das Heidenthum be-schmutzt hatte. Mit Zorn und Abscheu erblickten Judas und seine Anhänger das Bild deS Jupiter, das soviele Jahre den Tempel entheiligt hatte. Seit der Ab-reise des Antiochus hatte kein Anbeter mehr das Knievor dem Götzenaltar gebeugt. Das Gebäude war ver-lassen und vernachlässigt worden. Das Ganze hatte einenAnschein von Verwahrlosung, als ob der Zorn Gottesdarauf ruhte, und zeigte einen solchen Abstand gegendas, was es früher gewesen, daß eS die Herzen desMakkabäus und seiner Krieger mit tiefer Betrübniß er-füllte. Ich lasse hier die Worte des Geschichtsschreibersfolgen:

Und da sie sahen, wie das Heiligthum verwüstet,der Altar entheiligt, die Pforte verbrannt und daß derPlatz rings umher mit Gras bewachsen war, wie einWald oder Gebirge, und der Priester Zellen zerfallenwaren, da zerrissen sie ihre Kleider und erhoben einegroße Klage, streuten Asche auf ihre Häupter, fielennieder auf ihre Angesichter und bliesen Trompeten undbliesen gen Himmel."

Aber es blieb zum Klagen nicht viel Zeit übrig.Makkabäus machte sich mit der ganzen Energie seinerNatur an das Werk der Wiederherstellung. Er wühltedie eifrigsten und besten Priester aus, daS Heiligthumzu reinigen, jede Spur von Abgötterei zu zerstören, dieSteine, die entheiligt waren, fortzuschaffen, und denAltar, der entehrt worden war, niederzureißen. NeueGefäße wurden gemacht, Schaubrode und Weihrauch zu-bereitet und in dem neuen Heiligthum alles zu dem fröh-lichen Fest der Einweihung vorbereitet. Dieses Fest sollte,so bestimmte JudaS Makkabäus , jährlich gehalten werden.