Ausgabe 
(22.5.1896) 43
Seite
324
 
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Und es wurde von der Zeit ab zwei Jahrhunderte jährlichgehalten, bis die dunkelste, längste Trübsal über Jeru-salem kam. Wer soll nun das Fest der Einweihung desTempels halten, wenn der herrliche Tempel selbst dahin ist?

39. Kapitel.

DaS Fest der Einweihung.

Laut und freudig erschallte die Musik der Zithern,Harfen und Cimbcln der Berg Zion hallte wiedervon den frommen Gesängen als am frühen Morgendie Anbeter des Herrn in seinem Tempel erschienen, umdie Opfer der Danksagung zu opfern. Die Vorderseitedes Gebäudes war mit goldenen Kronen und Schildenbedeckt, und so erzählt die gewaltige Sprache des altenGeschichtschreibers:Und war sehr große Freude imVolk, daß die Schande von ihnen genommen war, dieihnen die Heiden angelegt hatten."

Dann stiegen, als Sinnbild der Danksagung, Tau»sende rosiger Wolken köstlichen Wohlgeruches von demWeihrauchaltar auf. Judas Makkabäus stand dabeiblasser und nachdenklicher vielleicht, als es für diese Ge-legenheit denkbar erscheinen mochte, indem er den auf-steigenden, sich kräuselnden Rauch beobachtete, wie ersich in der durchdufteten Luft verlor. Jetzt nahm derFürst etwas von seinem Arm und warf es in die Flamme.Die Bewegung war so ruhig, daß sie nur von wenigender Umstehenden bemerkt werden konnte; und niemandwußte, was das war, das da einen Augenblick hell auf-flackerte und dann nicht einmal sichtbare Asche hinterließ.Es waren nur einige Flachsfasern, die einst einige längstverwelkte Blumen zusammen gehalten hatten. Es schienein werthloses Opfer. Aber, als ein paar Jahre späterJudas Makkabäus sein Leben aushauchte, als auf demverhängnißvollen Felde von Eleasa der feindliche Stahlihm sein wüthiges Herz durchbohrte, ist ihm sicherlichnicht solcher Schmerz verursacht worden.

Und hier will ich meine Geschichte schließen und denHelden von Juda als Sieger über seine Feinde undals Sieger über sich selbst verlassen. Mag das Gemäldevor dem Auge des Lesers bleiben, wie es in der Stundedes Triumphes und der Freude war als der Herrdas Gefängniß Zions wendete und ihre frohlockendenBürger waren wie die Träumenden.

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Der Kalcnderstreit und seine Folgen in Augsburg .( 1583 - 1591 .)

Nachdruck verboten.

R. Die 1547 durch den Schmalkaldischen Kriegder Reichsstadt Augsburg geschlagenen Wunden warenvernarbt, und das am 3. August 1548 wieder in denBesitz der Negierungsgewalt gelangte Patriziat bemühtesich redlich, das Loos der Bürger zu verbessern und na-mentlich die bedauerliche Kluft zwischen den Bekennernder alten und der neuen Lehre zu überbrücken. DaSKunsigewerbe erreichte die höchste Blüthe, eine außer-ordentliche Bauthätigkeit legte in vielen Werkstätten aufsNeue einen goldenen Boden, und sogar in den Theuerungs-jahren von 1567 bis 1572 wußte die Umsicht deS Rathes,ungeachtet er 4000 Personen das Almosen zu reichenhatte, die Einwohnerschaft vor den Schrecken einer Hun-gersnoth zu bewahren. Außerdem störten die großen

Welthänbel Augsburgs Ruhe nicht. Zwar hatte KurfürstMoritz von Sachsen im April 1552 der Stadt sich be-mächtigt, das Zunftregiment wieder hergestellt und diegesperrten Kirchen den Evangelischen zurückgegeben,allein dieser Zustand dauerte nur vier Monate, und dieRückkehr in die alten Verhältnisse ließ die Unterbrechungum so lieber vergessen, als Kaiser Karl V. diesen Vor-gang mit Milde behandelte. So verfloß die lange Ne-gierungszeit der beiden Stadtpfleger eine seit 1548wieder eingeführte Bezeichnung der höchsten Staatswürden Heinrich von Nehlingen (15491575) und Christophvon Peutinger (15531576) ziemlich ruhig, denn dasZerwürfniß unter der katholischen Geistlichkeit und demvon Karl V. 1552 nicht beanstandeten evangelischenPredigtamte artete nicht in ärgerliche Auftritte aus,wodurch allmählig ein versöhnlicher Geist bei der Bürger-schaft einkehrte und das ganze Gemeinwesen während 40Jahre frisch auflebte. Nun aber trübte ein völlig fernliegen-des, lediglich aus Zweckmäßigkeitsgründen entsprungenesEreigniß den heiteren Himmel glücklichen Friedens.

Bet dem von Julius Cäsar 46 vor Chr. dem römi-schen Weltreiche gegebenen Kalender fand die 325 nachNicäa einberufene Kirchenversammlung, daß seit dieserZeit das Frühlingsäquinoktium immer auf den 24. Märzfalle, was endlich 1474 den Papst SixtuS IV. bestimmte,durch den gelehrten Bischof von Negensburg Regiomon-tanus zu Rom die Berichtigung der Zeitrechnung vor-nehmen zu lassen. Der plötzliche Tod dieses Mannes(1° 1476) ließ die Arbeit unvollendet bis Papst GregorXIII . mit der Fortsetzung derselben eine Commission be-auftragte, zu der auch der Bamberger Mathematiker Claviusgehörte. Das von ihr vorgelegte Gutachten veranlaßtedie päpstliche Bulle vom 24. Februar 1582, welche an-ordnete, daß auf den kommenden 4. Oktober nicht der5., sondern der 15. Oktober zu folgen habe. Diesenneuen oder Gregorianischen Kalender nahmen Italien ,Spanien, Portugal, Frankreich, Lothringen und die katho-lischen Landstriche der Schweiz und der Niederlande an-standslos an, während er in einem Theile des deutschenReichs und ganz besonders in Augsburg auf heftigenWiderstand stieß, der an dem kirchlichen und an dempolitischen Gebiete der sich sträubenden Reichsstadt nichtspurlos vorüberging.

Die erste Kunde von einem neuen Kalender ver-breitete sich in Augsburg während des 1582 hier ge-haltenen Reichstags, ohne besonderes Aufsehen zu er-zeugen, weil man wissen wollte, der Kaiser habe auf denRath der Kurfürsten dem päpstlichen Legaten gegenüberwegen der Neuerung sich ablehnend geäußert, wie dennauch den versammelten Ständen keine Vorlage darüberzuging. Niemand legte deßhalb dem Vorhaben Romseine Bedeutung bei. Ehe jedoch das Jahr sich vollen-dete, verlautete abermals, daß bezüglich der Abänderungder Zeitrechnung unter den Fürsten und Ständen Ver-handlungen im Gange seien, denen sich allmälig die Auf-merksamkeit aus weiteren Kreisen zuwendete. Ganz be-sonders war es ein Mann in Augsburg , welcher in demneuen Kalender einen versteckten Angriff auf den am 26.September 1555 mühsam erkämpften Neligionsfriedenwitterte und deßhalb einen Sturm auf die Unabhängigkeitdes evangelischen Ministeriums seiner Vaterstadt vor-aussagte. Dieser um die Erhaltung der Ovuksssio ^.u-ssustann besorgte Wächter war Or. Georg Müller oderMhlius, wie er selbst sich schrieb. Von der Hochschule