6S4
Allerlei.
Die Macht der Annonce. Die praktischenEngländer und Amerikaner verstehen am besten den un-geheuren Nutzen des Inserats und der Ankündigung zuwürdigen, und sie wissen, daß die großen Summen, diesie für diese Zwecke verwenden, Zinsen und Zinseszinsentragen. Es gibt Unternehmungen, die nur durch diekolossalste Publizität die größten Erfolge erzielt haben;überall findet man sie, überall stößt man auf ihre Namen.Der Reisende, welcher z. B. über den Aermelkanal fährt,um England zu besuchen, erblickt, noch einige Meilen vonder Küste entfernt, eine Tonne im Meere, auf welchermit Ntesenlettern geschrieben steht: „?6a.r's 8onx" (PearsSeife). Bei dem ersten Blicke, der auf die Kreidefelsenvon Dover fällt, liest man sofort wieder: „Pears Seife",und auf Schritt und Tritt, in jedem Bahnhöfe, auf denPflastern der Städte, an jeder Mauerccke, in jeder Zei-tung und in allen Gassen finden sich Bilder und Zeich-nungen, die zuweilen mit künstlerischem Geschmack aus-geführt sind und auf denen wieder zu lesen ist: „PearsSeife". Das ganze Unternehmen ist auf einem in solchemUmfange vielleicht noch niemals durchgeführten Systemvon Ankündigungen und Plakatierungen aufgebaut. Pearhat Volkssänger und Bänkelgesellschaftcn bezahlt, nur zudem Zwecke, daß sie populären Gassenhauern einen Textunterlegen, in dem Pears Seife empfohlen wird. Voreinem Jahre wurde dieses Unternehmen in eine Aktien- ^gesellschaft verwandelt, und diesem Umstände verdanken ,wir einige Kenntniß über das Verhältniß zwischen denAuslagen für Ankündigungen und dem Reingewinn. ImJahre 1885 hatte Pear für Ankündigungen den Betrag !von 31,159 Pfund ausgegeben, und der Gewinn stelltesich auf 95,106 Pfund. Im Jahre 1886 summirten sichdie Kosten der Ankündigung mit 58,884 Pfund und derGewinn mit 117,565 Pfund. Im Jahre 1887 wurdenfür Annoncierungen 82,312 Pfund ausgegeben; der Ge-winn bezifferte sich mit 128,109 Pfund. Im Jahre1888 erforderten die Ankündigungskosten 86,491 Pfund,und der Gewinn stellte sich auf 133,706 Pfund. ImJahre 1889 stiegen die Ausgaben von Annoncierungenauf 119,902 Pfund, der Gewinn auf 149,770 Pfund.Im Jahre 1890 betrugen die Ankündigungskosten 126,994Pfund, der Gewinn stellte sich auf 165,355 Pfund.Für das Jahr 1891 werden die Annoncierungskostenmit 103,596 Pfund und der Gewinn mit 175,920Pfund berechnet. Pear hatte also im Laufe von siebenJahren mehr als 12 Millionen Mark ausgegeben undmehr als 17 Millionen Mark als Reingewinn erzielt.
»
In Eisenberg hat ein Herr Kaufmann ein Lichterfunden, das er Sonnenglanzlicht nennt. Seine Er-findung beruht auf einem Bewunderung erregenden unddoch einfachen Mechanismus, welcher die denkbar geringsteBedienung erfordert. Durch einen Fingerdruck wird derApparat in beliebig lange andauernde und selbstthätigeBewegung gesetzt. Eine durch einen sinnreichen Mecha-nismus betriebene Pumpe füllt, so oft es nöthig, denGaserzeugungsapparat mit neuer Luft, und in Verbind-ung mit dieser wird nun aus der Gasstofffüllung einbilliges, geruchloses, jede Explosionsgefahr ausschließendes,zu BeleuchtungS -, Koch-, Heiz- und vielen anderen Zweckenverwendbares Gas erzeugt. Das mit diesem Gas er-zeugte Licht steht dem elektrischen Lichte nicht nach undbietet nicht nur diesem, sondern auch allen anderen Be-
leuchtungsarten gegenüber nicht geringe Vortheile sowohlin sanitärer, als auch in pekuniärer Hinsicht. Da derApparat nur einen geringen Raum (ca. 1*/? stm) bean-sprucht und an jedem beliebigen Orte aufgestellt werdenkann, so ist es möglich, daß jeder größere Haushalt, ob! in Dorf oder Stadt, jede Villa, jedes Gut oder Schloß,^ jede Fabrik, jede öffentliche Anstalt ihre eigene billigeGasanstalt und ein hellstrahlendes Licht erhalten kann.
*
Die „13" gilt bekanntlich als Unglückszahl. Wieviele Personen gibt es, die an einer Tafelrunde von 13nicht sitzen mögen! In den meisten Gasthöfen gibt eskein Zimmer Nummer 13, sondern neben 12 liegt gleich14. Dem gegenüber ist es nicht uninteressant, festzustellen,daß der einzige Passagier, welcher beim Schiffbruche des„Drummond Castle" gerettet wurde, Herr Marquardtaus Stuttgart , auf dem untergegangenen Dampfer geradedie Kabine 13 bewohnt hatte. Ob Nummer 13 jetzt,wenigstens für Schiffe, eine Glückszahl werden wird?
— » V ^ -
Der Abendstern.
Ost schaut in stiller AbendstundeMein Aug' hinaus in weite Fern',
Blickt still empor zum blauen Himmel,
Schaut sinnend nach dem Abendstern.
Ost stand ich da in süßer Freude,
Ost auch in bitt'rem Herzensweh,
Und meine sturmbewegte SeeleGlich d nn der aufgetrieb'nen See.
Da hab' ich ruhig nach dem HimmelUnd nach dem Abendstern geschaut,
Hab' alle Leiden, alle FreudenDem Sternlein hoffend anvertraut.
Mir ist, als ob im AbendsterneStill meines Gottes Auge blickt,
Und ob zu ihm ein frohes SchauenDas bange Herze neu erquickt.
Rom. Robertus, 8. v. 8.
Himmelsschau im Monat Olrtober.
—Merkur L erreicht in der letzten Hälfte seinegrößte westliche Entfernung von der Sonne und ist inder Jungfrau morgs. in Osten aufzusuchen.
Venus Z ist Abendstern, aber noch lichtschwachund steht niedrig in WSW.
Mars «L geht vom Stier gegen die Zwillinge,wird immer Heller und kommt anfangs 8 U. 30, zuletztvor 7 U. über den östlichen Horizont.
Jupiter h noch verhältnißmäßig wenig hell, gehtzuerst nach 2 U. früh, zuletzt vor 1 U. auf.
Saturns verschwindet in den Strahlen der unter-gehenden Sonne.
In der Nähe des Mondes befinden sich am 4. und31. Jupiter; am 8. Venus; am 9. Saturn; am 26.Mars. Vom Mond werden bedeckt Regulus am 3. abds.10 U. und am 31. mgs. 7 U. Antares am 10. nchm. 2 U.
Am 18. findet ein Sternschnuppenfall statt nord-östlich vom Orion, besonders in später Nacht.
Am 23. geht der Mond durch den südlichen Randder Plejaden.
--KMZS--