Ausgabe 
(2.10.1896) 82
Seite
632
 
Einzelbild herunterladen

So, scll', sagte Jörg Kainz,nun, wir werben jasehen".-

ES geht oer Verwand zu", sagte der Andere.Schnurstracks vour Arber zum See hinab! Hurrahl"

Während so gesprochen wurde, stand plötzlich vorJörg Kainz ein junger Herr in der Kleidung, wie sieböhmische Adelige im vorigen Jahrhundert trugen. DieStoffe der Kleider waren hochfein, und Goldstickerei waran den Verzierungen nicht gespart. Der junge Herr trugkurze, schwarzsammtne Hosen, schwarzseidene Strümpfe,hirschlederne Schuhe, Spitzenmanschetten, einen dreieckigenHut, einen Degen an der Seite, ein Gewehr unterm Arm.Seine Weste war von grüner schillernder Seide, und dieFlügel seines gelbseidenen Halstuchs, das lässig geknöpftwar, hingen weit herunter. Sein Benehmen war aristo-kratisch gemessen. Während Jörg Kainz noch das Gewanddes Junkers musterte, trat eine Dame in grünem Sammet-klei'oe herzu. Ein schwarzes Barett schmückte ihr Haupt;ihr Antlitz war bildschön, wie Jörg Kainz sich ausdrückte.

Jörg Kainz war außer sich vor Begeisterung beimAnblick dieser Erscheinung.

Ein huldreicher Augeuaufschlag der Dame traf JörgKainz.

Das Betragen des jungen Herrn gegenüber der Dameschien das eines Bruders seiner Schwester gegenüber zusein. Ein äußerst ergeben dareinsetzender Leibjäger inpstaumenfarbigem Kleide folgte dem Paare. Die Damehatte Jürgens Herz ganz für sich eingenommen.

Die Jagd kann losgchen", rief der junge Herr,die Hand an den Degen legend.

Die Jagd kann loSgehen", wiederholte der Leib-jäger, sich tief verbeugend. Jörg Kainz nahm den Hutab, verneigte sich unmuthig vor der Dame und setzte seinengrünen Filz wieder auf.

Man stelle sich in Zugordnung auf!" schrie derLetbjäger im pstaumenfarbigen Kleide den Bedienten undTreibern zu; dabei deutete er auch Kainz an, sich seinemWinke zu fügen.

Ich werde meine eigenen Wege gehen", rief ihmder Förster zu.

Der Pflaumenfarbene machte sofort ein bitterbösesGesicht; als aber sein Herr nichts dawider redete, ließer die Sache bewenden. Als auch noch ein begütigenderBlick der Dame den Letbjäger traf, nahm dessen Gesichtdie gewohnten blöden, devoten Züge wieder an.

Wenn es den Herrschaften recht ist", sprach JörgKainz gemüthlich,werde ich mich ihrem Letbjäger an-schließen und besonders bei den drohenden Abgründen aufdie zarten Füße der hohen Dame Acht haben. Kollega,reichen Sie mir Ihre Hand!"

Der Leibjäger schlug zaghaft und wie gezwungen indie dargebotene Rechte, während der ganze Troß vonBedienten und Treibern dieser Scene großäugig undschier ungläubig zuschaute.

So etwas Wunderbares ist mir doch noch nie vor-gekommen", sagte Jörg Kainz für sich.

Der Zug setzte sich in Bewegung, voraus die Treiber,darnach die Bedienten mit Windlichtern, hinter diesenkam eine Sänfte, in welcher die hohe Dame saß, vonvier Dienern getragen, zur Seite der Sänfte ging derBaron, und unmittelbar darauf folgten Leibjäger undFörster. Binnen kurzem schlug der Zug ein raschesTempo an, und Kainz mußte mehr laufen als gehen. Erwollte die Träger der Sänfte tadeln, da letztere bei diesem

Tempo sehr schwankte, aber er wagte es nicht, denn ersah, daß die Dame selbst zu rascher Gangart aneiferte.Deßungeachtet verwandte er sein Auge nur selten vonder Dame. Diese sah sinnend in die Weite, der Kavalierschaute fast ehrerbietig zu ihr empor, und der Pflaumen-farbene schien eifersüchtig auf den Förster zu sein, dener in Aufmerksamkeit für die Dame zu überbieten ver-suchte. Sein Auge hing in abgöttischer Verehrung anihr. Jürgens Gefühle waren zwischen Neugierde undauflodernder Liebe zu der Dame getheilt. Er konnte sichnicht entsinnen, je ein schöneres Müdchenbild gesehen zuhaben. Und an schönen Gesichtern ist doch unter denJungfern deS bayerischen Waldes kein Mangel.

(Schluß folgt.)

Auch ein Stammbuch.Was haben Sie dennin diesem Buch alles anfnotirt?"Sämmtliche Kriege,die ich während meiner dreißigjährigen Ehe mit meinerAlten führte! Achtundzwanzig Schlachten hat sie gewonnen,ich dagegen dreißig verloren!"

Anzüglich.Mensch, wo kommst Du denn her soin Gala?"Habe Schwiegermutter besucht!"Ach,deßhalb hast Du die Angströhre aufgesetzt!"

Kind, hast du deine Mutter noch?

Kind, hall du deine Mutter noch?

Dann möcht' ich dich beneiden!

Wie reich bist du, wie glücklich dochSelbst in der Armuth Leiden!

Des Lebens Sorgen werden nichtDein leichtes Herz bedrücken;

Die Mutter sieht, was Dir gebricht,

Weiß, was Dich kann beglücken.

Und ob sie selbst die Dornen stechen,

Sie sucht das NöSlcin dir zu brechen.

Kind, hast du deine Mutter noch?

O halt' sie hoch in Ehren!

O folge jedem Winke doch,

Horch' ihren frommen Lehren!

Und hüte dich, das Mutterherz,

Das treueste von allen,

Zu quälen je mit Leid und Schmerz,

Du würdest Gott mißfallen.

Und täglich fromm die Hände falteUnd fleh', daß Gott sie dir erhalte.

Kind, hast dn keine Mutter mehr.

Dann möcht' ich mit dir weinenWohl bist Du zn beklagen sehr;

Und dennoch will es scheinen,

Als habe Gott im Himmel dortBesonders lieb die Waise.

Er nahm zn sich die Mutier fortUnd spricht in's Herz dir leise:

Ich selbst, o Kind, ich ganz alleinWill Vater dir und Mutter sein!"

S ch e r z r ä t h s e l.

Mit b inögst du es reich besitzen,Bekommst mit u du's, mög's dir nützen!Mit s ist es ein harmlos Thier

Mit i sind's Geschöpfe voll Nanbbegier.Mit x ein wundersames Wort,

Erkennst den Münchner d'ran sofort.