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stolze Palast der alten Lateraner über seine schöne Um-gebung hervor. Er war seit Kaiser Constanttn's Be-stimmung Sitz und Eigenthum des Nachfolgers Petri, desrömischen Papstes.
Die weiten Räume des Palastes, Patriarchtum ge-nannt, sind mit großer Pracht mit Marmor, kostbaremWandschmuck und goldstrahlendem Bildwerk ausgestattet.In seiner Lieblingshalle, die mit vollendet schönen Mar-mor-Statuen, den Bildern Jesu Christi , der heiligenMaria und der Apostel geschmückt ist, und deren in leuch-tender Mosaik strahlende Wände vielfach von Schrift-rollen und Folianten, kurz, von einer reichen Bibliothekverdeckt sind, finden wir den Vater der Christenheit.
Zacharias ist eine hohe, vornehme Erscheinung mitklassisch fein geschnittenen Zügen. Wenn das Alter auch
leuchten in gebieterischer Gluth. Das Feuer mildert sichjedoch zu sanftem Glänze, wenn sein Blick dem des Ober-hauptes der Christenheit begegnet. Der Papst redet mitihm, wie mit einem lieben Freunde.
Und ein treuer Freund, ein treuer Sohn der Kirchewar auch derjenige, der ihm gegenüberstand. Der kleineund doch so große Mann war Pipin , der mächtige Major-Domus, der eigentliche Beherrscher des Frankenreiches.König Childcrich. der stumpfe Abkömmling eines morschgewordenen Geschlechtes, war ja nur ein Lchatteukönig.
Längst hatte der Papst den Gast zum Sitzen ein-geladen, lange schon hatten die beiden hervorragendenGeister in zündender Zwiesprache sich über mancherleiZustände und Gebresten der Christenheit wie des Fran-kenreiches ausgesprochen. Da^ sagte Pipin endlich mit
Vasall
bereits sein Haupthaar gebleicht hat, so ist der Glanzseiner dunkeln Augen noch unvermindert. Geistige Be-deutung, unendliche Herzensgüte leuchten daraus hervor.
Der Statthalter Christi ist nicht allein. Vor ihmsteht ein Mann, der trotz seines kleinen gedrungenenKörperbaues etwas gewaltig Zwingendes, etwas von derMajestät eines geborenen Herrschers hat. Er trägt dieeinfache, eng anliegende Tracht der Franken von feinemHirschleder. Nur das juwelenfunkelnde Schwertgehenkeund der golddurchwirkte, mit Purpur verbrämte Mantellassen auf hohen Rang des Besitzers schließen. Dochumwallen sein Haupt nicht die reichen Locken, wie sienur die Könige der Franken tragen; sein blondes Haarist kurz geschoren, ein langer Schnurrbart unter derscharf gebogenen Nase schmückt das ernste charakteristischeAntlitz. Seine großen, kühn blickenden blauen Augen
-Insel.
raschem Entschlüsse: „Gestattet, heiliger Vater, daß ichEuch den eigentlichen Zweck meiner Romreise darlege."
„Sprecht, theurer Freund, Ihr findet ein willigesOhr", ermuthigte Zacharias freundlich.
„Nun wohl", begann der Frankcnfürst, „ich steheals Bittender vor Euerer Heiligkeit, und zwar — nenntmich nicht unbescheiden — begehre ich nichts Geringeresvon Euerer Gnade, als eine heilige Reliquie, vielleicht einAndenken an unsern Erlöser selber. Ich begehre es fürdie von den Vorfahren meiner Gemahlin gegründeteKlosterkirche in der Eifel. Erfahret: Bertrada von Mürlen-bach, aus dem edelsten fränkischen Geschlechte, faßte denEntschluß, mit ihrem Sohne Chartbert, dem Vater meinerGemahlin, ein für ihre Familie und für die weite Um-gegend segensreiches Werk zu schaffen. In einem vonwilden Wäldern umgebenen lieblichen Wicsenthale zu