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sehen des Dorfes ist dies allerdings nicht zu gute ge-kommen, die Sammelwuth und Habgier haben es in einenZustand des Verfalles gebracht, der von der Pracht desallein unangetasteten Berathungshauses grell und traurigabsticht. Sie haben es bequem, diese Herren Maoris ,die Natur hat ihren Haushalt in gütigster Weise verein-facht. Da hocken sie an ihren Wassertümpeln und kochensich in den heißen Quellen ihre Lebensmittel ab. Dortbaden sie ihre Leiber in den warmen Wasserlöchern undwaschen ohne weitere Beschwer ihr bißchen Wäsche in dengeeigneten Naturkesseln. Ja sogar Dampfbäder habensie sich ausgesucht und zugerichtet, und ein von der MutterErde selbst geheiztes Wärmehaus bietet ihnen eine wohligeZufluchtstätte in kälteren Tagen. Wer sie aber um dieseVortheile beneiden möchte, der vergesse nicht, daß dieQuelle dieser Annehmlichkeiten von einem unterirdischenFeuerherde ausgeht, der über kurz oder lang einmalherbe Buße für die geleisteten Dienste heischen kann.
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Allerlei.
Kann schonsein. Tochter: „Ach, Du siehst wieder'mal zu schwarz, Mama — Carl Schmidt ist ein ent-zückender Mensch!" — Mama: „Das bestreit'ich ja garnicht, liebes Kind; aber er ist Agent für ein Bicycle-Geschäft, und paff' 'mal auf: sobald er Dir ein Radverkauft hat, läßt er sich nicht mehr bet uns sehen."
Grobe Höflichkeit. Junger Dichter fvoll Be-geisterung einem Redacteur sein erstes Epos vorlesendj:„Verzeihen Sie nur, wenn ich die einzelnen Blätter meinesGedichtes auf den Fußboden fallen lasse—" — Redacteurfgemüthlichf: „Bitte, bitte, Sie können Sie ja nachheralle hier in den Papterkorb werfen."
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Anzüglich. Dichter sM einem Kritiker, den erschon oft wegen Recensionen belästigt^: „In Bälde er-scheint wieder ein neues Bündchen....." — Kritiker:„So — haben Sie glücklich wieder einmal Ihren —Pegastnus bestiegen?!"
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Beim Wort genommen. Sommerfrischler seinejunge Dame in der Hängematte schaukelnd^: „Ich undmüde?! Wo denken Sie hin? So könnte ich Sie meinganzes Leben schaukeln!" — Fräulein T sschnell^: „Bitte,sprechen Sie mit Mama!"
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Immer Photograph. Lehmann: „Wie ich höre,hat Schulze mit seinem Haarwuchsmittel, das er uns sosehr anpries, nicht den gewünschten Erfolg." — Krüger^begeisterter AmateurphotograpU: „Nee — er entwickeltjetzt die Platte."
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So 'was kommt vor. „Merkwürdige Erschein-ungen, die das Skatsptel hervorbringt!" — „Wieso?"— „Sehen Sie 'mal den Schneider Braun, der mauertfortwährend, und der Maurer Schwarz ist Schneider!"
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Gleich und gleich gesellt sich gern. „Kellner,alles was Sie mir vorgesetzt haben, ist ungenießbar,rufen Sie 'mal den Wirth." „Lassen Sie den nurweg, der ist auch ungenießbar."
Nicht seefest. Kellner sän Bord eines Dawpfersj:„Mein Herr, darf ich Ihnen eine Seezunge anbieten?"— Passagier sseekrank^: „Nee, Seezunge! Mensch, bringenSie 'ne Landzunge!"
(Zu unserem Bild Seite 655.)
Das Dachfensterchen.
Der Mensch sieht gerne auf seine Mitmenschen herab, undwenn es auch nicht — was leider freilich oft genug der Fallist — aus Hochmuth geschieht, so geschieht es doch mit Vor-liebe von einem hohen Berge, einem weitschauenden Thurmeoder wenigstens einem hochgelegenen Fenster aus, wie wir dendrei Kleinen, die unser Bild zeigt, am Gesichte ablesen können.Der kleine Pausback in der Ecke, der mit dem Kinn kaumüber das Gesimse reicht, schaut so stolz darein, als ob er dieganze Welt in die Schranken fordern wollte, während seinälterer Bruder die Sache mehr vom gemüthlichen Standpunkteaus betrachtet, da ihm hier oben seine Kameraden nichts an-haben können, mit denen er nicht immer auf gutem Fuße steht.Ohne derartige Gedanken schaut der beiden Schwesterchen zumDachfenster hinaus, sie freut sich des schönen Ausblicks undwinkt mit ihrem buntfarbigen Tuche den vorübergehenden Be-kannten und Gespielinnen zu.
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Mtagsmenschen.
Für nichts sich begeistern,Jede Regung bemeistern,Nur nach außen sich zierlichUnd immer manierlichMit Form überkleistern!
In alles sich schicken!
Mit spähenden BlickenDen Vortheil erlauern!Nach oben mit SchauernVon Ehrfurcht sich bücken,Um aufwärts zu klimmen —Nach untenhin drücken!
JmStrome stets ichwimmenMit lächelnden MienenFroh allzeit geschienen,
Ob Sorge die SeeleUnd Eifersucht quäle!
Sich schmiegen und fügen,Nicht mucken, sich ducken,Wie'sHerz auch mag zucken !—Der Alltagsmensch zeigt sich so— Traurig und echt!
O hole der KuckuckDies Schattengeschlecht!
Schachaufgabe.
Von B. Deutsch.Schwarz.
Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge matt
Auflösung der algebraischen Gleichung in Nr. 84:Poseidon (Post, Ei, Don).