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Ein Lindaurr Kind als Missionär für Afsamin Asien .
I'* Von einigen Seiten ist der Wunsch geäußertworden, es möchte Näheres mitgetheilt werden über denMissionspriester, welcher am Sonntag den 11. ds. Mts.sowohl im Arbeitervereine wie im Kath. Casino ver-schiedene Skioptikonbilder mit Erklärung vorgeführt hat.Es ist der aus Lindau i. B. gebürtige k. Pius M. Stein-herr, Priester der Gesellschaft des göttl. Heilandes. Von1892 bis 1896 im Frühjahr bekleidete er im Marien-colleg genannter Gesellschaft in Tivoli bei Rom die Stelleeines Lateinschullehrers, versah nebenbei das Amt einesBibliothekars und Ceremoniars des Collegs und half inder Seelsorge der Stadt Tivoli aus. Das Colleg unter-liegt baulichen Veränderungen, und so ward im Frühjahrdie Schule in's Hauptcolleg nach Rom übertragen, währendk. Steinherr ebendort inzwischen das Amt des Cere-moniars übernahm. In den Tagen des Juli und Augustbegleitete er den von Assam in Ostindien eingetroffenenapostolischen Präsekten Hochw. ?. Angelus Münzloherbei seinen Ausgängen in Rom und ließ sich nach Ein-ziehung der verschiedensten Mittheilungen über die Missionbestimmen, um die Versetzung dorthin nachzusuchen, underhielt nach Ablegung des hiefür erforderten Examensbei der Propaganda am 24. August die Ernennung zumapostolischen Missionär für Assam nebst den diesbezüg-lichen Vollmachten. Die Abreise dürfte im Dezember oderAnfang Januar erfolgen. Diese Mission umfaßt dieostindischen Provinzen Assam, Bhutan und Manipur , vonwelchen Bhutan noch selbstständig ist. Die Mission zähltmehr denn 7 Millionen Seelen, welche meist noch demHeidenthum angehören und der Früchte der Erlösungtheilhaftig gemacht werden sollen. Sie zeigen vielerortsgroßes Verlangen nach dem Lichte des Christenthums undbitten um Priester und Katecheten, welche ihnen aber ausMangel an Mitteln noch nicht in gewünschtem Umfangezugetheilt werden konnten, denn die Spesen sind enormeund die Mittel geringe. Zuschüsse kamen allerdings schonvom Ludwigsmisstonsverein wie auch von Paris undLyon , aber es reicht bei weitem nicht aus, das ungeheureGebiet erfolgreich zu bearbeiten. Mit den Unterstützungenvon Frankreich und München und jenen opferwilligerChristen haben die wenigen Patres ordentlich gewaltetund gearbeitet und auch nennenswerthe Früchte errungen.Dabei stehen bleiben zu wollen, hieße aber den Rückgangdes Werkes wollen. Das zu verhüten, geschehen seitens derMissionäreimmer wieder neue Opfer und neue Anstrengungen,die oft ganz bedeutende sind. Mancherlei über das Wirkender Patres findet der geneigte Leser im „Missionär " undin den verschiedenen Jahrgängen des Apostelkalenders,der namentlich für 1897 hübsch ausgestattet und sehrinteressant ist (Preis 60 Pf.). — Wir sind von k. Stein-herr ganz abgekommen. Wir wollten noch bemerken, daßauch er die Kosten der Expedition und der vierwöchent-lichen Reise nicht aus der Luft greifen und bezahlenkann. Viel Geld kostet die Einrichtung für die im Baubegriffene Kirche der Station Raliang, welche I?. Piusbeziehen wird. Der bereits dort arbeitende k. ThaddäusHofmann aus Würzburg klagte vor Kurzem seine Nothund theilte brieflich mit, daß er Gefahr laufe, wegenMangels an Mitteln den Bau der Kapelle einstellen zumüssen. Die ganze Einrichtung von Raliang's Noth-kapelle besteht im Reisealtarkoffer, welcher nur das Aller-
nothwendlgste an Paramenten enthält. Viel Geld kostenBücher, Wäsche u. s. w. — denn was nicht mitgenommenwird, ist in dem von aller Civilisation ganz abge-schlossenen Raliang (in den Khasi-Hügeln AssamS) durch-aus nicht erhältlich. Es müssen Schreiner-, Schlosser-,Maurer- und Gärtner-Werkzeuge mitgenommen werden,und jeder weiß, daß man sie schwerlich umsonst bekommt,in Assam aber gar nicht. Ganz besonders liegt aberden Patres die Erhaltung des Waisenhauses vonRaliang, das ca. 30 Knaben birgt, am Herzen, weilsie große Hoffnung hegen, nach guter Erziehung undHeranbildung derselben zu wackeren Katholiken später ver-mittelst derselben auf das übrige Volk bedeutend ein-wirken zu können. Woher aber sollen die Mittel fürSchulunterricht, Kleidung, Nahrung rc. der armen Knabengewonnen werden, zumal die Landwirthschaft dort zuLande noch sehr zurücksteht. Auch eine kleine Druckereiist absolut nöthig, um den beständigen Wühlereien dermethodistischen Presse entgegentreten und das Volk imGlauben schützen zu können. Die engl. Prediger bietenim Grund genommen viel mehr Schwierigkeiten als dasKhast-Volk selbst. Aber wiederum — die Mittel dazu,woher sollen sie genommen werden? Die Almosen derGläubigen sind unzureichend, zumal diese Misston inDeutschland eigentlich verhältnißwäßig noch wenig be-kannt ist. Und soll sie etwa blos wegen Geldmangelsaufgegeben, — die Neuchristen sich selbst überlassenund der Gefahr des Rückfalles in's trostlose Heiden-thum ausgesetzt werden? Mit nichte» I Nie undnimmer. Aber darum bitten wir auch ebensodringend wie inständig, jetzt dem k. Pius Steinherrnoch Mittel zu überweisen, damit er nicht mit leerenHänden seine Missionsstation betritt, für deren Wohl-ergehen er bereit ist. Alles zu opfern: seine Schule inTivoli, an der sein ganzes Herz hing, und seine Heimathund das alternde Mütterlein und den Bruder und kurz-um Alles zu verlassen und Gesundheit und Leben auf'sSpiel zu setzen. Und könnten die Bayern einen Bayern im Stiche lassen?
k. Pius nimmt sowohl Geldmittel wie Gegenstände,Geräthe und Instrumente an, zumal es leichter expedirtwerden kann, wenn er's selber über das Meer mitnimmt.Geld und anderes kann, wer ein gutes Herz hat, ambesten nach Lindau im Bodensee senden (Kirchgasse 7).Werkzeuge für Gärtner, Schuster, Schreiner, Schlosserund Maurer , Tuch und Leinwand, Sämereien, Kirchen-geräthe, Bücher und Geldmittel können dorthin übersandtwerden.
Es wird alles Geschenkte seine Reise machen bisBombay,Calcuita, den Fluß Brahmaputra hinauf bis nach Raliangund wird im edelsten Dienste, den es geben kann, Ver-wendung finden. Man sage nicht engherzig: wir habenfür's Inland genug zu thun I Inland ist die ganze kath.Kirche auf Gottes großem, weitem Erdboden, und nirgendfindet sich wohl solches Bedürfniß für Unterstützung wiegerade in manchen Missionen und darunter auch die vonder Gesellschaft des göttlichen Heilandes anno 1890 über-nommene Mission Assam-Bhutan-Manipur im fernen Asten.Gott wirds reichlich lohnen!