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Allerlei. ,
** Eine neue Abonnements-Einladuna bat ^ein geschickter Buchdrucker iu folgender Form erfunden: >
Warnung.
Ein Mensch, der keine Zeitung liest,ist auf das Tiefste zu bedauern. Erweiß nicht, was in der Welt vorgeht,er kann nirgends mitreden und wirdvielfach von Andern bei Unterhaltungenausgelacht. Immer wird er als ein nurhalb- oder gar ungebildeter Mensch be-handelt, er erfährt nichts über die ge-schäftlichen Verhältnisse, wird in Folgedessen mich überall übervortheilt undkommt so immer mehr und mehr her-unter. Hat er dazu nun auch Frau undKinder, so wird er ein rechter Haus-tnrann, da er nicht, ivie viele Andere,über der Lektüre im Familienkreise dietäglichen Sorgen vergißt und sie seineAngehörigen mitfühlen läßt, so daß ersich und auch seiner Familie sehr zurLast wird. Schließlich sieht er dann soaiis, wie wir ihn hierneben abgebildethaben. Das Bild ist das Porträt einesjener Unglücklichen.
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Eine neue Zeitrechnung. Während Amerika und England auf dem Gebiete des Maß' und Gewichts-systems, letzteres auch noch dazu in seinem Münzwesen,sich absolut nicht dem fast überall eingeführten Dezimal-system zur Vereinfachung der Rechnungen anzuschließengeneigt sind, geht bezüglich der Zeitrechnung von Amerika eine Neuerung aus, die von England auf das Wärmsteunterstützt wird. Darnach soll das Jahr in 13 Monategetheilt werden, von denen die ersten zwölf je 28 Tage,der dreizehnte jedoch 29 resp. 30 Tage haben sollten.ES würde hierdurch der gewiß nicht zu unterschätzendeVortheil geschaffen, daß in sämmtlichen Monaten einesJahres die Tage der Woche stets auf dasselbe Datumfallen würden, was in vielen Beziehungen ganz beträcht-liche Vereinfachungen und Erleichterungen bieten würde.Seitens der Anhänger dieser Zeitrechnung, zu denen ge-wiß auch viele Angestellte gehören dürften, wird schonjetzt große Propaganda hierfür gemacht, und soll dieseFrage gelegentlich der nächsten Pariser Weltausstellungeinem internationalen Congresse unterbreitet werden. Obsich die anderen Staaten für diese Umwandlung der Zeit-rechnung erwärmen werden, bleibt noch eine große, kaumzu bejahende Frage.
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Die Begründung. A.: „ES ist unrecht von Dirgewesen, daß Du mir neulich die 20 Mark nicht pumptest;bei Freunden soll immer Einer dem Andern helfen!" —B.: „Hm — Du willst aber immer der Andere sein."
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Zu unseren Bildern.
Her Jinsgroschen.
Am 22. Sonntag nach Pfingsten wird das Evangeliumvom Zinsgroschcn verlesen. Die Pharisäer wollten dem gött-lichen Heilande eine Falle stellen, um ihn entweder beim Juden-volke, das dem römischen Kaiser die Steuer nur widerwilligzahlte und sogar behauvtete, das sei ihm verboten, zu dis-kreditiren, wenn er die Zahlung der Steuer anbefabl, oder ihnwegen Aufwiegelung den Römern denunzircn zu können, wenner die Juden in ihrem Vorhaben der Steuerverwcigerung be-stärken sollte. „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, undGott, was GotteS ist!" Damit hat Christus di« Frage ent-
schiede». Das berühmte Tizian'sche Bild hält den Momentfest, in welchem ein Pharisäer dem Gottessöhne den Zins-groschen vorzeigt und Christus die Antwort gibt.
Tintoretto an der Deiche seiner Tochter.
Im gewöhnlichen Gange der Natur steht die Jugend kla-gend am Todtenbette derer, denen sie das Leben verdankt, dochin Gottes unerforschlichem Rathschlusse ist häufig ein Anderesbeschlossen. Wie ein kalter Reif der jungen Maicnpracht nichtselten ein jähes Ende bereitet, so tritt auch der kalte Tod oftan ein junges Menschenleben heran, das sich kaum noch zublühender Knospe entfaltet hat. Noch nie hat Meister Tinto-retto, der so oft als Porträtmaler in Anspruch genommenwurde, so ungern zum Pinsel gegriffen, wie heute, da er ander Leiche seiner Tochter steht, um sie, die er schon so oft ge-malt, zum allerletzten Male zu Porträtiren. Für immer finddie lieben Augen, die ihm sonst so dankbar entgegenstrahlten,geschloffen; leblos find die Hände, die ihm liebend die Wangenstreichelten und der Mund, der ihm des Tages Last durch fröh-liches Geplauder leichter machte, ist still und ruhig gewordenfür immer. Ihr ganzes Leben läßt sich der alte, schwergeprüfteVater nochmals, im Geiste vorübergehen, um ja keinen Zugderer, die sein Stolz und seine Hoffnung war, auf dem Bilde,das ihm nunmehr allein noch von ihr bleiben soll, zu vergessen.
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Nimmelrfcllau im Monat November.
—1. Merkur ist Morgenstern, aber für dasunbewaffnete Auge nicht sichtbar.
Venus Z im Skorpion und Schützen wird alsAbendstern sichtbar, geht aber schon 1 bis 2 Stundennach der Sonne in SW. unter.
Mars L geht abends 7 U. auf, wird sehr hellund ist rückläufig im Stier nahe den Zwillingen, nörd-lich von Orion.
Jupiter H wird Heller und geht anfangs 1 U>,zuletzt 11 U. nachts im Löwen auf.
Saturn H kommt gegen Mitte des Monates inConjunction zur Sonne und wird unsichtbar.
Am 13. findet der Sternschnuppenfall der Leonidenstatt, besonders in später Nacht. Diese Sternschnuppenwaren bisher selten, nehmen aber jetzt an Anzahl zu, dasie 1899 das Maximum ihrer Häufigkeit erreichen, wiedieses in den Jahren 1833 und 1866 der Fall war.
In der Nähe des Mondes befinden sich Merkur am4.; Saturn am 5.; Venus am 7.; Mars am 22.;Jupiter am 27.
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AritHmogripy.
13 4 13 gibt schönen Klang,
2 6 5 3 steck' nie in fremde Sachen,
3 4 5 3 2 im Blut und in der Erde,
4 5 4 5 Gottheit eines alten Volkes,
3 113 braucht der Landmann,
2 3 4 1 3 was übrig bleibt.
6 5 4 3 2 der Menschheit Wiege,
7 2 5 4 2 2 soll Niemand reden.
Sind die Wörter richtig gefunden, ergeben ihre Anfangsbuch-staben im Zusammenhang den Namen eines um Deutschland hochverdienten Feldherrn.
Auflösung des Kreuzräthsels in Nr. 87:
Ro
sen
Eb
be
«om, Riesen, Gebet. Rosen. Ebbe. Robe, Ebro, Besen.
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