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hin generös, — Sie misten ja selbst, was Reklame„überm Strich" sonst kostet! Morgen stellen Sie dieHarkhoff dem Intendanten vor, und die Angelegenheitist erledigt."
Der Professor nahm die dargebotene Hand an undgeleitete den Redakteur durch einen zweiten, kleinerenSalon zu einem ebenfalls luxuriös ausgestatteten Vor-zimmer, in welchem mehrere der zahlreichen SchülerinnenBathnow's dem Winke des Meisters harrten, um danneine Viertel-, höchstens eine halbe Stunde des kostbaren,theuer erkauften Unterrichtes theilhaftig zu werden.
Auch Magda befand sich unter denselben. Die Zeit,welche feit jenem Mai-Abend verflossen war, hatte aufihre äußere Erscheinung eine mächtige Wirkung ausgeübt.Sie war eine voll aufgeblühte, imponirende Schönheitgeworden, die, trotz gewandter Bewegung, dennoch denrehartigen Reiz ihres Wesens nicht verloren hatte.
Freudig begrüßte sie ihren „väterlichen Freund",den Redakteur, und folgte dann dem Professor in dasUnterrichtszimmer.
„Nun, lieber Professor", sprach sie, „wie steht esmit dem Engagement nach H.S Sie wissen, ich lege dieEntscheidung ganz in Ihre Händel"
„Es hat mich große Ueberwindung gekostet, demDrängen Ihrer Freunde nachzugeben, mein Kind", ent-gegnete dieser. „Sie wissen selbst, was Ihnen noch fehlt.Doch sollen sie meinetwegen morgen vor dem Inten-danten singen."
„Ach ja, stellen Sie mich vor, Profestorchen, liebesProfestorchen, ich habe Sie auch so lieb!"
Sie war näher zu ihm getreten. Er erfaßte ihreHände.
„Haben Sie wich wirklich lieb, Magda?"
Er zog sie auf einen Stuhl neben sich und sah ihrtief in die Augen. Der Blick des jungen Mädchens er-widerte voll und treu den seinigen.
„Gewiß", sagte sie, „wem danke ich, daß ich nunbald am Ziele bin, wie viel Mühe —"
„Danke nicht, Magda" — sein Blick wurde heißer— „es gibt ein Lieben, so tief, so heiß, zitternd, Magda,in Lust und Schmerz —"
Magda bebte leise, tiefe Nöthe stieg an ihrenWangen auf.
„O", murmelte sie, „ich liebe Sie, wie einen Wohl-thäter, einen Vater."
Er sprang ärgerlich auf.
„Und morgen?"
„So kommen Sie, unverbesserliches, ewiges BsbßlIch will Ihrem Glücke nicht im Wege stehen. Um elfUhr werden Sie Probe fingen."
Während nun Bathnow und Magda sich in eifrigeVorbereitungen für den Glanz deS morgigen TageS ver-tieften, hatte sich im Vorzimmer die Zahl der harrendenSchülerinnen noch vermehrt.
Jetzt trat ein junger, auffallend schöner Mann herein,dem sich sofort die allgemeine Aufmerksamkeit zuwendete.Es war Dr. Friedrich Rothner, ein junger Schauspieler,der eines Halsleidens wegen seit einigen Monaten seinEngagement aufgegeben und die Residenz aufgesucht hatte,um sich der Behandlung eines renommirtcn Arztes zuunterziehen. Als Jugendfreund deS Sohnes täglicherGast im Dauß'schen Hanse, kam er, ein gewandterfrüherer Journalist, der Redaktion des „Stachelschwein"sehr willkommen, da das Restort der Theaterscandalosa
durch einen leichten Schlaganfall, der den dicken PembeS„in seiner Fülle Maienblüthe" getroffen, für den Augen-blick verwaist war. In dem mit den Theaterverhältniffenin allen Phasen auf das Intimste vertrauten und zu-gleich ihre Interessen auf das Eifrigste — oft nur zuextrem — verfolgenden jungen Freunde fanden Daußund Genossen eine für den Moment durchaus brauchbareKraft. Seine gegenwärtige Stellung, sein VortheilhaftesAeußere und sein gewandtes, sich jeder Situation undPerson anschmiegendes Wesen gaben Rothner eine ge-wisse Macht, besonders über das weibliche Geschlecht, dieer auch auf das Weitgehendste auszubeuten wußte. KeinWunder daher, daß auch die angehenden und theilweiseschon engagirten jungen Schülerinnen deS berühmten Ge-sangslehrers, die er seinen Zwecken manchmal dienstbarmachte, um seine Gunst geizten.
„Sie kommen gerade recht, lieber Doktor", rief eineschon etwas abgeblühte Dame, welche die Jahre derSchülerinnen bereits hinter sich hatte, dem Eintretendenvom Sopha aus entgegen, wo sie lang ausgestreckt lagund ihren kleinen Hund aus einer Bonbonniere füt-terte. „Sie wissen ja Alles. Wir streiten uns wegender Harkhoff — kommt sie nach H.?"
Neugierig spitzten sich alle Ohren, und forschend um-drängten den Angekommenen einige seiner Intimeren.
„Höchst wahrscheinlich", erwiderte Rothner mit seinemdiplomatischen Lächeln, dem seine näheren Bekannten dieBestätigung der Thatsache unterzulegen gewohnt waren.
„Durch wen? Durch wen?" fragte es im Kreise.
„Durch den Baron Faurier, der sie ja rasend pro-tegiren soll, seit Beginn ihrer Studien", sprach die Schön«vom Sopha.
„Schatz, diesmal irrst Du", entgegnete Rothner,„der Protektor ist eine Dame, gegen alle Regeln unsererSitten und des Herkommens, die Fürstin Waldenau, dieTante des Fürsten ."
„Dann begreife ich allerdings Vieles", sprach mitherber Betonung eine üppige, etwas frech dreinschauendePerson, „denn Stimme und Talent hätten ihr das En-gagement nicht verschafft. Mir stellte der Professor das-selbe ganz sicher in Aussicht, jetzt kann ich es ja ge-stehen —"
„Wahrscheinlich in Folge Ihrer neuesten Photo-graphie, liebe Browska", fiel eine kleine, matte Blondineein, welche sich in einem hellblauen Rembrandt-Hute mit lan-ger weißer Feder anscheinend ausnehmend gut gefiel undkokette Blicke zwischen dem Spiegel und Rothner theilte.„Lassen Sie sich diese neueste Aufläge unserer Collcginzeigen, lieber Doktor, und staunen Sie!"
„Höhnt nur, Ihr neidischen Racker", entgegnete dieBrowska, „es steht Euch ja frei, mich an Emanzipationvom Coftüme zu überbieten, so weit die vorhandenenMittel es Euch gestatten. Eine künstlerische Studie,Doktor", wendete sie sich herausfordernd an diesen, ihmeine Photographie hinreichend. „Sie dürfen dieselbe be-halten und" — fetzte sie leise hinzu — „bringen ge-legentlich daS Bild nebst einigen entsprechenden Wortenin der „Theaterwelt", nicht wahr? Meiner Dankbarkeitsind Sie ja stets sicher."
Rothner betrachtete eingehend das Bild, welches diejunge Künstlerin in einer die Grenzen der Decenz aller-dings stark übersteigenden Aufnahme zeigte.
„Brillant!" rief er, ihren Blick erwidernd, „Du