und nur das Eingreifen des Baron Faurier, der geradezur rechten Zeit zurückkam und die Sache im Auftrageder Fürstin mit dem Intendanten schon so gut wie ab-gemacht hatte, erzwäng unter Mitwirkung des altenDauß seine Einwilligung. — Der wunderbare Attache-Komponist will ja feine neue Oper, die er in Italien ausgebrütet hat, in H. einstudtren, und vielleicht blühtDir eine Partie in dem Monstrum."
„O, sprich nicht so von dem Attache", bat Magda,„er erwies sich als ein feiner und edler Mann in derkurzen Zeit seines damaligen Hierseins."
„Nun, die Augen wird er aufmachen", fuhr Rothnerfort, „wenn er sieht, was in den drei Jahren aus seinemSchützling geworden ist. Der scheue Wildling, der beijedem Scherz davonlief, daS bist Du nicht mehr."
„Weil ich nun die Scherze selbst bestimme, Fried-rich", sagte sie mit einer gewissen Betonung, die ihneinlenken machte.
„Mein Liebling, mein Alles", schmeichelte er zärt-lich, „weiß schon das rechte Maß überall. Du wirstauch den liebenswürdigen Ton dem Fürsten gegenüberfinden. Darfst nie vergessen, daß Deine Laufbahn,Deine Zukunft in seinen Händen liegt."
Magda, die sinnend zu Boden geblickt hatte, schaute auf.
„Ach", sprach sie, „mir ist durch die vielen Redenund Vorschriften hin und her diese Laufbahn und dasEngagement und der Fürst nun gar, fast zuwider! Ichmöchte mit Dir ganz allein wohnen, dort in diesemHäuschen mitten im See, — daß wir allein wären,ganz allein — und dann wollte ich Dir dienen und Dirsingen, so schön wie nie, weil nur Du und der Himmelund der See mich hörten."
„Schön gedacht, süßeS Herz, aber zu früh l Erstdie Welt und die Laufbahn, dann die Hütte! Doch, bisin meine Arme haft Du ja nicht weit, mein Alles!"
Er preßte sie feurig an sich.
Wie ein goldener Schleier lag jetzt der Schein dersinkenden Sonne über dem Walde. Kein Blatt rührtesich. In ahnungsvollem Schweigen harrten die Bäume,daß der Abendwind mit ihnen flüsterte und der See !plätscherte sein Abendlied.
Sie gingen tiefer in den Wald.
Magda erschauerte unter Nothner's glühenden Küssen.In einer unnennbaren Sehnsucht, einer unsäglichen Angstversuchte sie ihn von sich zu drängen.-
Die Wunderblume war geknickt, die Arme gekettetan den, welcher der Fluch ihres Lebens werden sollte.„O, Maria, ohne Sünden empfangen, bitte für sie!"
(Fortsetzung folgt.)
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Die Frauen in China.
Von vr. Joseph Wiese.
Das zurückgezogene und durchaus orientalische Lebender chinesischen Frauen liefert der Neugier nur wenigStoff zur Befriedigung. Man sieht sie niemals, manhört sie selten, und auch nur dann, wenn der Vater oderGatte, die einzigen Menschen, die sich ihrer Gesellschafterfreuen, die Erlaubniß gcgcbrn. Die chinesischen Frauenleben unbekannt, in einer Abhängigkeit, in einer Nicht-beachtung, daß schon allein der Gedanke daran unsereFrauen erschrecken würde.
Hauptsächlich haben wir bei unseren Ausführungendie reichen und hochgestellten Frauen im Auge, denn dieaus dem Volke führen in allen Ländern wohl dieselbeExistenz; ihre Armuth, die sie zur Arbeit zwingt, bringtsie zugleich in nähere Berührung mit dem Mann, demsie von Nutzen sind, und dessen Kinder sie ernähren helfen.Diese Frauen aus niederem Stande sind indessen inChina nie von der Schönheit, welche man bisweilen beidenen in Europa findet. Das hat seinen Grund darin,daß sich selten ein junges Mädchen mit hübschem Gesichteund schönem Wüchse findet, das nicht mit 14 Jahrenschon verkauft oder irgend einer hohen Persönlichkeit zumGeschenke gemacht wird.
Bei der Thronbesteigung eines neuen Kaisers führendie ersten Persönlichkeiten des Reiches ihm ihre Töchterzu, damit er unter ihnen seine Frauen wähle. Die Aus-erkorenen bringen ihrer Familie, die zugleich auch einenbedeutenden Einfluß gewinnt, große Ehre. Aus gleicheWeise bietet man auch allen Prinzen des kaiserlichen Hausesdie Frauen an.
Die Gemahlin ist die Herrin des Hauses und deranderen Frauen. Jeder Chinese hat nur eine Gemahlin,die allein ihm vor dem Gesetze die Erben schenkt. Ge-wöhnlich ist es die hübscheste und liebenswürdigste desHarems; denn der Titel „Gemahlin" wird von ihr wederdurch die hohe Abkunft erworben, noch durch das Ver-mögen, da die Frauen niemals eine Mitgift mitbringenund nach dem Gesetze von jeder Art Erbschaft ausge-schlossen sind. Die Erhöhung hängt einzig von dem Gradeder Zuneigung ab, die der Mann für sie empfindet, nndvon dem Reiz, den sie auf ihn auszuüben versteht.
Die Frau kann niemals die Scheidung verlangen,die der Gatte oft unter der sonderbarsten Motivirungleicht bewerkstelligt. Kinderlose Ehe oder der Mangel anSöhnen nach der Geburt von drei Töchtern, schlechterCharakter, Ungehorsam gegen die Eltern des Mannes,Schwatzhaftigkcit und eine lose Zunge, chronische Krankheit,Ehebruch und Dicbstahl sind Scheidungsgründe.
Dieser letztere wird uns etwas überraschend vor-kommen, aber es ist zu beachten, daß die chinesische Frauderart degradirt ist, daß sie für ihre Handlungen nichteinmal die Verantwortung trägt; der Gatte allein ist derJustiz die Rechenschaft für die Handlungen seiner Frauschuldig, wie der Vater vor der Verheirathung der Tochter.— Vvm siebenten Jahre an dürfen die Töchter derReichen und der Mandarinen nicht einmal mehr mit ihrenBrudern zusammen essen. Mit zwölf Jahren hören sieauf auszugehen und sehen dann die Welt nur noch durchJalousien und Vorhänge oder in den Spiegeln, die sievor den Fenstern anbringe!,. Den jungen Mädchen gibtman Lehrerinnen, die vor allem sie lehren, richtig zusprechen und sich als unterwürfige und abhängige Wesenzu betrachten. Unter ihrer Leitung lernen sie nähen,Seide und Leinwand weben, sticken, Blumen malen, denGöttern Opfer und Gaben darbringen, die heiligen Ge-fäße in schicklicher Weise ordnen, Parfüms verbrennen.Ueber alles andere werden sie in Unwissenheit gehalten.Sie können weder lesen noch schreiben; ihre Erziehungund ihre absolute Zurückgezogenheit berauben sie auch derKenntnisse, die sie eines Tages zu thcilnehmcnden Ge-fährten ihrer Männer machen könnten und nicht zu ihrenDienerinnen und Sclavinnen.
Mit 15 Jahren ist ihre Erziehung beendet, aber erstmit 20 Jahren dürfen sie heirathen. Nach der Hochzeit