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berühmtesten wegen ihrer Kraft und Stärke sind die Franenaus der Provinz Kiang-Si; sie sind daher für die Bauernund Farmer die gesuchtesten.
Die Frau, von welchem Range sie auch sei, istwenigstens insoweit gut daran, daß sie Wittwe bleibenmuß. Sie ist zwar nicht viel freier, als die verheirateteFrau, denn sie steht alsdann unter der Gewalt ihresältesten Sohnes oder kehrt in's Vaterhaus zurück, aberdie rohen Unterdrückungen, denen sie bei dem Manne aus-gesetzt war, haben doch aufgehört.
Die Behandlung der chinesischen Frauen seitens ihrerMänner erregt gewiß mit Recht unser Mitleid mit jenen;sie ist in der That eine barbarische. Wenn man bedenkt,daß das Christenthum die Würde der Frau sanktionirtund ihr die Freiheit gegeben hat, deren sie sich im Abend-lande erfreut, daß wir sie die bessere Hälfte des Menschen-geschlechtes nennen, daß die Civilisation ihr säst alleFortschritte in der Feinheit und Gesittung unserer Bräucheverdankt, so muß man sagen, daß die tiefe Stellungder Frau in China zu bedauern ist. Dennoch rühmensich die Chinesen ihres Systems. „Gerade dieser Knecht-schaft, dieser Sklaverei der Frauen", sagen sie, „verdankenwir die gesellschaftliche Stabilität, deren wir uns seit5000 Jahren erfreuen." Vielleicht wird im Laufe derZeit, wenn einmal die, wie es scheint, in die Wegs ge-leitete Anbahnung von Beziehungen mit Europa und seinerGesittung weitere Fortschritte gemacht haben wird, auchden Frauen ein besseres LooS zu Theil werden.
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Das soulirrmre Fürstenthttm Liechtenstein.
Einem Veilchen, das im Verborgenen blüht, gleichtdas souveräne Fürstenthum Liechtenstein . Man sprichtwenig von ihm, denn es ist nicht tonangebend im euro-päischen Staatenconcert. Gleichwohl hat es seine Unab-hängigkeit besser bewahrt als die übrigen sünfunddreißigStaaten, an deren Seite es im deutschen Bunde einstSitz und Stimme hatte. Die fünfunddreißig zum TheilDuodezstaaten schnarchen heute unter der Hut Preußens,und ihre Fürsten spielen eine mehr oder minder bedeutendeRolle im „Gefolge" des deutschen Kaisers. Der regierendeFürst von Liechtenstein fährt wohl nicht im Suitewagenzu KrönungSfcsten und dergleichen, dafür ist er wirklicherSouverän eines Landes, das Ende des Jahres 1893— 8750 fl. Staatsschulden besaß. Der Cabinetsrath desFürsten von Liechtenstein , Carl von In der Mauer, hatin einer Broschüre die Constitution und die Verwaltung desFürstenthums geschildert. In der Einleitung entwirft Herrv. In der Mauer ein Bild der historischen EntwicklungLiechtensteins. Die reichsunmittelbaren Herrschaften Vaduz und Schellenberg wurden im Jahrs 1719 zu einem Reichs-fürstenthum vereinigt und auf dem Wiener Congreß demdeutschen Bunde einverleibt. 1818 trat dort eine land-ständische Verfassung in Kraft. Mit dem Jahre 1866hörte die Zugehörigkeit Zum deutschen Bunde auf. DieThronfolge im Fürstenthum ist derart geregelt, daß demim Sinne der Erb-Union vom Jahre 1606 nach derPrimogenitur in das Majorat-Hauvrfideicommiß succcdi-renden männlichen Mitgliede des fürstlichen Hauses, alsdem Chef des letzteren, jederzeit auch die Regierung desFürstenthums mit der souveränen Würde zutommt. Dasgesetzmäßige Organ der Lcmdesangchöngen gegenüber der
Regierung ist der Landtag, der fünfzehn Mitglieder zählt,wovon drei durch den Landesfürstcn ernannt, sieben durchindirecte Wahl aus dem Oberlande, der ehemaligen Herr-schaft Vaduz , fünf durch Wahlmänner des Unterlandes,der ehemaligen Herrschaft Schellenberg, auf die Dauer vonvier Jahren entsendet werden. An der Spitze der Regierung,welche in Vaduz ihren Sitz hat, steht der Landcsverweser,welchem zwei vom Landesfürsten für je sechs Jahre ernannteLandräthe und zwei Landraths-Slellvertreter beigegebcn sind;die politische Necurs-Justanz befindet sich in Wien ; hierbefindet sich auch das Appcllationsgericht; das Oberlandes-gcricht in Wien versieht laut Staatsvertrag für Liechten-stein die Functionen eines obersten Gerichtshofes. DieStellung der österreichischen Finanzorgane in Liechtenstein findet ein Analogon in der Stellung der französischen Doucmcnbcamten in Monaco ; die österreichischen Finanz-commissäre haben dem regierenden Fürsten Treue undGehorsam anzugeloben.
Als Landesbehörde fungirt die fürstliche Regierungin Vaduz ; von dieser depcndirt die Kassenverwaltung (fürdie Steuer-Erhebung und Verwaltung der öffentlichenFonds), während die Buchhaltung gleich der Domänen-Verwaltung der fürstlichen Hofkanzlci in Wien untersteht.Oberste Justizbehörde ist das k. k. Oberlandesgericht inInnsbruck . Für das Civil- und Strafrecht gelten dieösterreichischen Gesetze. Die Staatsrechnung weist für dasJahr 1870 an Einnahmen 50253 fl. und an Ausgaben43952 fl. österr. W. nach. Das Militär ist seit 1868ausgelöst, und die Bevölkerung ist gegenwärtig von derWehrpflicht entbunden. Durch Vertrag vom 23. December1862 bildet Liechtenstein einen Bestandtheil des allgemeinenösterreich.-ungarischen Zoll- und Steuergebiets und erhältinfolge dessen jährlich ca. 20,000 Gulden von Oesterreich ausgezahlt. Münzen, Maße und Gewichte sind die öster-reichischen ; auch die Post wird von Oesterreich verwaltet.Das Landeswappen enthält fünf Felder und ein Mittel-schild, welches das Zeichen von Liechtenstein (Gold überNoth quer getheilt) enthält; die Landesfarben sind Nothund Blau.
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KLLexleß.
Völker ohne Feuer. Man sollte glauben, daßdas Feuer, diese mächtige, erhabene und belebende Natur-kraft, eines der ersten Hilfsmittel gewesen wäre, auf welchesdie Menschen durch die sie umgebende Natur selbst hin-gewiesen worden» 'und dennoch berichten uns Erzählungenaus den früheren Zeiten vieler nachmal wegen ihrer Bildungund Gesittung hochberühmter Völker, daß ihnen der Ge-brauch des Feuers lange Zeit unbekannt gewesen. Soerzählt Plinius , daß die alten Acgypter das Feuer nichtkannten und höchst erstaunt waren, als der berühmteAstronom EuxuduS es ihnen zeigte. Die Perser, Phönizier ,Griechen und Chinesen gestehen ebenfalls die gänzlicheUnwissenheit ihrer Vorfahren über diesen Punkt ein, undPomponins, Mela, Plutarch und mehrere andere alteSchriftsteller berichten von Völkerschaften, die selbst inder Zeit, wo sie schrieben, den Gebrauch des Feuers garnicht kannten oder doch soeben erst kennen gelernt hatten.Auch die Geschichte späterer Jahrhunderte hat ähnlicheBeispiele auszuweisen; denn die Bewohner der 1551 ent-deckten Inselgruppe der Mariannen hatten nie eine Ideevon dem Dasein dieses Elements gehabt, und alsMagelhaenSan einer der Inseln landete und das Schiffsvolk ein