Ausgabe 
(17.11.1896) 95
Seite
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Der Arzt lächelte.Nun, warum thust Du eSnicht?" fragte er dann.

Ein cynisches Lächeln spielte momentan um dieMundwinkel des reichen Jünglings, dann entgegnete ernicht ohne Spott und Bitterkeit in seiner Stimme:

Weil ich den Glauben und das Vertrauen an dasganze schöne Geschlecht verloren habe. So lange dieDamen jung und schön sind, denken sie nur an Putzund Vergnügungen; werden sie alt, so können sie sichnicht über ihre Haus- und Küchenangelegenhetten empor-schwingen."

Das ist ein hartes Urtheil; Du wirst aber DeineMeinung noch ändern."

Niemals."

Der Freund schaute den Jüngling ernst und durch-dringend an.

Hast Du bittere Erfahrungen gemacht?" fragte erdann langsam.Hast Du etwaeine Treulose gefunden, die Deingutes Herz gegen ihr ganzesGeschlecht vergiftet hat? Istes so, Thomas?"

Hm, vielleicht hastDu recht."

Der Arzt spielte nervös mitseiner Cigarre.

Dann muß es vor dreiJahren in Natal gewesen sein denn seit dieser Zeit merkteich eine wesentliche Veränderungbei Dir."

Ja, es war vor drei Jahrenin Natal. Ich war längere ZeitinGeschäftsangelegenheiten dort.

Sie war ein bildschönes Mäd-chen mit feurigen Augen undschwellenden, kirschrothenLippen.

Sie schwur mir Liebe und Treue,und was sonst junge Mädchendergleichen Sachen weiter sagen.

Ich war gerade im Begriff,meinem Vater die Sache mit-zutheilen, ihn um seinen Segenzu unserer Vereinigung zu bitten,

als-ich meine Geliebte in

den Armen eines Anderen überraschte. Unterlass' es mir,Dir die Einzelheiten zu berichten. Er war Commis imGeschäft ihres Vaters, sie bereits Jahre lang mit ihmverlobt gewesen und hatte versprochen, zu warten bis erselbstständtg sei. Natürlich zog sie jetzt den reichsten Mannin Marydale ihrem armen Geliebten vor. Dieses letztetäls-a-täts sollte der Abschied sein; ich überraschte daSPaar und verzichtete natürlich auf die Hand der Treu-losen. Merkwürdiger Weise wußte der Commis meineGroßmuth gar nicht zu würdigen; er wollte weder ver-gessen noch verzeihen, und bis heute ist die Falsche nochimmer unverhetrathet."

Sie muß eine herzlose Kokette gewesen sein."

Das sind die meisten jungen Mädchen."

Hast Du sie denn noch immer nicht vergessen?"

Ich denke nur noch an ihre Falschheit. Bitte,sprich nicht mehr davon, es ist ja lang vorbei."

Weiß Dein Vater etwas davon?"

Er hat nicht die geringste Ahnung."

So oft er bei uns ist, spricht er davon, daß Du

gar nicht daran denkst, Dir eine eigene Häuslichkeit zugründen. Ich glaube, es geht ihm sehr zu Herzen."

Davon bin ich fest überzeugt."

Dr. Manners wohnte in unmittelbarer Nähe vonMarydale auf einem kleinen Gute, dem Waldhof, dasihm Herr Lambrecht als Hetrathsgabe geschenkt hatte.Seine junge Gattin war eine zarte, schwächliche Dame,die nur selten ohne körperliche Schmerzen und sehr häufigauf das Krankenlager gebannt war. Drei kleine Kindertrugen nicht wenig dazu bei, die Lasten des kleinenHausstandes zu vermehren, aber trotz aller Sorge zählensich die jungen Eheleute zu den glücklichsten Menschen! der Welt.

O Richard", rief Hilda Manners, als sie ihresGatten ansichtig wurde,komme und setze Dich zu mirher, ich habe Dir wunderbare Neuigkeiten zu erzählten!Denke nur, der gute, alte Lambrecht will wieder hei-

rathen; seine zukünftige Gattinkommt aus Deutschland herüber,und er ist schon nach der Kap-stadt gereist, um sie abzuholen.Thomas soll ganz empört darübersein; er hat sich in seine Ge-mächer eingeschlossen und sprichtmit keinem Menschen."

Der Doktor erzählte denwahren Sachverhalt, und alser geendet hatte, meinte Hildaernst und nachdenklich:

Ich kann mir denken, wiesehr verstimmt und erregt dergute Thomas ist, ich würdeauch ganz empört sein."

Denke aber auch an denalten Herrn, meine liebe Frau,er ist reich, und es macht ihmeine Freude, ein armes Mäd-chen glücklich zu machen. Ichhabe noch nie einen Herrn ken-nen gelernt, der so sehr wieHerr Lambrecht die Gesellschafteiner Dame entbehrt, und eheer Fräulein von Bornfeld kom-men ließ, hat er seinen Sohnzu überreden versucht, doch bald zu heirathen."

Na, ich fürchte, die Fremde wird nicht seinen

Wünschen entsprechen. Sieh' nicht so finster drein,

Richard, wenn sie zu uns kommt, soll sie einem freund-lichen Empfang entgegensehen."

(Fortsetzung folgt.)

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Das Iarmariussefi in Neapel .

Von Clemens Mühlbauer.

(Nachdruck verbaler,.)

Wer möchte nach Italien reisen, ohne Neapel zusehen? Die unvergleichliche Lage an dem von einemKranze malerischer Berge und Inseln umschlossenen Golfe,die Pracht der Vegetation, welche auf dem vulkanischenfruchtbaren Boden der Umgebung in üppigster Weise ge-deiht, der meist heitere Himmel, der sich über Land undMeer ausspannt und die wundervollsten Farbentöne darüber-

Mac Kintey,

erwählter Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika .

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