735
Gebäuden, in deren düsteres Schwarz nur die gelblicheFarbe der Thüren und Fensterkreuze ein wenig Abwechs-lung bringt und über denen die weiß-blau-rothe russische Flagge weht, sieht man hier am Ufer der SchwarzenPrzemsa ein hölzernes Bollwerk, bis zu dem die Bahn-geleise unmittelbar herabführen; vermittelst fünf Rollenkönnen von hier aus ebenso viele Brücken bis dicht überden Wasserspiegel herabgelassen werden, an die dann dieKähne unmittelbar anlegen, die den Kohlenverkehr nachden Weichselstädten vermitteln. Diesesogenannten Galeeren,sehr primitive flache Fahrzeuge, sind etwa 18 Meter lang,4 bis 5 Meter breit und mit einfachem Steuerruderversehen; mitten darauf befindet sich eine kleine Bude,die für Geräthe bestimmt ist. Sie werden stromaufwärtsvon Pferden gezogen, die ohne Sattel von den soge-nannten Trybarze (Treibern) gelenkt werden, und brauchenfür die Strecke von der Dret-Kaiser-Ecke bis zu ihrem
führenden Bahn dahinbraust, wird in näherer oder weitererEntfernung sichtbar, zunächst Modrzejow, dahinter die inneuerer Zeit außerordentlich aufblühende russische Grenz-station Sosnowice .
Mit Vorliebe macht man von der Drei-Katser-Eckeaus einen Abstecher auf das nahe österreichische Gebiet,mit dem Preußen durch die über die Przemsa führendeEisenbahnbrücke verbunden ist, und das man ohne Paßbetreten darf. Ein Häuschen auf der Brücke ist für den„Finanzwächter", einen aus Krakau oder Lemberg ab-kommandirten Soldaten, bestimmt, der zur Verhinderungdes Schmuggels hierher gesetzt ist, uns aber mit echtösterreichischer Gemüthlichkeit das Ueberschreiten der Brückeund das Betreten des Bahndammes gestattet. Gernwerfen wir von der Brücke, die auf drei mächtigen, 20Meter hohen Pfeilern ruht, einen Blick auf den tiefunter uns rauschenden Fluß und seine Umgebung; aber
Vellrnberg.
Original-Aufnahme von Gustav Baader^,Photograph in Krumbach. fVerviclfältigungSrccht vorbehalten.;
Endziele Krakau sechs bis acht Tage. Stromaufwärts,bis Myslowitz, bringen sie die Erzeugnisse Galiziens ,besonders Thon und Bretter, auch Kartoffeln. Uebrigenshofft man, daß in nicht zu langer Zeit eine Dampfer-verbindung der Dret-Kaiser-Ecke mit Krakau und Warschau hergestellt werden wird.
Nicht weit von der Verladestation liegt das russischeDorf Niwka mit einem großen Kohlenbergwerk; das Dorfbietet aus der Ferne durch die hohe hölzerne Kirche unddie mächtigen alten Bäume, die die Blockhäuser der Ein-wohner überragen, einen freundlichen Anblick; am Endedes Dorfes erkennt man die Ruine eines massiven Ge-bäudes, des ehemaligen katholischen Pfarrhauses, dessenletzter Bewohner den polnischen Aufstand des Jahres1863 begünstigte und dafür auf Lebenszeit nach Sibirien verbannt wurde, während man sein Haus zum abschrecken-den Beispiel zerstörte. Eine Anzahl russischer Ortschaften,zwischen denen gelegentlich ein Zug der nach Warschau
weit lockender noch ist bei klarem Wetter der Blick vonhier nach Süden auf die Beskiden, den nördlichen Zugder Karpathen , die in bläulichem Schimmer sich in langemZuge am Horizonte dahin erstrecken. Machtvoll liegt voruns die 1725 Meter hohe Babia Gura, auf deren Nord-abhang wir mit bloßem Auge eine Menge von scharfenRiffen und Spalten erkennen können, in deren Umgebungaußer im Hochsommer stets wette Schneefelder sichtbarsind. Ostwärts ziehen sich endlose Kieferwaldungen aufösterreichischem Gebiete entlang, über die mehrere Höhenhinausragen, von deren einer das galizische StädtchenJaworzno mit seinem hohen Kirchthurm niederblickt. EineKapelle, die wir von der Brücke aus auf dem nahenpreußischen Höhenzuge wahrnehmen, weiß uns von demeinzigen Gefecht, das an dieser Grenzscheide 1866 aufdeutschem Boden (am 27. Juni) stattfand, zu erzählen.Schreitet man den Bahndamm hinab, so gelangt manauf einem Wiesenpfade zu dem galizischen Dorfe Jenzor,