Ausgabe 
(24.11.1896) 97
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Park gelegen ist. Ein solcher Empfang wickelt sich übrigensaußerordentlich rasch ab. Nachmittags präcis 2 Uhr öffnensich die Thore des Palastes, und eine fast endlose Reihefeiner Equipagen fährt in den Schloßhof. Die imHof-Costüm erscheinenden Herren und die in reicher, mit Dia-manten gezierter Toilette steckenden Damen stellen sich imInnern des Palastes reihenweise nach der Zeit ihres Ein-treffens auf oder sie bildenQueue", wie eS in derHofsprache heißt. Endlich naht der große Augenblick.Präcis 3 Uhr Nachmittags öffnet sich das Thronzimmer,wo die von ihrer Familie und den hohen Würdenträgernumgebene Königin ihren Sitz eingenommen hat. DerCeremonienmeister ruft jetzt laut und deutlich die Namender Erschienenen auf, die sich dann schleunigst in Be-wegung setzen, vor der Majestät die vorschriftsmäßigetiefe Verbeugung machen und ihr die Hand küssen, umdann ohne weiteren Aufenthalt durch die Thüre am ent-gegengesetzten Ende des Saales wieder zu verschwinden.Nur selten richtet die Königin an bekannte Personen einigeWorte, und um 4 Uhr, also nach Verlauf einer Stunde,hat die ganze noble Gesellschaft den Palast wieder ver-lassen, während die Königin nie später als 5 Uhr mitdem an der Paddington -Station bereitstehenden Extrazugnach Windsor zurückkehrt. Am folgenden Tage bringenalle Zeitungen die Namen der Auserwählten, welche beidem gestrigen Drawingroom der Herrscherin die Handküssen durften, und glücklich ist, wer sich in dieser Listeaufgeführt steht.

Die gesammte Repräsentation, wie überhaupt dieganze Last, welche die königliche Würde nach außen mitsich bringt, ruht seit vielen Jahren auf den Schulterndes Thronfolgers, des Prinzen von Wales , der trotz seinermancherlei Schwächen in England großer Beliebtheit sicherfreut. Bei der Unmasse von Festlichkeiten aller Art,denen er dem Herkommen gemäß beiwohnen muß, wäredas Anhören von Ansprachen und das Selber-Reden nochnicht das Schlimmste. Härter würden manchem die Fest-essen vorkommen, mit welchen der Vertreter der Kronesich oft täglich in der Mehrzahl abzufinden hat. Aberder königliche Prinz ist in diesem Punkte mit einer ge-radezu bewunderungswürdigen Gabe ausgestattet. Trifftihn des Vormittags um 10 Uhr das erste Frühstück, sovermag er gleichwohl um 1 Uhr ein zweites, noch um-fangreicheres zu vertilgen, ohne daß ihm deßhalb derAppetit zu dem offiziellen Lunchen um 3 Uhr abhandenkäme. Und will es des Schicksals Tücke, daß Abends8 Uhr noch ein Bankett (dinnor) stattfindet, so stellt derThronfolger auch da wieder seinen ganzen Mann. Aberwer viel ißt, kann nach Ludwigs XI .' berühmtem Aus-spruche niemals ein schlechter Mensch sein. Der Prinzvon Wales beweist diesen Satz schon durch seine äußereErscheinung, welcher die vollendete Gutmüthigkeit auf-geprägt ist. Daß er viel ißt und auch mittrinken, plaudern,spielen, tanzen und scherzen kann, sich mit einem Wortezeigt wie andere Sterbliche auch, das ist es gerade, wasihn bei Hoch und Nieder populär macht. (Luz. Vtld.)

ZuunserenBildern.

Ein Ungeheuer.

Die einst die furchtlosen und wüthigen Vertheidiger ihrerHerren werden sollen, hat eine Kröte, die ihnen bisher nochnicht vor Augen kam, gewaltig erschreckt. Mit den gewagtestenKletterübungen suchen sie sich vor dem Feinde in Sicherheit zubringen. Und gerade in so gefährlichen Augenblicken muß dieHündin abwesend sein!

Der Drandstifter.

Im Dorfe ist ein Haus abgebrannt. Die Ortsfeuerwehrdie Nachbarfeuerwehrcn, die Ortsbewohner haben redlich zu-sammengeholfen, die benachbarten Anwesen zu schützen und vordem verheerenden Elemente zu bewahren. Schon als man dasFeuer bemerkt hatte, tauchte allgemein die Meinung auf, nurdie Hand eines Frevlers könne namenloses Unglück über einearme Familie gebracht haben, und der Verdacht sollte sich als-bald bestätigen. Nur einen Feind hatten die ihrer Habe Be-raubten im Dorfe, einen finsteren, verschlossenen Mann, dererst vor Kurzem einen Prozeß mit ihnen angefangen und ver-loren hatte. Man hielt ihm alsbald vor, er sei der Brand-stifter. Der Mann leugnete die That nicht, gab vielmehr seinerhöllischen Befriedigung über die Sättigung seiner Rache Aus-druck, und so wurde er von einigen handfesten Ortseinwohnerndingfest gemacht und vor das Ortsoberhaupt geführt. DasGemälde von Fr. Hiddemann stellt den Moment dar, in welchemder Verbrecher vor dem Bürgermeister erscheint.

Zichloß am Kee.

Der Mond dringt eben durch die dichte Wolkenwand undbeleuchtet ein mit Reben bewachsenes altes Gemäuer, das einerBurg als Umwallung diente. Von der Zinne des Thurmesgenießt man einen herrlichen Ucberblick über den See, der schonzu Zeiten der Raubritter einen sehr lebhaften Verkehr vermittelte.Gar oft ist die raublustige Schaar ans Ufer geeilt, wenn dieThurmwache das Herannahen des Fahrzeuges eines reichenKaufherrn anzeigte, und hat reiche Beute geholt. Jetzt ist dasSchloß zum Theil verfallen und dient nur mehr als bequem zuerreichender Aussichtspunkt.

Aus derNachfolge Kyristi"?)

Sei nicht stolz auf hohe Freunde,

Rühme dich nicht deiner Habe,

Nur des Herrn! Denn Er gibt allesUnd sich selbst als beste Gabe.

Prahle nickt mit deiner SchönheitUnd der Wohlgestalt der Glieder:

Eine Krankheit und was prangte,

Ist verwelkt und blüht nicht wieder!

Denke nicht mit Selbstgefallen.

Deiner Einsicht und Talente,

Weil der Herr, der alles schenkte,

Dir zum Unheil, zürnen könnte!

Schätze dich nicht über and'reIn vermeff'nem Tuqenddünkel!

Um so nied'rer wirst du geltenDem, Der kennt die Herzenswinkel.

Was du Gutes etwa thatest,

Denk' es nicht mit UeberhebenlDaran, was die Menschen preisen,

Kann vor Gott ein Tadel kleben.

Hast du Gutes: das noch Bess'rcVon dem Nebenmenschen glaube,

Daß der Feind den Schatz der Schätze,

Deine Demuth, dir nicht raube!

Daß du allen nach dich ordnest,

Ist der Seele nicht zum Schaden;

Doch Erhebung über einenBringt dich um sehr viele Gnaden.

Demuth hat beständig Frieden;

Aber in die Brust des StolzenSchnellen Eifersucht und AergerIhre gift'gen scharfen Bolzen.

*) SieheDes gottseligen Thomas von Kempen Nach-folge Christi in deutschen Reimen" von Hermann Jseke.Verlag von F. W. Cordier, Heiligenstadt (Eichsfeld). Preisbrosch. M. 3.-, Salonband M. 4 50.

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a beliebtes Reiseziel,d Soldat.

x ein für Häuserspeculanten wichtiges Object.---SÄWSS--