Ausgabe 
(27.11.1896) 98
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Diese Erfolge veranlaßten nun den oben genanntenArzt Suchard, ebenfalls die künstliche Erwärmung einzu-führen, und er hat in Lavcy eine Anstalt errichtet, diedie deutschen Einrichtungen in großartigem Maßstabe an-genommen und durchgeführt hat, und in der alljährlichTausende von Bädern verabreicht werden.

Man nimmt sehr reinen und von allen organischenStoffen befreiten Sand. Dann setzt man ihn in einemgroßen Ofen einer Hitze aus, daß er bis zu 65 GradWärme annimmt, und rüttelt ihn, um eine gleichmäßigeWärme zu erzielen, häufig mittelst Schaufeln durcheinander.Darauf vermischt man mittelst Rechen den warmen Sandmit frischem Sand, bis die gewünschte Temperatur erzieltist. Im Allgemeinen verabreicht man das Bad bei 45und selbst. 50 Grad; bei weniger Grad hat man ein un-angenehmes Gefühl. Bei Hüftweh und lokalisirtcmRheumatismus geht man sogar bis zu 60 Grad. Dieersten Lagen des in der Badewanne ausgebreiteten Sandeshaben 45 Grad.

Wenn der Kranke auf diesem Sandbette liegt, bedecktman ihn mittelst Schaufeln mit Sand. Der Bauch wirdnur mit einer Lage von 10 Centimetcr bedeckt und dieBrust mit einer noch geringeren, um die Athmung nichtzu behindern. Der Kranke muß, um den Sand nichtzu verrücken, unbeweglich bleiben. Nach dem Bade finden2545 Minuten lang dauernde Reibungen und Douchen statt, deren Wirkungen rapid sind: energisches Schwitzen,Gewichtsverlust von 800 bis 1000 Gramm.

Das Sandbad übt also eine Wirkung aus wie dietrockene Lust der Schwitzstuben, aber es zieht den Schweißenergischer aus dem Körper, und seine Wirkung ist voll-ständiger. Auch bringt die Hautausdünfiung eine günstigeAbkühlung hervor. Das Hinströmen der Flüssigkeitenzu der Haut und die Nöthe derselben sind beträchtlicherals bei jedem anderen Bade. Endlich, und das ist sehrwichtig, kann der Sand in demselben Bade auf ver-schiedene Temperaturen erwärmt werden, so daß man nachBelieben die therapeutisch wirkende Kraft auf diesen oderjenen Körperthcil bringen kann.

Das partielle Bad ist sehr wirksam; man verabreichtcS in besonderen Kästen und kann in diesem Falle dieTemperatur bedeutend steigern. Kurz, der Sand wirdein Beförderungsmittel kostbarer Wärme, das dazu dient,die Wärme an den kranken Stellen zu lokalisiren. Daherwird auch das partielle Bad am häufigsten angewandt.Man darf behaupten, daß die Behandlung besonders heil-bringend wirkt bei rheumatischen, tuberkulösen Leiden, beiWunden, NückcnmarkSlciden, Krankheiten des Gefäßsystems,Rachitis u. s. w. Der Doctor Suchard hat bereitsganz bcmerkenswcrthc Heilungen auszuweisen.

Ausgehend von dem Grundsätze, daß der Mensch,wie die Pflanze, zum Leben Lust und Sonne braucht,und daß, wenn eines dieser Elemente fehlt, das Blutdünner wird und Blutarmuth eintritt, verordnen mehrereAerzte Luftbäder und setzen ihre Kranken viele Stundenhindurch den Strahlen der Sonne aus.

Die Amerikaner haben diese Heilmethode verbessert,und um im Stande zu sein, zu jeder Stunde und anjedem Orte die praktische Anwendung zu machen, ziehensie den Sonnenstrahlen die allzeit verfügbaren Strahlendes elektrischen Lichtes vor. Zu diesem Zwecke existnenaugenblicklich in Ncw-Dork und in Philadelphia Ein-richtungen der elektrischen Photothcrapic, die unaufhörlich :von Jahr zu Jchr, bei Tag wie bei Nackt, in Thätigkeit

find. Eines der berühmtesten dieser Etablissements istdasjenige der Frau A. Clcaves in New-Aork, wo diebesten Resultate erzielt worden sind. Diese berühmteAerztin wendet Bogenlampen an mit Wcchsclströmungcn,die Lampen sind mit Reflektoren derart versehen, daß siedas Lichtbüudel auf einen speciellen Punkt leiten, undhängen in den Winkeln eines kleinen Zimmers; wennnun der vollständig entkleidete Kranke mit verhülltemGesicht auf einem Bette liegt, so empfängt er 15 bis30 Minuten lang eine Lichtdouche, bis eine gelindeTranspiration erzeugt ist.

Miß Cleaves hat in einem Berichte an die mcdi-cinische Akademie zu New-Iork die wunderbaren Heilungenerörtert, die stattfanden in zahlreichen Fällen von Neur-asthemie, Blutarmuth, Verdauungsstörungen, nervösenLeiden, bei entstehender Tuberkulose und Krankheiten derAthmiingsorgane.

Die Elektricität scheint auch bestimmt zu sein, ineinem Kampfe, den Hygiene und Schönheitsgefühl seitlanger Zeit vergeblich führen, in dem Kampfe gegen dasCorsct, ein gewichtigtes Wort zu sprechen. Im Namender Wissenschaft, im Namen der Elektrotechnik, hat sichganz Calisornien gegen diesen Apparat moderner Torturerhoben und fordert die Abschaffung oder wenigstens eineradicale Verbesserung. Ein Professor Meads gab denersten Anstoß z» diesem Vcrnichtungskampfe. Beauftragt,in der höheren Töchterschule zu Oakland in das Gehirnder jungen Damen die Anfänge der Lehren Faradays,Ampcres, Ohms u. a. zu pfropfen, unterstützte er seineVortrüge mit Experimenten. Als aber ein junges Mäd-chen sich den empfindlichen Instrumenten, die die Exakt-heit der verkündeten Lehren beweisen sollten, näherte, fingendie Spitzen der Galvanometer an, einen wahren, zügel-losen Tanz aufzuführen. Obwohl Meads wußte, daßseine Instrumente sehr empfindlich seien, konnte er den-noch nicht glauben, daß sie aus Entzücken über die Schön-heit der jungen Californieriuncn aus Rand und Bandgerathen seien. Seine Untersuchungen führten zu demErgebniß, daß die Stahlstangeu in den Corsets die alleinigenSchuldigen an dieser Störung seien.

Trotz eines strengen Verbotes, weiterhin Corsets zutragen, dauerte der Zustand fort. Die Direktion derSchule mischte sich in die Sache, und es wurde beschlossen,daß nach einem namentlichen Aufruf und einem Versucheam Galvanometer alle Schülerinnen, die einenungün-stigen Einfluß" auf die Apparate ausüben würden, ohneNachsicht entlassen werden sollten. Das gab dann Thränen,Beschwerden, Verstimmung und Feindschaft. Aber dieDirektion ließ sich nicht erweichen und hat somit dasVerdienst, den ersten erfolgreichen Kampf gegen das Corseteingeleitet zu baden. Möge cr weiter von Erfolg sein!

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zVesentlicb angetnelit dnreli das grosse Inrnier inNürnberg Irnm lins lvlublelien ivälirend der Loiimierperiodonielit ini Geringsten rinn Stillstand, sondern allerseits Iierrselitereges Interesse: namentlieli jene Llitglieder, rveleliv s. A. als«laste rles Xüinlierger Illulis dortselbst anncsend ir.aren,rverden sieli stets der angeiielimen Isindiiieke gerne erinnern;