Herren und war so vertieft in seine Whistpartie,daß er die Frage seines Sohnes nach Rosa ganzüberhörte. Thomas wurde immer unruhiger.Jetzt wurde das Zeichen zum Abendessen gegeben,und die zahlreichen Gäste versammelten sich grup-penweise in dem Speisesaal, doch Rosa warnicht unter ihnen, so sehr der junge Herr seineAugen und alle seine Sinne anstrengte, um eineSpur von ihr zu entdecken.Z
Langsam schlenderte er nach dem Palmen-garten zurück, er wußte kaum, was er dortwollte, denn dort war er schon so oft gewesenund hatte sie nicht gefunden.
Alle Nasenbänke, Sessel und Hängematten warenleer, schon wollte er zurückkehren, als er hintereiner breitblätterigen Daturusstaude ein weißesGewand schimmern sah. Schnell eilte er vorwärts,bald hörte er ein unterdrücktes Schluchzen undwußte jetzt, daß Linda's herzlose Worte dasarme Mädchen in tiefster Seele verwundet hatten.
„Rosa!"
Keine Antwort erfolgte.
„Rosa!" rief er abermals, „ich habe Sieschon so lange gesucht."
Er beugte sich zu der Weinenden herab, richtetesie auf und führte sie mit sanfter Gewalt zu einerRasenbank.
„Rosa", wiederholte er und erfaßte ihre zit-ternden, kalten Hände, „warum weinen Sie, wasist geschehen?"
„Ich — ich kann es Ihnen nicht sagen",schluchzte sie.
„Ich weiß alles. Ich kam gerade noch zurrechten Zeit, um Linda Niver's Worte zu hören."
„Glauben Sie denn, was sie gesagt hatte?"
„Ich weiß, daß es Verleumdung ist!"
„O! Es war hart und grausam. Ein Zederwird es glauben; — ich will fortgehen und michverbergen."
„Ja, es war grausam", gab Thomas zu,„aber Sie wissen, Rosa, Niemand glaubt es,der Sie kennt. Granville zum Beispiel glaubtes nicht."
„Ich kümmere mich wenig darum, ob Gran-ville es glaubt."
„Nun, Dr. Manners und seine Frau glaubenes auch nicht, und ich ganz gewiß nicht."
„Ich dachte, Sie würden sich darüber freuen."
„Sie beurtheilen mich falsch", versetzte er ruhig.
„Aber Sie hassen doch alle DamenI"
„Sie sind eine Ausnahme."
„Nun", sagte das junge Mädchen, gewalt-sam die Thränen zurückdrängend, „Ihr Lebensoll durch meine Gegenwart nicht länger getrübtwerden; noch heute will ich Marydale verlassen."
„Wohin wollen Sie denn gehen? Ich möchtees gern bald wissen, denn ich gehe auch fortund muß noch einige Vorbereitungen treffen."
„Sie scherzen wieder."
„Nein, Rosa, ich scherze nicht." Er sprangauf, und ohne daß sie es hindern konnte, um-schlang er sie fest mit seinen Armen. „Rosa,Geliebte I" rief er stürmisch, „weißt Du dennnicht, daß ich Dich liebe? Ich kannte das Ge-