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so wenigen Wochen könnten ja kaum die Hochzeitsgeschenkevon Deutschland herüber kommen.
Rosa lachte und gab die Versicherung, sie erwartegar keine Geschenke, da sie in der alten Heimath keineFreunde hinterlassen habe.
Doch darin halle sie sich geirrt. Mit dem nächstenDampfer, der noch vor dem Hochzeitstage landete, erhieltsie drei werthvolle Geschenke: einen goldenen Armreifvon Herrn Hollmann, einen kostbaren seidenen Spitzen-shawl von seiner Schwester und einen Diamantschwuckvon dem reichen Engländer Mr. Lislie.
„Ich kann das gar nicht begreifen, ich sah denguten Engländer doch nur ab und zu auf dem Schiffe",meinte Rosa nachdenklich.
Doch Thomas Lambrecht erhielt von ihm mit der-selben Post einen ausführlichen Brief.
„Er hat Dich unendlich geliebt", sagte er nach dem
Rosa's Gegenwart erleichtert, und als das junge Paarnach wenigen Wochen nach Afrika zurückkehrte, war eszwar um ein bedeutendes Vermögen reicher, aber umeinen Freund ärmer geworden.
„Er war der einzige Freund, den ich autzer HerrnHollmann und seiner Schwester hatte", sagte sie gerührt.
„Du hattest aber noch eine andere Freundin, hastDu sie vergessen?"
„Welche?"
„Die Sibylle, die Dir „ein besseres Land" ver-sprach und vorher sagte, Dein Glück würde kommen,wenn die Rosen am Weihnachtsfeste blühen."
„Mein Glück ist vollkommen. O, Thomas, Dubereust doch nicht, daß ich nach Afrika gekommen bin?"
„Thorheit, Kleine. Ich bin von Herzen dankbar;ich habe nur einen Wunsch, den ich gern erfüllt sehenmöchte."
Anstcht von Ueu-Ulm über die Donau auf Alt-Ulm.
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Lesen des Schriftstückes, „aber er freute sich, Rosa, daßDu damals seine Hand ausgeschlagen hast, denn er hättenur bald eine Wittwe hinterlassen. Er fühlt sein Endeherannahen, und nach Ausspruch der Aerzte kann er kaumbis zum Mai leben,"
„Ich will ihm schreiben und ihm für seine Gütedanken."
„Er verlangt mehr von Dir, Rosa. Er wünscht,Dich noch einmal vor seinem Ende zu sehen, und bittetDich, nach England zu kommen. Er hat Dich zu seinerErbin gemacht."
„Ich sehne mich nicht nach seinem Reichthum."
„Willst Du nach England reisen?"
Sie zögerte.
„Allein?" fragte sie dann.
„Glaubst Du, ich ließe Dich allein reisen? Nein,mein Lieb, wohin Du reist, begleite ich Dich."
Die letzten Tage des Sterbenden wurden durch
„Welchen?"
„Ich kenne noch nicht die ganze Prophezeiung de*Zigeunerin. Sagte sie Dir, Du würdest heirathen?"
„Sie sagte, ich würde nicht den ersten, auch nichtden zweiten und dritten heirathen, der um meine Handanhielt, aber vor Jahresfrist würde ick an der Seitemeines Gatten glücklich sein."
„Es ist kaum ein Jahr vergangen, denn wir sinderst im Mai; sie war wahrlich eine ausgezeichnete Frau/„Lache doch nicht darüber", bat Rosa schmeichelnd„Ich lache nicht. Bis an mein Lebensende werdeich für Deine Liebe dankbar sein und nie das Glück der-'gessen, was mir zu einer Zeit kam, da die Rosen blühten/