Ausgabe 
(11.12.1896) 102
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fernen, wenn sie nicht vorher dessen Erlaubniß erlangthaben. Was die Cardinäle betrifft, die gleichzeitig einenbischöflichen Stuhl inne haben, so unterstützen auch sieden Papst in der Kirchenregierung, vornehmlich durch Be-richte über die Lage der Kirche in den betreffenden Län-dern, durch Kundgebung ihrer Meinung über die dortauftauchenden kirchlichen Fragen und vor allem durchWahrnehmung der Interessen des apostolischen Stuhles.Sie nehmen auch an den heiligen römischen Kongregationentheil, diesen großen Dikasterien, deren sich der Papst ordent-licheriveisc bedient bei der Leitung der gesummten Kirche.

Die Ernennung (Kreation) der Kardinäle pflegt vornPapste im geheimen Konsistorium vorgenommen zu werden,während die Ueberreichnng des Cardinalshutes im öffent-lichen Konsistorium geschieht. Das Konsistorium ist dieVersammlung der Kardinäle, insoferne diese vom Papstellls dessen Rathscollegium zusammenberufen werden. DasKonsistorium ist ein geheimes, wenn außer dem Papstenur die Kardinäle anwesend sind, ein halböffentliches,wenn auch Bischöfe zugelassen werden, ein öffentliches,wenn noch andere Diguitäre des römischen Hofes, dasdiplomatische Corps :c. beiwohnen.

Am Tage vor dem Konsistorium begibt sich der Ma-gister der päpstlichen Cursoricn nach Empfang des päpst-lichen Auftrages zu den in Rom weilenden Kardinälenund theilt ihnen knieend Tag, Stunde und Ort des Kon-sistoriums mit. Dieses wird vom Papste in dem Palasteabgehalten, wo er residirt. Im Vatikan wird das geheimeKonsistorium in einem Saale neben der geheimen Anti-caniera, der eben deßwegen Cousistorialsaal heißt, abge-halten. Dort ist für den Papst ein Thron errichtet, umden herum im Quadrat die Bänke für die Kardinäle auf-gestellt sind, die sich je nach der kirchlichen Zeit in rothervder violetter Kleidung nach dem Palaste begeben. Inden ersten päpstlichen Vorzimmern ziehen sie die rotheoder violette Kappa an und erwarten dort die Ankunftdes Papstes.

Der Papst, in weißem Talar, weißem Cingulum mitGoldgnasten, Rochett und Mozett, verläßt zur bestimmtenStunde seine Prwatgemächer, zieht das k»läa genannteweiße Ueberkleid an und begibt sich, begleitet -von denMitgliedern der geheimen Anticamera, fernem Hofstaate,den Keremoniären und dem ersten Cardinaldiakon, derihm die rothe Stola umlegt, in den Consistorialsaal. Beiseinem Erscheinen erheben sich alle Kardinäle, nehmen dasrothe Zucchetto ab und verneigen sich. Sobald der Papstden Thron bestiegen, ruft der Kustos des Konsistoriumsmit lauter Stimme:Lrtra. onmss!" (Alle hinaus!), wo-rauf sämmtliche Officiale der Curie den Saal verlassenund dessen Thüren schließen, die erst nach Beendigung desKonsistoriums wieder geöffnet werden, so daß selbst einemCardinal, der etiva zu spät kommt, nichts übrig bleibt,als umzukehren und nach Hause zu fahren.

Sobald der Papst mit den Kardinälen allein ist, hälter eine lateinische Ällocntion über eine kirchliche Ange-legenheit, wenn es ihm so gut dünkt, und wenn er Kar-dinäle creiren will, nennt er deren Namen und erwähntihre Verdienste. Sodann holt er hierüber die Meinungder Kardinäle ein mit der Formel: ..Haiä vobis vülstm?"(Was dünkt Euch D Die Kardinäle erheben sich zum Zeichender Zustimmung, nehmen das Zucchetto ab und verneigensich. Hierauf creirt der Papst die neuen Kardinäle mit-telst der Formel, die auf deutsch lautet:Vermöge derAutorität des allmächtigen Gottes, der heiligen ApostelPetrus und Paulus und Unserer eigenen creiren Wir zuCardinalpriestern (-Diakonen) N.N. mit den nothwendigenund angemessenen Dispensen, Dcrogationen und Klauseln."Behält der Papst einen Kardinal in petto, so verschweigter bei dessen Kreation den Namen desselben.

Nach dem geheimen Konsistorium gehen sofort diedazu bestimmten Officialcn zu jenen der neuen Kardinäle,die sich in Rom befinden, um ihnen die amtliche Meldungvon ihrer Kreation zu überbringen und sie einzuladen, sichin den Vatikan (gewöhnlich am Nachmittag desselbenTages) zn begeben, um aus den bänden des Papstes dasCardiiialsbirret zu empfangen. Was die nicht in Romanwesenden neuen Kardinäle betrifft, so bestimmt derPapst einen Nobelgarden, um ihnen mit der Nachrichtvon ihrer Promotion das rothe Zucchetto (oder die Kalotte)zn überbringen. Sobald der neue Cardinal das Zucchetto

empfangen hat, darf er sich als Cardinal unterschreiben,aber noch nicht den Purpur, noch auch das Cardinals-Birret tragen. Letzteres wird ihm von dem Souverändes Landes oder, wenn dieser nicht Katholik ist, von einemhiezu vom Papste dclegirten Cardinal nach einem be-stimmten Ceremoniell ausgesetzt. Während nach der Birret-Aufsetzung das Tedeum gesungen wird, begibt sich derneue Cardinal in die Sakristei, und hier erst zieht er denpurpurnen Talar, das rothe Cingulum und die purpurneOappa INLANS an.

Sowohl das rothe Birret wie das rothe Zucchettowurde den Kardinälen vom Papste Paul II. im Jahre1464 verliehen, jedoch mit Ausnahme der einem religiösenOrden entnommenen. Diese Ausnahme hob indessen PapstGregor XIV. auf, so daß auch die Kardinäle, welche Re-gulären sind. Birret und Zucchetto von rother Farbetragen. Das letztere tragen die Kardinäle stets und nehmenes nur vor dem Allerheiligsten, vor dem Papste und vorden kollegialster versammelten Kardinälen ab.

Der rothe Hut (Cardinalshut) ist das älteste pur-purne Jusigne der Kardinäle. PapstJnnocenz IV. bestimmtenämlich auf dem ersten allgemeinen Concil zu Lyon (1245),daß die Kardinäle den rothen Hut zu tragen haben, underst Bonifatius VIII . verlieh ihnen die vollständige Purpur-kleidung, die bis dahin nur vom Papste getragen undhöchstens hie und da einem Legaten s, totere gestattet wurde.Der berühmte Cardinal Bellarmin sagt, der Purpur seiden Kardinälen gegeben worden mit Rücksicht auf ihreder königlichen gleichzuhaltenden Würde; der Purpur sollaber auch die Kardinäle erinnern, daß sie stets bereit seinmüssen, ihr Blut zu vergießen für den Glauben, den apo-stolischen Stuhl und den Frieden der Christenheit.

Der Cardinalshut ist aus rothem Tuch, hat eine breiteKrämpe und einen verhältnißmäßig kleinenKopf", vonwelchem zwei rothe Schnüre mit fünf Reihen Quasten anjeder herabhängen, derart, daß zuerst eine Quaste kommt,dann zwei, drei, vier und fünf, so daß es zusammen 30Quasten sind. Der Hut wird einen: neuen Kardinal, deraußerhalb Roms wohnt, äußerst selten, ja fast nie geschickt,sondern vom Papste in: öffentlichen Konsistorium auf-gesetzt, wo er auch von: Papste den Cardinalsring em-pfängt, der von Gold ist und einen großen Saphir ent-hält. Der eigentliche Cardinalshut wird von den Kar-dinälen nur bei einigen wenigen Feierlichkeiten getragen;sonst tragen sie einen rothen Hut von gewöhnlichen Di-mensionen mit Goldverziernngen und für gewöhnlich einenschwarzen Hut mit rothen: Bande und Goldverziernng.

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AllseLeL.

Alte Feuerzeuge. Die Erzeugung des Feuersgehört ohne Frage zu den frühesten Erfindungen desMenschen. Auf der niedrigsten Kulturstufe erzeugen alleVölker das Feuer durch Reiben eines harten und einesweichen Holzes gegeneinander. Jndier und Griechen,Römer und Germanen verschafften sich Feuer, indem einStab entweder in einen andern, oder durch eine Scheibeoder Tafel, oder durch die Nabe eines Rades gebohrtward, wodurch man an den Reibungsflächen eine solcheHitze erzeugte, daß dort liegende Stückchen Werk oderZunder in Brand geriethen. Solche Neibfcuerzeuge habensich bet Polyneflern, Südamerikanern und Sndasiaten,wie auch in manchen nordafrikantschen Oasen, bis zurGegenwart erhalten. Bei den alten Römern war auchschon das sogenannte Pinlfeuerzeug in Gebrauch, dasbei uns vom 14. oder 15. Jahrhundert bis in die neuesteZeit, namentlich auf dem Lande, ganz allgemein in An-wendung geblieben ist. Es besteht aus dem Feuerstahl,einem Feuerstein und einem zum Auffangen des Funkensverwendeten Stoff. Die Gewinnung des Feuers beidieser Art von Feuerzeugen beruht darauf, baß dieMechanische Kraft des Menschen durch Reibung in Wärmeumgesetzt wird. Man schlägt mit dem Stahl den scharf-