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deS Königs Heinrich VII. zu Ulm . Im Jahre 1268schenkte Berthold von Kronburg Güter an das KlosterNoch. Kronburg kam im Jahre 1373, nachdem es nurkurze Zeit in dem Besitze der Herren von Lautrach war,durch Kauf sammt dem Berg und dem Kirchensatz nebstdem Dorfe an Bruno von Uttenried, und zwar alsVehringen-NcllenburgischeS Afterlehen. Dessen TochterBarbara übernahm das Gut, stellte es unter den Schutzder Stadt Kempten , vermählte sich mit Hans von Werden-stein und, als dieser gestorben war, mit Georg von Rech-berg, welcher Kronburg von den drei Töchtern erster EheLimo 1478 erkaufte. Georg von Rechberg und mehrereNachfolger desselben wurden sohin mit Kronburg vonSeite der österreichischen Oberlehensherrschaft belehnt. ImJahr 1615 aber wurde Kronburg als heimgefallenesLehen dem Markgrafen Carl von Burgau als neues Lehen verliehen, nach dessen Ableben es an die Herren vonWesternach, welche später von Kaiser Leopold in denReichsfreiherrnstand erhoben wurden und von dem SchlosseWesternach — bei Mindelheim abstammen — kam. DieHerren von Westernach hielten den Besitz der HerrschaftKronburg fest und erwarben zu der ihr bereits zustehendenniederen Gerichtsbarkeit auch anno 1712 die hohe vonder Landvogtei Schwaben. Sie bekleideten hohe kirchlicheund weltliche Aemter und Stellen, wie anno 1626 dieeines Hoch- und Deutschmeisters, 168 t— 1707 eines Weih-bischofes zu Augsburg oder eines Directors der schwäbischenritterschaftlichen Kantone rc.
Im Jahre 1632 kamen die Schweden in die Gegendvon Kronburg und es ging den Bewohnern der Herr-schaft Kronburg , sehr übel. Anno 1635 wollten dieSchweden das Schloß einnehmen und plündern, alleindie Festigkeit der Mauern und die Tapferkeit der Ver-theidiger hinderten dies. Der Pfarrer in Jllerbeurenwar umgekommen. Der Pfarrer von Steinbach mußtedies versehen. Auch ein Pfarrer von Lautrach , NamensMöhner, besorgte einige Jahre Jllerbeuren-Kronburg. 1647bemächtigten sich die Schweden neuerdings der Gegend.Der Gemeinde Kronburg wurde eine Brandschatzung oderKriegslast von 1625 fl. auferlegt, welche Summe dieGemeinde von der Herrschaft entlehnte. Es waren nurnoch vier Unterthanen in der Herrschaft Kronburg vor-handen. Die Wasserleitung, welche das Wasser auf dasSchloß brachte, wurde von den Schweden zerstört, weildie Kaiserlichen dasselbe besetzt hielten; die Schweden verbrannten auch die beiden Mühlen und plündertendie Kirchen.
Im spanischen Successionskrieg uvno 1704 eilteMax Emanuel mit Franzosen nach Memmingen und über-rumpelte die Stadt; auch Kronburg wurde genommenund diente als Quartier für Baron Schenkel. ZweiThürme gegen das Dorf westlich wurden im Gefechte halbabgebrochen, doch von den Franzosen wieder aufgebaut,nachdem Bayern von den Oesterreichern in Besitz ge-nommen wurde.
Anno 1706, den 27. Juli, consecrirte Joh. EustachEgolph von Westernach als Weihbischof in Kronburg zweineue Altäre und ertheilte die hl. Firmung. Die Kirchewurde im Jahre 1786 durch einen kurfürstl. pfälzischenBaumeister restaurirt; die hölzerne Decke wurde entfernt,dafür weiße Gypsdecke, Säulen und Gesimse ringsum inkorinthischem Stile angebracht. Eine spätere, im Jahre1886/87 durch Maler Martin von Achstetten und vonAltarbauer Bertsch von Dormetingen, sowie Glaser Birk
von Btberach und Glasmalereibesitzer Schneider ausNegensburg vollzogene Renovation wandelte diese Kirchein ein würdiges freundliches Gotteshaus um, in welchemauch eine gut gelungene Imitation der Felsengrotte vonLourdes angebracht ist.
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Zu unseren Bildern.
Auf dem Wrihnachtsmarkl.
Es ist so kalt draußm, daß man glauben sollte, ein jeder,der nicht nothwendig aus dem Hause gehen muß, sei froh,beim warmen Ofen dorten sitzen zu können. Und doch sindheute die Straßen des kleinen Städtchens belebt, wie es nurselten der Fall rst. Namentlich die jüngere Welt ist es, welche,die Mützen und Hauben tief über die Ohren heruntergezogenund die Hände bis zu den Ellbogen in die warmen Taschengesteckt, freudig erregt sich herumtummelt; eS ist ja — Weih-nachtsmarkt. 3 Tage Weihnachtsmarkt. Das ist eine Freude,all' die bunten Dinge in den Verkaufsständen umsonst ansehenund bewundern zu dürfen. Kein Wunder, wenn da die jungenHerzen sich manchem Wunsche öffnen und mit einer bescheidenenBitte vor die Eltern treten, die auch wohl nicht anstehen wer-den, dieselbe so weit als möglich zu berücksichtigen.
Riesengebüude in Uew-Uork.
Nicht der Hang zum Ungewöhnlichen ist es, der die Ame-rikaner veranlaßt, ihre Bauten immer kühner emporzuführen,sondern die unglaublich hohen Preise, die im Innern derStädte für Grund und Boden zu zahlen sind, bilden die Ur-sache dieser abnormen Erscheinung. Um den gegebenen Platzauf's äußerste auszunutzen, wird wagehalsig ein Stockwerk auf'sandere gethürmt, und während man rechnet, daß schon eineganz beträchtliche Anzahl von Stockwerken aufgesetzt werdenmuß, um nur allein den Grund und Boden bezahlt zu machen,sollen dann die nächsten Etagen die Baukosten einbringen, diefolgenden wieder die Kosten für Heizung, Beleuchtung, Wasser-versorgung u. s. f. Daß unter diesen Verhältnissen die Anzahlder Riesengebäude, namentlich in New-Aork, von Jahr zu Jahrzunimmt und man sich dabei immer höher „versteigt", erscheintdurchaus erklärlich, und so finden wir denn auch heute in New-Aork schon eine stattliche Reihe solcher gigantischen Bauten,wie sie früher doch nur vereinzelt anzutreffen waren. Diemeisten dieser Riesengebäude stehen im eigentlichen Geschästs-ricrtel, von den New Aorkern mit vorvn (forvn bezeichnet, undzwischen dem City Hall Park, dem Rathhausplatz und derBatterh, dem südlichen Ende der Manhattan-Jnsel. Der Raumfür das Gcschäftsviertel der Stadt ist auf drei Sechen vonWasser begrenzt und natürlich schon seit länger« Jahren bisauf das letzte Quadratmeter bebaut; eine weitere Ausdehnung derGeschäftshäuser ist eben nur noch in der Höhe möglich. Umunfern Lesern einen Begriff von dem Bodenpreis zu geben,wollen wir erwähnen, daß der Boden des Manhattan Life Insu-rance Building zum Preise von 282 Doll. für den amerikani-schen Quadratfuß, also etwa 12,000 Mark für das Quadrat-meter, abgegeben wurde. Unsere, der Zeitschrift „ScientificAmerican" entnommene Abbildung zeigt eine Zusammenstellungder höchsten Gebäude New-Aorks. Während früher der 86,«Meter hohe, schlanke Thurm der Dreieinigkeitskirche, der mitdem (auf dem Bilde ebenfalls wiedergegebenen) Capitol inWashington ziemlich dieselbe Höhe hat, als Wahrzeichen derStadt schon von weitem sichtbar war, verschwindet er heutevor seinen ihn überragenden Nachbarn. Das Gebäude derAmerikanischen Tractatgesellschaft übersteigt ihn allerdings nurum 0„ Meter, das der Tageszeitung „World " aber bereits um1„. Das St. Paul-Gebäude mit seinen 25 Stockwerken er-reicht die stattliche Höhe von 92,, Meter, das Gebäude derLife Insurance Lo. mißt 93„ Meter und hat 21 Stockwerke.Der Riese unter den Riesen ist jedoch ein neues Gebäude, dasauf Park R»w im Bau begriffen ist; es soll 27 Stockwerkedoch werden und die Höhe von 115,» Meter erhalten. DieManhattan-Jnsel, die in ibrer ganzen Länge von 22 Kilometeraus solidem FelSgrund besteht, dürfte wohl auch einer derwenigen Flecke Erde sein, der neben der zum Handelsplatz ge-schaffenen Lage einen geeigneten Baugrund für solche Gebäude-riesen bietet. Das letzterwähnte Gebäude wiegt allein in seinemStahlgerüst über der Oberfläche gegen 3500 Tonnen, währenddas Gesammtgewickt des im Bau begriffenen Geschäftshausesauf Park Row auf 50,000 Tonnen veranschlagt ist, die sichauf nur etwa 1400 Quadratmeter Bodenfläche vertheilen.