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Unternehmungen, Zerstörung von Eisenbahnlinien undTelegraphen, Sprengung von Brücken, Wegnahme feind-licher Bagagen und Trains, Alarwirung eigener weit aus-einander nächtigender Truppen, Wegnahme eines feind-lichen Postens, Belästigung feindlicher Vorposten undBivouacs und dergleichen mehr.
Während die Durchführung derartiger Aufgaben durchKavallerie die doppelte bis dreifache Anzahl von Reiternerheischt, außerdem in Folge der großen Entfernungenund des verrätherischen Geräusches der Pferdefortbewegungin den meisten Fällen von zweifelhaftem Erfolg sein dürfte,haben die angestellten Versuche mit aller Bestimmtheiterwiesen, daß Radfahrerdetachements — etwa in der Stärkevon 80 bis 100 Mann — solche Aufgaben jederzeit undselbst bei den ungünstigsten Witterungs- und Weg-verhältnissen zu lösen im Stande sein werden, jedoch nurdann, wenn sie als besondere Abtheilungen organistrt,ausgebildet und mit dem denkbar besten Pneumatikradeund dem Karabiner ausgerüstet sind.
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Zu unseren Bildern.
Cardinal Gustav Adolph Hohenlohe, ^
der am 29. Oktober l. Jrs. plötzlich gestorben ist, war geborenzu Rotenburg in Mittelfranken am 26. Februar 1823. AlsJüngling kam er nach Rom , um sich in der Akademie für dieGeistlichen von adeligem Stande für die Prälatcn-Laufbahnheranzubilden. Ptus IX. gewann ihn besonders lieb und zogHn als wirklichen gebeimen Kämmerer an seinen Hof. Alsdieser Papst am 16. Nov. 1848 aus Rom fliehen mutzte, folgteihm Msgr. Hohenlohe nach Gaeta , wo er im Jahre 1849 inder Domkirche die Priesterweihe empfing. Gegen Ende 1857wurde er zum geheimen Almosenier Sr. Heiligkeit und Titular-Erzbischof von Edeffa ernannt und Pins IX. selbst ertheilteihm die bischöfliche Weibe. Am 22. Juni 1866 zum Cardinal-priester vom Titel 8ta Llaria in Iraspontina ernannt, wurdeer im Frühjahre 1878 Erzpriestcr der Liberianischen Basilika(8ta. Llaria Naxiors) und am 12. Mai 1879 durch OptionSuburbicarbischof von Albano. Jedoch verzichtete er im Konsi-storium vom 10. Nov. 1884 auf dieses Bisthum, um in dieClasse der Cardinalpriester zurückzutreten, wobei er den Titelvon St. Callixtus erhielt, welchen er am 2. Dezember 1895gegen denjenigen von St. Laurentius in Lucina vertauschte.Aus dem Leben des Kardinals verdient noch besonders hervor-gehoben zu werden, daß Bismark im Jahre 1872, als eben dieKulturkampsgesetze in Vorbereitung waren, dessen Person undWürde in eigenthümlicher Weise zu mißbrauchen suchte. Wäh-rend Cardinal Hohenlohe in Berlin weilte, erledigte sich derPosten eines preußischen Gesandten beim Vatikan . Ohne erstdie übliche Anfrage an die Kurie zu richten, ob die gewünschtePerson genehm sei, und ohne sich zu vergewissern, ob die Kurieeinem Cardinal überhaupt gestatte, einen fremden Souveränbei ihr zu vertreten, wurde Cardinal Hohenlohe zum preußischenGesandten beim Vatikan ernannt. Der Papst verweigerte selbst-verständlich seine Einwilligung dazu, daß ein Cardinal die Ver-tretung einer fremden Macht beim Vatikan übernehme, unddamit war die Bismark 'sche Intrigue zu dessen großem Aergergescheitert. Cardinal Hohenlohe ist seitdem wenig in die Ocffent-lichkeit getreten. _
Trrbilchof Johannes Christian Moos. -j-
Am 22. Oktober starb zu Freiburg i. Br. nach längererKrankheit Erzbischof Dr. Johannes Christian Roos . Derselbewar am 28. April 1828 zu Camp am Rhein geboren, studirtein München und Bonn und wurde am 22. August 1853 vonBischof Peter Joseph Blum von Limburg zum Priester ge-weiht. Im Jahre 1856 wurde er Pfarrverwalter in Hochheim .Vier Jahre darauf ernannte ihn der Bischof von Limburg zuseinem Sekretär. 1864 erhielt er die Professur der Moral undPastoraltheologie am dortigen Priesterseminar. Nachdem er1869 zum Domherrn und Stadtpfarrcr von Limburg berufenwar, gelangte er im Februar 1885 auf den erledigten LimburgerBischofsstuhl. Bald nachher, am 2. Juni 1886, wurde er zum
Erzbischof von Freiburg erwählt. Von den ersten Tagen seineserneuten Wirkens an war Erzbischof Roos bemüht, mit Ruheund Festigkeit die Rechte und Freiheiten der Kirche in Badenzu reclamiren und seine diesbezügliche Thätigkeit war auch mitErfolg gekrönt. Außerdem erwarb er sich große Verdienste umdie Hebung des katholischen Lebens durch Förderung und Unter-stützung des katholischen Vereinswesens, um die Vermehrungder Würde und Erhahenheit des Gottesdienstes, um die zahl-reichen kirchlichen Neubauten und um die christliche Kunst. Ueberden Fortschritt der katholischen Bewegung und besonders überdie Erfolge des badischen Centrums war er hocherfreut. SeinenLieblingswunsch, die religiösen Orden in seine Erzdiöcese zurück-kehren zu sehen, sah er nicht in Erfüllung gehen. Er wurdeabberufen, nachdem er 10 Jahre lang das Haupt und die Zierdeder Freiburger Kirche gewesen war. Möge ihm für seine Mühenund Sorgen, für seine Treue und seine Tugenden die Kronedes ewigen Lebens zu Theil werden!
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Aus der „Nachfolge ßhristi"?)
Menschen wünschen und begehrenSonder Ordnung im Gelüsten:
Wenn sie damit nur die RuheNicht zugleich begraben müßten!
Denn der Stolz hat keine Ruhe,
Und der Geiz hat keinen Frieden;Doch der Armuth und der DemuthIst ihr vollstes Maß beschicken.
Thöricht ist, wer Hoffen, LiebenWill durch Kreaturen stillen,
Weise, wer als arm will gelten,Andern dient um Christi willen.
Auf dir selbst darfst du nicht stehen,Hoffnung nur auf Gott ist nütze,Thu' das Deinige: der HimmelReicht zum Stab dir seine Stützei
Baue nicht auf deine Klugheit,
Noch auf and'rer Geistesstärke:
Nur auf Gnade, die der DemuthHilft, doch stürzt der Stolzen Werkei
*) Siehe „Des gottseligen Thomas von Kempen Nach-folge Christi in deutschen Reimen" von Hermann Jseke.Verlag von F. W. Cordier, Heiligenstadt (Eichsfeld). Preisbrosch. M. 3.—, Salonband M. 4.50.
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Zahlenräthsel.
123456789
Macht dir die Stimmung voll Sonnenschein,Scheucht dir hinweg der Grillen Heer,
Doch allzuviel macht's den Kopf dir schwer.
2 3 4 4 8 9 als Dichter bekannt,
Einst eine Waffe in eines Gottes Hand.
3 2 7 8 7 hat Jedermann,
Stolz ist, wer viele nennen kann.
4 3 5 5 8 trägt der Schulbub meist,
5 3 6 8 manche Romanze preist.
3 9 4 8 8 des Landes Wehr,
6 9 3 7 ist gar nicht schwer.
7 3 1 2 8 7 trägt dich über'n Fluß,
8 6 6 8 der Bauer haben muß.
9 3 1 2 8 nimmt das Weltkind gern,
Der Christ überläßt sie Gott dem Herrn.
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 91:
Weiß. Schwarz.
1. L. V3—87 beliebig.
2. D. ^.6—86 beliebig.
3. D. 66-83 (84) Matt.
Zieht Schwarz 1. L. 85—86 folgt von Weiß: 2. D. L6—86:f rc.
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