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sophen nicht gelungen, allein er wird „der Meister derPhilosophie" bleiben und zugleich auch der unwiderleg-bare Zeuge der Wahrheit, daß die erhabene Gotteslchredes Christenthums nicht bloßes Produkt heidnischer Weis-heit ist und sein kann.")
Das Elser'sche Buch bedarf unserer Empfehlungnicht. In Privatschreiben wird es von Zeller (Berlin )als „ein Werk ausdauernden und besonnenen Fleißes"und von Knauer (Wien ) als „ein Meisterwerk erstenRanges" bezeichnet. Möge der junge Gelehrte, der sichzwei Jahre an der „Anima" in Nom weiteren Studienwidmet, uns mit einem ebenso vorzüglichen Werke über„Aristoteles bei den Kirchenvatern" erfreuen!
Neligiouslehrer Or. klrsol. Koch.
Noch seinem Leben und Wirken geschildert von A. G.
Am 18. März v. Js. waren es 80 Jahre, daßHebbel geboren wurde, und am 13. Dezember v. Js.waren es 30 Jahre, daß er starb. Der große Dra-matiker, wenn auch mitunter bizarr, der so oft verkanntwurde, verdient sicher als Mensch und Dichter, daß seinerbei seinen wiederkehrenden Geburts- und Sterbedatengedacht wird. Wir wollen uns allermeist an seine eigenenWorte halten, die er in seinen geradezu gewaltig vielenBriefen hinterlassen hat.
Hebbel wurde am 18. März, nicht, wie es auchheißt, am 13. März, 1813 zu Wesselburen im altenHerzogihum Holstein geboren als der Sohn des ClausFriedrich Hebbel und der Anna Margaretha Schubart.Der Vater war ein Maurer, lebte in sehr dürftigenVerhältnissen, so daß es ihm oft schwer wurde, das täg-liche Brod für sich und die Seinen zu erwerben, dieMutter arbeitete zur Erleichterung des Hauswesens oft,wie man heute zu sagen pflegt, im Taglohn. Die Sorgeum das tägliche Brod mag es gewesen sein, die denVater zu einem sehr ernsten Manne stimmte, der aberdoch „zu Hause wieder munter und gesprächig war undgern Märchen erzählte". So genoß der Knabe eineganz ländliche Erziehung und kam mit seinem viertenJahre in eine Klippschule, allwo ihn eine „alte JungferNamens Susanna, hoch und männerhaft von Wuchs,mit freundlichen blauen Augen, unterrichtete, die weißethönerne Pfeife im Munde und eine Tasse Thee vorsich, sitzend in einem urväterlichen Lehnstuhl". EinLineal spielte die Hauptrolle auf Händen und demRücken, „Rosinen gab's bisweilen zur Aufmunterungund Belohnung, mehr aber Klapse mit dem Lineal".
Die Phantasie des Knaben war sehr bald außer-ordentlich lebhaft. „Fratzengesichter sah ich des Nachtsund sonderbare Figuren." Es scheint, daß er sich all-zufrüh schon mit Schauerlichem beschäftigte, ein Umstand,der später Leib und Leben, Fleisch und Blut auch leider inseinen gereiftesten Werken annahm. Bis zum sechstenJahre blieb er bei Susanna und lernte gut lesen, auchdie zehn Gebote Gottes und die Grundstücke des christ-lichen Glaubens nach Martin Luther , „weiter ging esnicht" bis zum Eintritt in die Elementarschule, wo erbald Chorknabe wurde. Als solcher singt er in seinem„Bubensonntag":
„Wenn ich einst, ein kleiner Bube»
Sonntags früh im Bette lag,
Und die helle KirchenglockeAll das Schweigen unterbrach:
O, wie schlüpft' ich bann so hurtigAus dem Bett in's Kleid hinein,
Und wie gern ließ ich das Frühstück,
Um zuerst bei Gott zu sein!"
Sein Lehrer Dethleffen rühmte die Wißbegierde desKuaben sehr, welche nicht leicht und sofort befriedigtwerden konnte, er ist „ein tüchtiger Junge". Bereitsmit acht Jahren verlegte er sich auf das Versmachenund in seinem zehnten Jahre fabrizirte er ein Gedicht:„Evolia der Näuberhauptmann", das bei einem Streitmit seinem Bruder von der Mutter verbrannt wurde,wohl ohne daß die Göttin der Literatur hierüber hätteweinen müssen; im zwölften Jahre wurde er „Bühnen-unternehmer" — allzufrüh ist und bleibt ungesund!Vom 15.—22. Jahre arbeitete er als Schreiber beidem Kirchspielvogt seines Geburtsortes und „dichtetefleißig daneben". So singt er über die Gegend:
„Hier rauscht kein Wald, eS schlägt im MaiKein Vogel ohn' Unterlaß,
Die Wandergans mit hartem SchreiNur fliegt in HcrbstcSnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras."
Stets strebte er weiter, und wenn auch nicht vielAussicht auf „gute Zeiten" noch für ihn vorhanden war,er zagt nicht und läßt den Muth nicht sinken:
„Und kann ich nicht das Ziel erreichen,
Das ich mir kühnlich vorgesteckt,
Soll doch nicht eh' mein Mutb erbleichen,
Als bis mich kalt die Erde deckt."
„Die Jugend soll sich selbst helfen, und wenn siedas nicht kann, so steckt nichts hinter ihr", gewiß ge-wichtige Worte aus dem Munde eines jugendlichen auf-strebenden Geistes!
Zu jener Zeit wandte er sich an Ludwig Wandmit der Bitte, ihm zu einer Anstellung in Stuttgart zuverhelfen zum Behufe weiterer Ausbildung, und sandtezugleich Gedichte an Uhland. In einem liebenswürdigenSchreiben bedauerte Uhland, daß er keinen Einfluß be-sitze, und munterte den jungen Mann auf, auszuharren,bis sich auch äußerlich eine günstigere Wendung derUmstände zeigt, der „Sie sich mit Sicherheit überlassenkönnen".
Die Umstände sollten sich bald besser gestalten,einige Gedichte nämlich, welche er an die Hamburger„Modezeitung" sandte, lenkten die Aufmerksamkeit derHerausgeberin Amalte Schoppe auf ihn, welche ihn einlud,nach Hamburg zu kommen, und ihm Mittel und Wegeschaffte, dort zu bleiben und sich auf die Universität vor-zubereiten. Mitunter recht nette und sinnige Gedichteund Erzählungen stammen aus jener Zeit, so wird „dasKind" stets gern gelesen werden, das am Todtensarg derMutter weilt, welche mit Blumen geschmückt ist, von denendas Kind von der todten Mutter eine für sich erbittet:
„Und als die Mutter es nicht thut,
Da denkt das Kind für sich:
Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht,
So thut sie'S sicherlich.
Schleicht fort, so leif' es immer kann,
Und schließt die Thüre sachtUnd lauscht von Zeit zu Zeit daran,
Ob Mutter noch nicht wacht."
Aber auch in Hamburg war bei weitem nicht allesGold für Hebbel , was anscheinend glänzte. Von Hausaus mit wenig bis sehr wenig Geld versehen, lehnte ersolches einem anscheinenden Freunde, der es auf gut deutsch gesagt „verputzte"; er war auf Kost-Freitische angewiesen,was ihm ziemlich schwer fiel, seine Gönnerin Frau Doktorin