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hl. Ambrosius. — Die in lichtvoller Klarheit und in noblemStile abacsaßte Schrift» durch welche der Verfasser ein Anrechtauf den Dank aller Hymnologcn und Musikhistoriker bat. seiInteressenten angelegentlich empfohl en! Dnrncr, Prüftet.
Franziß Franz Dr., Bayerns nationale und inter-nationale Stellung. Historisch-politische Studie.
München . Lindaucr'sche Buchhandlung (-Lchöpping). 1894.
S 46. Pr. 0.8V M.
Das hier angezeigte Schristchen ist wohl geeignet, verdientesAufsehen zu erregen. Der Verfasser, Gefchichtsprofcssor am kgl.Kadettencorps, seinen Freunden als ein echt bayrisch fühlenderMann bestens bekannt, unternimmt es, auf solider, geschichtlicherGrundlage Bayerns Bedeutung in nationaler und internationalerHinsicht darzuthun. Max Emanuel war cS, der, wie leider nichtgenug bekannt ist, durch den Münchner Vertrag vom 15. Mai1724 die verschiedenen wittclsbachischen Dynasten (2 Kurfürsten,3 Herzöge und 2 Pfalzgrafen ) bestimmte, vor allein Familicn-spaltungcn ruhen zu lassen, so dass nach 5 Jahrzehnten (1777)die Vereinigung sämmtlicher wittclsbachischer Besitzungen in Kur-pfalzbaycrn unter Karl Theodor vor sich ging. Seite 9 wirdder Anklage, Bayern habe in der napolconischen Zeit eindeutschePolitik getrieben, sehr wirksam mit dem Hinweis auf die imBasier Separatfrieden vom 5. April 1795 durch Preußen ge-zogene Demarkationslinie begegnet. Ucbcrhauptistdcr historischeTheil dcS Schriftchens von einer wohl unanfechtbaren Nollendet-hcit. Dagegen bekundet der politische Theil einen Optimis-mus, dessen Berechtigung gewiß erwünscht wäre, der inocß vonder Mehrzahl der bayerischen Leser kaum getheilt werden dürfte.Seite 13 spricht nämlich von „weitgehendsten" Nescrvatrechtcn.Seite 14 heißt cS, von einer Majorisirung BayernS im BundcS-rathe könne keine Ncde sein. Ja wenn die nichtprcnßischcn Stim-men sich einigten; ob dieser Fall aber jemals eintreten wird?Seite 13 hätte der bedenkliche Satz -ouinü ro§io, ot eins reliAio«doch nicht obne jede kritische Bemerkung passiven sollen. S. 20findet der Verfasser selbst Anlaß, der Befürchtungen mancherwegen eines Lnia Bavariao zu gedenken. Allein nach seinerMeinung sind (S. 23) die Gegensätze zwischen Nord und Südseit dein verhältnißmäßig kurzen Zeitraum des Bestandes desneuen Reiches gemildert worden. Ausfallend schlägt sein Opti-mismus einmal in Pessimismus um (S. 25) mit dem trostlosenSatze, die Noth in einzelnen Gebirge-bezirken der Nähn, des Spcs-farl und dcS bayerüchen Waldes werde wohl immer bleiben.Nachdem unbrüdcrliche Aeußerungen nichtbayerischer Deutschen auch ihm nicht unbekannt geblieben (S. 39 f.), hätte er immer-hin mit einem Appell an die Patrons. Lavariao seine jeden-falls hochinteressante Abhandlung schließen dürfen. Möge die-selbe in die weitesten Kreise dringen! Denn mag auch der Opti-mismus des Verfassers nicht jedem gefallen; er bleibt dennochdas kleinere Uebel im Vergleich mit jenem fremde Einmischungreizenden und eigene Thatkraft lähmenden Pessimismus so vielerinnerhalb der Ercnzpsähle unseres Heimathlandcö.
Lest—r.
Ilcbcrblick über dicGeschichtc des Klosters Pollingund dcr Stadt Wcilhci in. 1893. Druck und Ver-lag von Gebr. Bögler, Wcilbeim. Preis 2,50 M.
6-. Seitdem Dekan Fr. S. Geiler von Naisting seine Ge-schichte des Kapitels Weilhciin (1756) schrieb, besaß das KapitelWcilhcim keinen Priester mehr, der sich solche Verdienste um dieAugSbnrgcr Divzcfangeschichte erworben hätte, wie der Verfasserobigen „ÜcberblickeS", nämlich der hochw. gcistl. Rath und Spital-kurat .Herr A. Schmidtner, Jnbelpricster und Ehrenbürger seinerVaterstadt Weilbcim, Inhaber des Ehrenkrcuzcs dcS k. LndwigS-ordcnS. Nach Dutzenden zählen die kleinen und größer» Ab-handlungen, welche der unermüdliche Geschichtsforscher mit ge-wissenhafter Akribie und stannenLwcrthcm Fleiße verfaßte; da-bei geht ihm die Seclsorge über Alles, und nur die Muße-stunden, oder wohl besser die Nachtstunden nach schwerer TageS-arbeit im Weinberge dcö Herrn, gehören dein Studium derHeimathgeschichte. Vierzig bczw. zwanzig Jahre lang hütete undergänzte er sein Manuskript, bis er es anS Anlaß der Er-öffnung eines Dominikaneriniicn-Klostcrs und Pensionates inPolling der Ocffentlichkeit übergab. Ueber die Gediegenheit desInhaltes waren wir im vorhinein außer Zweifel, nur hättenwir gewünscht, daß auch in der Geschichte von Polling eine solchübersichtliche Einthcilnng getroffen worden wäre, wie in der Ge-schichte der Stadt Weilbcim. Hier müssen wir auch die Ver-dienste der Gebrüder Bögler hervorheben, welche seit Jahren dieSpalten ihres LagblatteS der Ortsgeschichte öffnen und so demhochw. Herrn Verfasser es ermöglichten, ohne bedeutende Kostenseine Studien zu publizieren.
Weiß, Dr. I. V. v., k. k. Hofrath. Weltgeschichte. 3. ver-besserte Auflage. Lieferung 94—101. Graz und Leipzig 1W2. VcrlagS-Buchhandlung .Styria'. Preis der Lie-ferung 50 kr. — 85 Pf.
Nun liegt von diesem schönen Werke auch bereits derXII. Band vor. Derselbe beginnt mit dem zweiten schlesischcnKriege und führt die Geschichte dcS achtzehnten Jahrhundertsfort bis zum Jahre 1773, wo die erste Theilung PolenS statt-fand. Dem österreichischen Erbfolgekricg, der acht Jahre währte,folgte der siebenjährige Krieg. Also fünfzehn Jahre des KampfcS:zuerst nur ein Krieg zwischen Oesterreich und Preußen, dannein europäischer Krieg, der zu Land wie auf dem Ocean nns-gcfochtcn wird und seinen blutigen Gürtel um den ganzen Erd-kreis schlingt. Muß nnö beim Berichte über jene düstere Zeit,die unsere Vorfahren durchmachten, nicht unwillkürlich FreudedaS Herz erfüllen über den Frieden, den wir seit Jahrzehntengenießen und der daS Glück von Millionen und Millionen ver-bürgt? Freude darüber, daß die kleinliche Politik des vorigenJahrhunderts vorüber ist, daß Oesterreich und Deutschland , inihren Kaisern befreundet, zusammen eine riesige Wehrkraft bilden,welche die festeste Bürgschaft des europäischen FriedcnS ist; daßbeide Herrscher beflissen sind, Kunst und Wissenschaft, Industrieund Handel zu fördern, die Talente zu schützen und zerstörendeKräfte niederzuhalten. _
Die hl. drei Könige. Schauspiel in 5 Auszügen von Frd.
EbcrSweiler 8. 3. NegcnSbnrz 1894. Frd. Pustet.
VII. 120 S.
Nicht um ein gewöhnliches Theatcrstiicklein handelt es sichhier, sondern wir haben ein religiöses Drama höheren Stilesvor unS, das an erster Stelle für ein gebildetes Publikum be-rechnet ist. Es spielt sich die Handlung dcS Evangeliums nicktbloß einfach dramatisch ab, sondern es faßt E. die ganze tiefeBedeutung des Geheimnisses auf und dieser Plan, die Er-scheinung dcS Herrn, beweisen durch die Erfüllung der wunder-barsten Prophezcihnngen, die Verwerfung der Juden und auchjener Heiden, die Christus nicht anerkennen, und vor Allemdie Erwählnnz der Heiden, welche dem Lichte der Wahrheitfolgen, dem Leser oder Zuschauer vor Augen zu führen, ist someisterhaft durchgeführt, daß einem so recht klar wird, warumdie Kirche das Fest der Erscheinung des Herrn zu einem solchprivilcgirt hohen Rang erhoben. Die Sprache ist — etlicheVcrSl,arten abgerechnet — eine gehobene und in den Chören,welche am Schlüsse eines jeden ActcS den hl. 3 Königen undderen Begleitern zugetheilt sind und in dieser Vcrthcilung sehrpoetisch wirren, in der That schwungvoll zu nennen. Für even-tuelle Aufführungen hat Verfasser in der Vorrede die entsprechen-den Kürzungen angegeben und zwar für 5, 4, 3, 2 und 1 Actund dann auch noch für ein kurzes Krippenspicl mit nur zweiScenen. Hoffentlich ist dieses Werk nicht das letzte religiöseDrama, das wir der Feder Ebersweiler's zu verdanken haben.
Laumann'sche Jngendbibliothek. 2.Bündchen. Inhalt:Die Gebrüder Hachclmann. (Eine Dorfgeschichte.) VonKarl Ncginaldus. Preis 25 Pf.
Laumann'sche Kinder legende. 2. Bündchen. Inhalt:Wunderbares Wirken des hl. Bernhard von Clairvaux .Aon B. Ncyeg. Preis 25 Pf.
Dieses Unternehmen mehrerer Mitglieder beS KatholischenLehrcrvcrbandes hat großen Beifall gefunden und verdient auchmit Neckt die Unterstützung Aller, welche mit dem wichtigenAmte der Kindererziehung betraut sind. DieA.Lanmann'schcBuchhandlung in Dülmen i. W. hat den Bündchen eine beidem billigen Preise vorzüglich zu nennende AuSstattnug gegeben.
Heft 6 des wacker strebenden Deutschen Hausschatzesenthält zunächst die Fortsetzungen der immer anziehender sichentwickelnden Erzählungen: Der Stadtschreiber von Köln von H. Kerncr, Die weiße Frau von Falkenstein vonMarie Laue, und Die Fclsenburg von Karl May . AnArtikeln hat das Heft einen besonderen Reichthum auszuweisen.Der Herausgeber bringt eine sehr interessante Zusammenstellungder Schriftstellerhonorare in alter und neuer Zeit;Dr. Dreibach behandelt den Schwan als Wappenschild;Professor Dr. Scheichcr gibt ein fesselndes Charakterbild desgroßen katholischen Schriftstellers Sebastian Vrnnner; Pro-fessor P. Wild liefert eine sehr inhaltreiche und gediegene Ab-handlung über Orakel, Zauberei und Aberglauben.Daran reihen sich, wie in jedem Heft, zahlreiche interessantekleinere Artikel und Notizen, die jedem Leser etwas Interessantesbringen. Die Illustrationen sind auch in diesem Hest von großerSchönheit.