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unentgeltlichen Schulen auch hier eingedrungen, währendder katholische Bischof, so schreibt dieser in einem ein-dringlichen Appell von Frankreich aus, woselbst er sichzur Zeit mit Erlaubniß des apostolischen Stuhles zurSammlung von Almosen aufhält, — nichts hat für diesegänzlich armen Neophyten.
Der Unterhalt seiner Priester und seiner Lehrerfällt gänzlich ihm zur Last. In seiner Noth mußte erzur Unterstützung in seinem apostolischen Amte die ehr-würdigen Basilianerwönche des griechischen NituS an-rufen, welche zur Bestreitung ihres ärmlichen, klösterlichenLebensunterhaltes nur ihre Meßstipendien verlangen,welche aber auch mangeln. Jede Schule erfordert zuihrem Unterhalte einen jährlichen Aufwand von 3V0 bis400 Frs.; aber woher diese Summe nehmen?
Mit Hilfe der Almosen des kathol. Frankreichs konnteder Bischof bis jetzt 14 Pfarreien errichten mit etwa 10 Fili-alen und 20 Schulen mit mehreren Kursen zur Erlernung derfranzösischen Sprache, welche in allen Schulen in Syrien gelehrt wird, und mittelst eines hochherzigen Geschenkesdes hl. Vaters, welcher hiczu durch die Wahrnehmungbewogen wurde, daß die Diärese, ,in welcher Christus derHerr den Grundstein zu seiner Kirche gelegt hatte, einerKathedrale entbehrte, konnte er eine solche erbauen aufden Namen des hl. Petrus zum Gedächtnisse des Wor-tes des Herrn: es ketrus; Du bist Petrus , ein
Fels." Hervorragende Wohlthäter gaben ihm die erstenFonds zur Errichtung eines Waisenhauses mit land-wirthschaftlichem Betriebe, das bereits seit drei Jahrenbesteht, ohne vollendet zu sein.
Der Bischof mußte ferner eine bescheidene bischöflicheResidenz erbauen und drei Pfarrwohnungen in den hervor-ragendsten Orten; er kaufte eine vom ehrwürdigstenPatriarchen begonnene Kirche und restaurirte drei andere;aber die Ausgaben überstiegen die vorgesehenen Ein-nahmen; so hatte der hl. Vater 40,000 Frs. gespendetfür die Kathedralkirche und 10,000 Frs. für die anderenUnternehmungen; aber die Kosten der Kathedralkirchebetrugen allein schon 74,000 Frs. Der Aufbau derbischöflichen Residenz verursachte in Folge des Einsturzeszweier Mauern einen unvorhergesehenen Mehrauswandvon 4000 Frs. Für das Waisenhaus erhielt der Bischof30,000 Frs., es kostete aber bis jetzt schon 50,000 Frs.;zwei Wohlthäter hatten hiezu größere Summen versprochen,konnten aber das Versprechen nicht halten.
Großes in kurzer Zeit ist also bereits ausgeführt wordenin dieser griechisch-katholischen Missionsdiöcese, aber schwereSchulden drücken dafür auch auf die schwachen Schulterndes armen Bischofs von Cäsarea Philippi! Wenn mandabei bedenkt, daß die Hilfsquellen, wenn sie auch nichtganz versiegen, so doch immer mehr sich vermindern inFolge der allgemeinen Noth der Zeit in allen Ländern,so kann man sich eine Vorstellung machen von der Be-drängniß unseres Bischofes. Und doch muß er dasWaisenhaus ausbauen und muß er auch noch drei neueKirchen errichten in drei Pfarreien, für welche der Grundbereits angekauft und die Baumaterialien zusammen-geführt sind; aber die Kosten betragen zusammen nochcirca 20,000 Frs.
Die bestehenden Schulen müssen nicht bloß erhalten,sondern neue müssen noch dazu errichtet werden, um dieglücklich auf so vielen Ruinen wieder aufgerichtete Diä-rese wieder zu befestigen. Aber ach! so klagt unserBischof, dieß wird dem armen Bischöfe unmöglich, wenner bloß auf seine eigenen Mittel angewiesen ist. Ver-
gegenwärtigen wir uns die Folgen, welche eintretenwürden, wenn der Bischof nicht die so flehentlich er-betene Unterstützung fände, nach seinen eigenen Worten;Die Schulen müßten geschlossen werden, und alle Kinderdieser so interessanten Gegenden würden in die mit großemAufwande gegründeten und unterhaltenen Schulen derProtestanten zurückkehren zum Schaden des Katholizismus.Unser Waisenhaus müßte ebenfalls fallen, und doch istgerade dieses von der größten Wichtigkeit für unsereDiöcese, um diese unterknnfts- und brodlosen armenKinder zu sammeln und vom Einkitte in die englisch-protestantischen Wohlthätigkeitsanstalten abzuhalten. Esist unsere Singschule für unsere kirchlichen Verrichtungenund religiösen Ceremonien;. es ist unsere Normalschulefür die Heranbildung von künftigen Lehrern in unserenElementarschulen, ja für einige Kinder selbst das Vor-bereitungsseminar, aus welchem unsere besten Zöglingein das Seminar von St. Anna in Jerusalem übertreten,woselbst bekanntlich an der Wiege der allcrseligsten Jung-frau (nach griechischer Tradition) die Weißen Vater vonAlgier eins apostolische Schule leiten zur Heranbildungvon Priestern des griechischen Ritus zu Missionären be-hufs Zurückführung unserer getrennten Brüder zur Unionmit Rom.
Wenn der Unterhalt der Basilianermönche nicht be-statten werden könnte durch die einfachen Meßstipendien,so würden sie von ihren Oberen wieder in ihre Klösterzurückgerufen werden, denn diese können sie nicht unter-halten, so lange sie auf der Mission sind. Ja derglaubenseifrige Bischof ruft wehmüthig aus: „Wiekönnte ich sehen, wie diese Ruinen ein Gegenstand desSpottes sind, und wie könnte ich ertragen den,Hohn derGegner des Katholizismus? Fürwahr, ich müßte michin meinen Thurm zurückziehen und einem Anderen diesestraurige Erbe überlassen, und ich zweifle, ob sich Einerzur Uebernahme bereit finden lassen würde. Die Einender Neophyten, sich verlassen sehend, würden wieder zumSchisma zurückkehren, und die Anderen, welche diese Rück-kehr als ein Verbrechen und als eine Schmach ansehenwürden, müßten ohne religiöse Hilfe bleiben": Allesdieses zur größten Freude der Feinde der heiligen Sache,welche der Bischof allein vertritt in diesen geheiligtenGegenden von Obergaliläa, woselbst sich auch keine la-teinischen Missionäre vorfinden, an den Quellen desheiligen Flusses Jordan und in den Bergen des Anti-libanon, in welchen schon David vor Absalom Zufluchtsuchte und in seinem ergreifenden 41. Psalm seinerrührenden Sehnsucht nach Gott Ausdruck gab mit denWorten: „An Dich denke ich aus dem Lande des Jordanund der Hermonberge; warum wandle ich so traurig, damich plaget der Feind; doch hoffe auf Gott; denn er istdas Heil meines Angesichtes und mein Gott!"
Ueberdies wäre auch ein Rückschlag zu befürchtenfür ganz Syrien , welcher die gegenwärtig vorhandeneBewegung zur Einigung mit Rom ungünstig beeinflussenwürde; denn immer und überall und in allen Tonartenwürde man unseren Neophyten vorhalten, daß wir sieüber kurz oder lang, früher oder später verlassen müßten.Das wäre aber Verzweiflung und Selbstmord in diesemAugenblicke des Fruchttragens und des Lebens. Darumsagt der Bischof zum Schlüsse: „Ich rufe alle Diejenigenan, welche unsere heilige Kirche lieben und den Werthder Seelen kennen: wollet ihr diese berühmte DiöceseCäsarea Philippi der Hilflosigkeit überlassen nach ihrerErhebung aus hundertjährigen Ruinen, nach schon auf-