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uient in ebenso wesentlicher Beziehung zu Christus, wiedie neutestamentliche Kirche: als Erzieher zu Christus hin.Die erziehende Vorbereitung der Wege des Herrn mußnun gewiß dem dreifachen messianischen Amt analog ge-dacht werden, als Vorbereitung durch prophetische Offen-barung, priesterliche Heiligung, königliche Leitung. Esist dies schon dadurch genügend bewiesen, daß die Be-ziehungen der messianischen Würde nichts anderes als diePotenzirung und Vereinigung der für die alttestament-liche Theokratie wesentlichen Funktionen sind. Was abersagt uns Smend? Auch hier ist alles Uebernatürlicheeliminirt, und wir sind wirklich sehr gespannt, wie Schürerseine neutestamentliche Theologie, die er für diese Samm-lung zu liefern hat, in Einklang zu bringen weiß mitSmend's Auffassung. Denn eine bestimmte Homogenitätmuß hier bestehen. Doch hören wir Smend's geschmack-lose Darstellung Seite 24 u. 25: „Das starke Ge-meingefühl, das die Glieder des Stammes verbindet,führt nun aber auch zum Stammesgott. Der ener-gische Wille der Selbstbehauptung, die denStamm beseelt und am Leben erhalt, objectivirt sichin einer übermenschlichen Macht, die die Sache desStammes führt, ihm gibt, was er zum Dasein nöthighat, vor allem Sieg über die Feinde. Alle menschlicheGemeinschaft ist ursprünglich Blutsgemeinschaft, und auchder Stamm will sie vorstellen. Freilich beruht er nichtüberall auf ihr, und im Laufe der Zeiten treten auchblutsfremde Geschlechter in ihn ein. Aber in diesemFall wird die Blutsverbrüderung künstlich hergestellt.Die Blutsfremden verbrüdern sich, indem sie gemeinsamBlut genießen. Mit der Blutsverbrüderung istdie Bundesschließung nahe verwandt. Jenebedeutet freilich das Jneinanderaufgehen von Geschlechternund Stämmen, diese nur die gegenseitige Unterstützung.Vielfach kommt es in der Welt vor, daß Menschen, diesich verbünden, sich die Haut aufritzen und gegenseitigdas Blut lecken, um so ein Blut zu werden. An dieStelle des Mcnschenblutes tritt beim Bundesschluß späterdas Thierblut. Nun kann aber der Bundes-schluß auch einen religiösen Charakter an-nehmen, indem man Gott als Garanten desBundes in den Bund hineinzieht. Da wird dasThicrblut Opfcrblut, das Fleisch Opferfleisch. Im Grundegenommen ist aber diese Form der Bundesschließung nichtsanderes, als die Anwendung des Opfers." Smendsagt uns dann Seite 129: „Die hebräischenVorstellungen vom Wesen und von derWirkung des Opfers waren sehr untheolog-ischer Natur." Doch glauben wir, daß in dieser Be-ziehung die Hebräer sehr unschuldig sind, wohl aber Smendjedes theologischen Begriffes bar ist.
Wir verweilten längere Zeit bei diesem Buche, umeinmal die Art und Weise zu kennzeichnen, in welcherdiese sogenannte protestantische Theologie sich consolidirt,dann aber, um uns von hier aus verständlich zu machendas Lehrbuch der Neligionsphilosophie von Sicbeck, Pro-fessor in Gießen. Ist nämlich wirklich, wie Schall unsdurch alle Bände seiner Dogmatik so glänzend darthut,ist nämlich die Dogmatik nichts anderes, alsdie wissenschaftliche Ausführung des Gottes-begriffs der Offenbarung durch das ganze Heils-werk der Gnade hindurch, ist die Dogmatik der Nachweisdes geoffenbarten Gottesbegriffs in seiner alles um-fassenden und alles überragenden Erhabenheit, Fülle undLebenskraft, dann muß die Ausmerzung fast aller
dogmatischen Wahrheit, wie diese „Sammlung theo»logischer Lehrbücher" sie constatirt, nothwendig zu einergewaltigen Verdunkelung des christlichen Gottes-begriffs führen, dann muß aber ferner auch die Nc-ligionsphilosophie, die als Grundlage ein:r solchdegenerirten Theologie gesucht wird, ankommen entwederbei einer durchaus problematischen Stellungnahme gegendie Existenz Gottes oder bei einer gänzlichen Läugnungderselben überhaupt. Und diese Stellungnahme, wie sieihm durch diese Lehrbücher der Theologie vorgezeigt war,hat Siebeck glänzend erfaßt. Denn seine Religions-philosophie kann der Nationalliberale ü la, National«zeitung, der Freisinnige L In Vossische Zeitung, der De-mokrat n In Frankfurter Zeitung , der SocialdemokratL In Vorwärts lesen, ohne nur die leisesten Skrupel zubekommen. Nur für einen Christen ist sie nicht ge-schrieben. Und doch gehört sie unter die „Sammlungtheologischer Lehrbücher"?? — Gehen wir auf dieseNeligionsphilosophie noch ein.
(Schluß folgt.)
Zur Rückkehr der Schismatiker im Oriente.
Vom gricchisch-mclchitischen Kanonikus Joh. Michael Schmid
in Frohnstetten bei Deggendorf (Niederbaycrn).
Bunins oder Panöas mit seinen Terebinthen undEichen, mit seinen Olivenhainen und Feigenanlagen ver-dankt seinen Namen der in der Nähe befindlichen Grotteund Quelle des dort verehrten griechischen HirtengottesPcin; erst die Römer gaben ihm den Namen CäsareaPhilippi . Es liegt wahrhaft prächtig am Fuße desmächtig großen Hermon, von woher der Jordan entspringt,in Obergalilüa, etwa 20 Meilen südlich von Damaskus und Beirut und 40 Meilen nördlich von Jerusalem .
Aus der heidnischen Cultstätte wurde in der Folgeeine christliche; denn Cäsarea Philippi erscheint schon zurZeit des Concils von Nicäa (325) als ein dem Patri-archate von Antiochia untergeordneter Bischofssitz, undnoch auf dem Concil von Chalcedon (451) war ein BischofOlympias von Pansas anwesend. Das Bisthum um-faßte mit dem ganzen großen Hermon, von den ArabernDschebel esch-Schach (— der Alte) genannt, jenen Theildes heiligen Landes, welcher jenseits des Jordans imOsten, am linken Ufer des heiligen Flusses gelegen ist,die Gegend, welche im Evangelium „Irans lloräansin"genannt wird. Aber leider seit mehr denn sechs Jahr-hunderten, seit den Zeiten des letzten Kreuzzuges bestandder apostolische Sitz von Cäsarea Philippi nur mehr demNamen nach. Das griechische Schisma hatte sich dieserGegend des Evangeliums bemächtigt.
Die merkwürdige Bewegung zur Rückkehr der vonRom getrennten Brüder zum Katholizismus in diesenGegenden gab den Anlaß zu der vor acht Jahren er-folgten Wiedererrichtung der Diöcese Cäsarea Philippi.Seit 1886 hat diese Diöcese wieder einen Bischof desgriechisch-katholischen (melchitischen) Ritus in der Persondes überaus eifrigen und würdigen Bischofs PetrusEldscheraidschiry mit dem Sitze in Eldschedaidat-Mar-dschajun. Seine ganze Sorge widmet er der Wieder-gewinnung dieser vom Feinde der Seelen entrissenenGegend für die wahre Kirche Christi.
Ungefähr vierzig Dörfer haben schon mehrmals umWiederaufnahme in den Schoß der römischen Kirche ge-beten. Aber es fehlen die Schulen und die Priester,um diese Neophhtcn im katholischen Glauben zu unter-richten: dagegen sind die Protestanten mit ihren ganz