Ausgabe 
(12.4.1894) 15
 
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tn Kubeibe, wo eine Marquise Nicolay erst in unsernTagen einen neuen Aufbau vornahm, um sich ihr Grab-mal an einer berühmten Stätte zu errichten. DieseKuppel über einem mäßigen ortuo liegt vier

Stunden von der Davidsstadt ab eine starke Zu-muthung für die Jünger von Emmaus, denn hiersollen sie bei Einbruch der Nacht angelangt sein undnoch in derselben Stunde den Rückweg angetreten haben(während man bei Hellem Tage den Weg nicht ohneFührer findet), alsdann aber, nach acht Stunden Wegeshin und her, noch die Apostel versammelt gefunden haben,also um Mitternacht! Doch das ist eine Kleinigkeit!Denn gleichviel, ob Lukas von einem Dorfe redet, liegteine Tagreise von Jerusalem westlich eine Stadt EmmausNikopoliS, wenn gleich keine römische Colonie warumsollte nicht auch diese das neutest. Emmaus sein? Zwarist die Eisenbahn nach Jerusalem von Jaffa (Joppe ) erstam 26. September 1892 eröffnet worden, gleichwohl sollKleophaS mit seinem Begleiter noch nach Einbruch derNacht denselben Weg zurück gelegt haben also 16 Stundenin einem Abende. Darüber hat sich eine ganze Literaturentsponnen, ja die jüngste Schrift will sich zu Gunstender Stadt durchaus auf patristische Autoritäten stützen,und verlangt dort einen neuen Kirchbau, obwohlHieronymuS nach seiner Anwesenheit in Palästina mitder Uebersetzung eustsllum Dwmuus in der VulgataLuk. 24, 13 ausdrücklich auf Kastul Colonieh verweist,und Nufinus die Entfernung auf 30 Stadien abändert.Pius IX. hat am 4. Oktober 1847 das seit dem EndeHer Kreuzzüge eingegangene lateinische Patriarchat Jeru-salem wieder aufgerichtet, aber der ersternnnnte Würden-träger Monsignor Valerga ereiferte sich sofort widerdie Errichtung von Sanktuarien an beliebiger Stätte,daß er die Kirche zu Kubeibe sogar mit dem Jnterdictebelegte. Um weiteren Streit zu verhüten, wurde nachdem Hingang seines Nachfolgers das hohe Amt so vielwie aufgehoben, indem Rom dasselbe mit dem Franzis-kanerorden vereinigte.

Unser gelehrter, aber nicht gewanderter GeographKarl Ritter erklärte das ncntcstamentliche Emmaus,wie auch Arimathäa für verlorene, nicht mehr aufzu-findende Orte. Wer weiß? Was die Heimath des Rats-herrn Joseph betrifft, welcher den Leichnam Jesu in seinemeigenen Grabmal beisetzte, so haben die Wälschen längstRamle dafür erklärt und hier eine Pilgerstation eröffnet nur schade, daß erst Sultan Soliman 617 n. Chr.die Stadt und das Karawanserai an der Sultansstraßeerbaute, welche von Aegypten in gerader Linie nach Da-maskus führt. Ausgemacht ist dagegen Arimathäa einsmit Namathaim, dem Geburtsorte Samuels, und in BethRima wieder gefunden, während man das Grab desPropheten durch Verwechslung mit der PricsterstadtNobe I. Sam. 22, 9 nach Neby Samwil verlegte.

Palästina ist uns näher gerückt und unterliegt einerneuen Besitzergreifung. Es liegt Alles daran, daß unsnicht Russen und Franzosen zuvorkommen und aufdie wirklichen, wissenschaftlich allein zu rechtfertigendenBibelorte die Hand legen, uns aber die sogenannten tra-- ditionellen belassen. Unsere scheinbar strenge Kritik istunwiderleglich und absolut gerechtfertigt, weil im Interesseder Wahrheit, aber auch im besonderen Interesse derPilger; denn die Kirche hat ihre Ablässe keineswegsfür die nächste beste Lokalität, sondern nur für die durchdie Anwesenheit Christi geheiligten Orte verliehen.

Wir leben in der Zeit, wo das Wort zu spät!

Epoche macht: mögen die Katholiken nicht wieder, wie betder Aneignung der Wiege des weltberühmten Johanniter-Ordens in der heiligen Stadt, die Gelegenheit versäumen,vom Nachlasse der Kreuzfahrerzeit das Möglichste für sichzu retten.

Recensionen und Notizen.

Clemens Blume 8. 1. Das Apostolische Glaubens-bekenntniß. Eine apologetisch-geschichtliche Studie,mit Rücksicht auf denKampf um das Apostolicum".Freiburg i. Br., Herdcr'schc Verlagshandlung 1893.

Im Gegensatz zu Suitbert BäumerS gleichbetitcltcr Schriftlegt diese Studie einen Hauptnachdruck auf das apologetischeMoment, indeß werden sehr häufig dogmatische Gesichtspunkteals Maß an entgegenstehendeErgebnisse der historischen For-schung" Harnacks angelegt. In dieser Hinsicht haben uns na-mentlich die Ausführungen des ersten Kapitels weniger befriedigttrotz der aufgewendeten Dialektik; vollends dünkt uns das Ver-dikt, wornachin dieser Sache ihm (Harnack) jeder Christ eincompetentes Endurtheil, jeder unbefangene Forscher geschichtlicheZuverlässigkeit abspricht", mehr gefällt vom christlichen Gefühl,das ja entschieden durch Harnacks Darlegungen in der pein-lichsten Weise gekränkt wird, als von der Apologetik, die trotzaller GlaubenSgewißhcit doch auch beim Gegner RedlichkeitVermuthet und dessen Vorurtheile gewissenhaft und nichtoberflächlich in ihren eigensten Grundlagen prüft. Indeß recht-fertigt Harnack's Auffassung des hl. JrenäuS immer noch eherein strenges Urtheil, als seine diskutierbare Conjectur bezüglichdes in dem Berichte des hl. Justinus über daS Abend-mahl (das Citat S. 20' muß geändert werden: Tübinger Tbeol.Quartalschrift Bd. 74 Jahrg. 1892 S. 643 f.). Bekanntlichliegt ja die handschriftliche Ueberlieferung der Werke deS hl.Apologeten sehr im Argen und es ist gerade Harnacks Ver-dienst, dies mit mathematischer Gewißheit dargethan zu haben.Ferner würde Harnacks Vermuthung selbst im Falle der Richtig-keit höchstens darthun, daß St. Justin einem sakralen Gebrauchnicht fernestand, den noch St. Cyprian (lüx. 63 eck. Viuäod. v. III.I>. II. pA. 701) mit ausfallender Schonung beurtheilt. Auch sonsthat die Verquickung der scholastisch -polemischen und historischenMethode nicht gerade Vortheilhaft gewirkt. So hat schon Wey-man im historischen Jahrbuch 1894 S. 205 gegen die Glaub-würdigkeit des Rufinus, die Blume durch eine Art PräskriptionS-bcweis erhärtet, Bedenken erhoben. So sind die EinwendungenBlume's gegen Bäumers Annahme einer in der römischen Kirchegelegentlich des Patripassianerstrcitcs vorgenommenen kleinen Um-änderung des ersten Artikels zu allgemeiner Natur, um wirklichgewichtig zu erscheinen. Auch die Zeit der Uebernahme des sog.gallikanischcn Symboltextcs durch die römische Kirche (S. 163 ff.)dürfte trotz der lebhaften Polemik gegen Harnack zu spät ange-setzt (ok. Bänmer S. 33) sein; die Rechtfertigung dieses Wechsels(S. 184 f., S. 193) genügt wieder bloß dem Dogmatikcr, nicht demApologeten und Historiker. Die Sage von der Vertheilung derAbfassung der 12 Artikel an die 12 Apostel ist keineswegs fürBeurtheilung der Frage nach dem Ursprung des ApostolicumS vonsolchem Belang, daß sie so eingehende Berücksichtigung (S. 200 ff.)verdiente. Wie bezüglich des Rusinuö, so spielt im 2. Kap. deS2. Abschn.DaS Apostolicum in den drei ersten Jahrhunderten*(S. 213 ff.) der Präskriptionsbcweis und (S. 263) der Con-gruenzbcweiS eine zu bedeutende Rolle, ohne doch dem tiefernapologetischen Bedürfniß zu genügen. Indem wir bezüglicheiniger literaturgeschichtlichen Corrigenda auf Weymans obencitirte Besprechung verweisen, fügen wir derselben bei, daß inder durch Kattcnbnsch der Lösung sehr nahe gebrachten Niketas -frage eine entschiedenere Stellungnahme, jedenfalls keine solcheZurückhaltung wünschenswert!) gewesen wäre. Die schöne StudieEermain MorinS in der Usvuo Löneäiotins 1894 49 ss.

»^ouvolles Usekorelies sur I'antour äu lls vsum«, die manch-fachc Berührungspunkte dargeboten hätte, hat Blume leider nochnicht bcnützcn können. Unsre Aussetzungen betreffen, wie er-sichtlich, lediglich die von Blume gewählte Methode; das wesent-liche Ergebniß der Studie:Der Christ des ausgehenden 19. Jahr-hunderts bekennt den nämlichen Glaubensinhalt, Höchstwahr-scheinlich der Hauptsache nach sogar mit den nämlichen Wortenwie der Apostelschüler", halten wir für gesichert. Nur erachtenwir, daß imKampfe um das Apostolicum" Davids Kiesel-steine besseren Dienst gethan hätten, als Sauls schwerfälligesRüstzeug, die anspruchslose Darstellung der Thatsachen apolo-getisch wirksamer gewesen wäre, als die breitspurige modern-scholastische Polemik.

Deda Grnndl.