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über Mabillons Korrespondenz mit Cardinal LeanderColloredo, über die Bemühungen des Melker BenedictinersPlacidus Amon (1' 16. Januar 1759) um dentscheSprache und Literatur, über den Verfasser des bekannten„Oomstab Spiritus!" u. s. w. Auch die Recensionenerhoben sich nicht selten in erfreulicher Weise über denvon den Gelehrten unsrer Tage schon so oft beklagtenMangel an Kritik*); jeder Kenner der Verhältnisse wirddie einschlägigen Arbeiten des Tübinger Repetenten Merkle,des Benedictiners Or. Vichodil, des Cisterciensers k. Kurzu. a. mit großer Befriedigung aufnehmen. Je geeigneterdie genannten Vorzüge sind, den „Studien" Freunde zuerhalten und zu erwerben, desto mehr drängt es uns, dieverehrliche Redaction zu ersuchen, die größte Strengezu beobachten gegenüber solchen Leistungen, die nichtüber jeden Vorwurf der Einseitigkeit oder Oberflächlich-keit erhaben sind.
In formaler Hinsicht scheint für die Zukunft einenoch größere Scheu vor Druckfehlern den Correcwrcnempfohlen werden zu müssen. Eine weitere und letzteKlage richtet sich gegen die in jedem Jahrgang enthaltenen„Personalveründcrnngcn im Benedictiner-und Cistercienscr-orden; trotz der Richtigkeit und Gewissenhaftigkeit vielerEinsendungen geht es fast nirgends ohne falsche Namenund Daten oder ohne Verwechslungen ab.
Die „Studien", welche wir hicmit allen Theologenund Historikern aufs wärmste empfehlen, sind gegründetworden, „um ein äußeres Band größerer Einheit zu ge-winnen";^) wichtiger noch als diese äußere Einheit ist dieEinheit aller Mitarbeiter der „Studien" in der Liebezur Wahrheit. Wenn die wissenschaftlich thätigenMitglieder der beiden großen Ordeussamilien in allenDingen einzig und allein die volle ganze Wahr-heit suchen, dann ist ein unzerreißbares Band um siegeschlungen; dann ist, unbeschadet der im Wesender Benedictinerregel wurzelnden Selbst-ständigkeit eines jeden einzelnen Hauses,eine geistige Centralisation zu Stande gekommen,auf Grund deren ein nachhaltiger Aufschwung des alt-ehrwürdigen Ordens zu erhoffen ist.
Mögen die „Studien" im Verein mit der bereitszu so erfreulicher Blüthe gelangten Lsvus Lsusciiotiusder Abtei MaredsonS in Belgien und der OorvusiäsRsviocv der Benediktiner von Downside in England jederzeit der die Wissenschaft pflegenden Mitwelt denNachweis liefern können, daß auch die Mönche des 19.Jahrhunderts eifrig mitwirken an jeder edlen Geistes-arbeit, und daß auch die heutigen Benediktiner , geradeso wie einst ihre großen Ahnen in der Kongregationvon St.-Maur, sich die Pflege einer gründlichen, inSchrift und Väterlehre wohlbegründeten und deßhalb imbesten Sinne des Wortes kirchlichen Theologie angelegensein lassen.
Winke für Palästmapilger.
Von vr. Sepp.
(Schluß.)
Die Wächter des heiligen Grabes haben dashohe Verdienst, nach dem Falle des lateinischen König-reichs Jerusalem die wichtigsten Sanktuarien für das
') Vgl. die Bemerkungen von Pros. vr. Krieg in Nr. 12des Jahrganges 1893 der „Literarischen Rundschau für daskath. Deutschland ".
-) Vgl. KirHenlexikori II. Aufl. II. Bd. S. 351.
christliche Abendland gerettet zu haben. Das Land lag wieeine tsrra inso^nita vor ihnen, aber ihre gelehrte Bildungerreichte nicht den Höhegrad, wie jene der Kapläne, welcheeinen Raimund von Toulouse und Gottfried von Bouillon begleiteten; wir meinen Raimund von Agiles undFulcher von Chartres (der zum Gefolge HerzogRoberts von der Normandie zählte), endlich später denAlbert von Aachen . Die Kreuzritter zogen die directeNömerstraße von Raum (Ramle ) nach Castell Emmausund so vor Jerusalem. Schon Franz von Assisi landete1219 mit zwölf seiner Brüder an der Küste des ge-lobten Landes, und noch in seinem letzten Lebensjahre,1226, entstand nach vorläufiger Ansiedlung in Jeand'Acre das erste Hospiz in Jerusalem . Hier waren sienun auf Entdeckung angewiesen, und der erste folgen-reiche kühne Griff war die Bestimmung der Via. äolorosa.von der einstigen Tempclkaserne Antonia her, statt von»Prätorinm des Pilatus in der Herodesburg auf Sion,welche Philo von Alexandria ausdrücklich als denWohnsitz und das Nichthaus der römischen Landpflegerbestimmt, wie auch Josephus Flavius die bestenAnhaltspunkte gibt. Die Kreuzfahrer haben noch denStationsweg von dem Platze aus verfolgt, wo nun dieprotestantische Jakobskirche steht; unwillkürlich wurdenjetzt die Gürtelbrüdcr die einzigen Führer für frommePilger, deren viele sich etwas darauf zugute thaten, jadie genauen Maße der Leidensgasse mit in die HeimathZu bringen. So entstanden die Grabkapcllen und Kreuz-wege zu Görlitz, Nürnberg n. s. w.
Emmerich von Görlitz , später Bürgermeister, pilgert1465 zur Abbüßung eines Vergehens zum erstenmal zumhl. Grab und bringt Zeichnungen davon mit, um daheimein Nachbild herzustellen, denn er war so reich, daß Luther ihn den Görlitzer König nennt. 1476 machte er seinezweite Reise nach Jerusalem im Gefolge von Herzog Al-brecht dem Beherzten, um die genauen Maße zum Bauzu nehmen. Dießmal begleitete ihn Agnes Fingerlin,eine Tuchmacherswittwe, in der Mönchskutte verkappt. Beider Ausführung des Planes vor dem Nikolaithor nahmman auf andere Gebäude Rücksicht, welche die Situationder Leidcnsstätte, wie in Jerusalem , näher darstellten.Eine Anhöhe gilt für den Oelberg , die Lunitz für denBach Cedron, die Hauptkirche St. Peter und Paul fürPilatns' Nichthaus, von da sind 647 Schritte bis zurThüre dcs hl. Grabes (Von 14 Stationen ist keineRede! Die drei Fälle unter'm Kreuz sind zur Andachterfunden.)
Die Minoriten waren eS nun auch, welche, woimmer ein namhaftes Gotteshaus bestand, sofort eineLegende ansiedelten. Im Thals von Ain Karlm, das,eine Meile vor den Thoren Jerusalems , von den Wein-gärten den Namen führt, trägt die Kirche denTitel Johannes Baptistas, Patrons der Zo-ll anniter — also mußte der Täufer hier geboren sein,Maria ihre Vase Elisabeth da besucht haben, und was sonstzur Erbauung all der xsisFrini in Israel beiträgt.Die Wiege des Vorläufers Christi ist linkerhand vordem Seitenaltare sogar zur letzten Ueberzeugung in Steingehauen. Erst in jüngster Zeit haben die vom katholi-schen Bayern aus besser unterrichteten Patres in derPriesterstadt Hebron eine Niederlassung begründet, undfolgerichtig wird auch die Legende von ZachariaS dahinwandern.
Einen nicht minderen Fehlgriff machten dieselbenMinoyiten später mit der einstigen Kirche der Hospitaliter