Ausgabe 
(12.4.1894) 15
 
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weichen ab von der gewöhnlich üblichen Methode derPredigt und der Homilie, indem sie die Grundform undGrundbedingung beider verbinden. Das Thema istnicht streng formulirt und nicht ausdrücklich angekündigt,die Gliederung nicht scharf ausgeprägt, das Ganze abersachlich und logisch wohl disponirt. Diese Predigtanlagehat sicher neben der reinthematischen Predigt" ihrevolle Berechtigung und alsthematische Homilie" nebenderexegetischen" eine mehr als tausendjährige Bewährung.Noch im 16. Jahrhundert schrieb der berühmte Erfurter Domprediger Konrad Kling (Franziskaner):Diealten Väter liebten es, einfache Homilien zu halten;diese Methode ist auch heute noch die geeignetste zur Be-festigung des Glaubens und zur Kräftigung des Tugend-lebens." o) Ein Versuch, die regelmäßige Gliederung undEinheit der Predigt und der allseitigen Erklärung dereigentlichen Homilie in wenigstens soweit zu verbinden,daß keine dunkle Stelle der evangelischen Perikope un-berührt bleibt, ist auch neuestens von A. Perger ge-macht worden").

So oft einer spricht, sagt Cicero, so oft wird auchüber ihn geurtheilt" "). Darum sei auch uns einedurchaus wohlwollende Kritik gestattet.

Rottmanncr zieht aus den Prämissen seines Vortragsselten oder nie eine direkte Nutzanwendung für seine Zu-hörer. Nicht als ob er nicht auch aus einen bestimmtenZweck seiner Predigt hinarbeitete, aber er vermeidet dieunmittelbare Appellation an den Willen der Zuhörer.Wir halten eine specielle Nutzanwendung füreinen Kernpunkt der geistlichen Beredsamkeit, ja für dienächste Frucht der homiletischen Thätigkeit.Die Predigt,so pflegte unser Professor der Pasioraltheologie zu sagen,sei nicht wie ein chinesischer Feuerkracher, der nur los-gelassen wird, um Lärm zu machen, sondern wie dieBüchse 'eines Jägers, bei der man nach jedem Schußsieht, wie daS Wild fällt." Es ist bekanntlich ein Zugdes menschlichen Herzens, die Nutzanwendung nicht selbstund besonders nicht auf sich selbst zu machen.

Nottmanner verzichtet fast ganz aus das rhetorischeMittel des Pathos, das Zraucla äioenäi Atzung derAlten. Gewiß gibt es bezüglich der Gemüthsbewegungenein vielfach nicht beachtetes Gesetz der Selbst-beherrschung, ills seit rsots ckiaere, gnr st oräinawonovit taasra (Gregor der Große ); gewiß sind eine be-sonders außerordentliche Sprache und Darstellung, wiesolchedie Predigten und Ansprachen" zieren, (neben denbekannten Mitteln des Vortrags) Merkmale des Er-habenen, Feierlichen und Pathetischen, gewiß wird durchaffektirtes und übertriebenes Pathos gewöhnlich mehr ge-fehlt, als durch Mangel der Affekte, gewiß kann unddarf das Pathos die anderen Mittel der Ucberredungund Ueberzeugung nicht ersetzen: aber das ächte Pathoshat in der Predigt eine vollberechtigte Stelle. Geradein der Beseelung durch den Affekt liegt eine besondereKraft der Beweggründe. Der Weg von dem Verständezu dem Willen geht durch das Gefühl. In einemMoment der Freude oder der Furcht sind wir leichterzu einem guten Werke zu bewegen, als bei ganz ruhigem

°) Lumina, cloetr. ollrist. 1562 x. 236. Vgl.Katholik"1894. S. 158.

") Homiletische Predigten über die sonn- und fest-täglichen Evangelien v. A. Perger, Pr. der Gesellschaft Jesu .Paderborn , Bonifazins-Druckerei, 2 Bd. 1894. Vergl, auchKatholische Homilien" von Königödorfer - Eberhart,Brixen 1894.

") vs orat. l, 27.

Blute.Wer auf dem Gebiete des Affektes herrscht,herrscht auf dem der Geister."

Abgesehen von diesen beiden Ausstellungen dürfenwir Nottmanners Predigtweise als vollkommen muster-giltig bezeichnen. Möge der geschätzte Verfasser uns baldmit einem zweiten und dritten Bündchen beschenken!

Stuttgart . vr. A. Koch.

Studien und Mittheilungen

aus dem

Benedictiner - und dem Ctstercienser-Ordenmit besonderer Berücksichtigung der Ordens-geschichte und Statistik.

Redacteur: k. Maurus Kinter 0. 8. 0., Stiftsarchivar zuNaigern. Im Selbstverlag des Benedictiner - und Cistercienser-

Ordcns. Abonnement: jährlich 7 Mk.

Wenn nach dem Urtheil eines unsrer deutschenKirchenhistoriker die intellektuelle und moralische Be-schaffenheit der Klöster in jeder Periode der Kirchen-geschichte einen sicheren Schluß gestattet auf die Geistes-und Herzensbildung der Weltpriester und des Volkes,dann hat eine Zeitschrift, welche sich das Studiumder Ordensgeschichte zur Hauptaufgabe stellt, vonvornherein eine über die Mauern der Klöster hinaus-gehende Bedeutung. Ein gemeinsames wissenschaftlichesOrgan der Benedictiner darf um so mehr auf Be-achtung in weiteren Kreisen rechnen, als ja geradedieser Orden einer ziemlich allgemeinen Hochachtung sicherfreut.

Ein solches Organ sind dieStudien und Mit-theilungen aus dem Benedictiner - und dem Cistercicnser-Orden", welche mit dem in nächster Zeit erscheinendenersten Heft pro 1894 in das 15. Jahr ihres Be-standes eintreten; sie wurden im Jahre 1880 anläßlichdes 1400jährigen Jubiläums der Geburt des heiligenBenedictus gegründet und stehen seit dieser Zeit unterder Redaction des Stiftsarchivars und Bibliothekars8. Maurus Kinter 0. 8. 8. in Naigern beiBrünn in Mähren .

Jedes Heft dieser Quartalschrift zerfällt indrei Theile; die erste Abtheilung bringtStudien"von Mitgliedern der beiden Orden oder von anderenSchriftstellern, sofern sie sich auf Ordensgeschichte be-ziehen; die zweite AbtheilungMittheilungen" ent-hält Sammlung von Quellenmaterial (Urkunden undNegestcn), Ordensstatistik, Nekrologe und Nachrichten dermannigfachsten Art aus den einzelnen Ordenshäusern;die dritte AbtheilungLiteratur" bietet entweder inreferireuder Weise oder in summarischen Angaben eineUebersicht über die gesammte schriftstellerische Thätigkeitder Ordensmitglieder sowie über sonstige, das Ordens-wesen irgendwie berührende literarische Erscheinungen.

Wir gestatten uns, über die bis jetzt vorliegenden14 Jahrgänge eine kurze Ueberschau zu halten, undglauben durch unsre Aufstellungen und Ausstellungenunser Interesse an der Sache am besten zu bekunden.Fachmänner von wissenschaftlichem Ernst, tiefer Gründ-lichkeit und wohlthuender Objectivitüt, wie GermainMorin, Ursmar Berliöre, Snitbert Bänmer, GabrielMeier, Odilo Ningholz, Pins Schmieder, Uito Korn-müller, Otto Grillnberger u. a., haben einzelne Jahr-gänge derStudien" durch ihre kirchengeschichtlichen undliturgischen Aufsätze zu schützenswerthen Fundorten ge-diegener, wissenschaftlicher Resultate gemacht; dieMit-theilungen" brachten gar manche bedeutsame Notizen, so