Ausgabe 
(26.4.1894) 17
 
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da doch niemals auZ einem Affenei ein Mensch ent-standen ist? Es handelt sich ja nicht um die Ähnlich-keit des Stoffes, sondern der Kraft. Diese abervermag die Naturwissenschaft mit allen ihren Mittelnnicht direkt in sich zu beweisen, sondern nur, wie jedeandere Wissenschaft, aus dem Erfolg, wenn der-selbe ein stets mit untrüglicher Regelmäßig-keit und Sicherheit wiederkehrender ist. DieNatnrwisscnschaft vermag einen dirccten Beweis für dieÄhnlichkeit zweier Kräfte um so weniger zu führen, alssie an sich, will sie ihr Gebiet nicht überschreiten, überdie Bewegung nicht hinauskommt und nicht zum BegriffKraft" gelangt. Will sie daher der Wahrheit die Ehregeben, will sie nicht zugleich unter völliger Verwirrungder Begriffe als Philosophie gelten (mit gänzlicher Ne-giruug der letzteren), dann muß sie da, wo aus äußer-lich Ähnlichem stets Verschiedenes hervorgeht, sich mitihren Mitteln einem Räthsel gegenüber bekennen. Solange nicht die Thatsache erwiesen ist, daß einmal äußer-lich Ähnliches auf niederer Stufe sich dieser äußerlichenÄhnlichkeit entsprechend zu Höherem entwickelt, z. B. auseinem Affenei ein Mensch wird, so lange ist schon dieVerwerthung dieser äußerlichen Ähnlichkeit zu wissen-schaftlichen Folgerungen einer Fälschung gleichzu-stellen.

Wir dürfen nicht vergessen, daß die scharfe Be-tonung der Ähnlichkeiten in der Ontogenesis eine Aus-geburt der Verlegenheit ist. Beweisen kann sich derDarwinismus, sei eS als Hückelismus oder als Evolutionis-mns oder Entwicklungslehre, nur durch Thatsachen .Diese in bester Form würde der Nachweis von Entwick-lungsstufen in der Vergangenheit liefern. Man hatkrampfhaft nach solchen gesucht, besonders nach dem Mittel-glied zwischen Affen und Menschen, aber die wiederholtangekündigten Funde haben sich immer als Täuschung er-wiesen. Diese negative Thatsache mußte gerechtfertigtwerden. Man stellte die Behauptung auf, die Ueber-gänge fänden in unendlich kleinen Unterschieden in un-endlich langen Zeiträumen statt. Hiebei ereignete sichdas Komische, daß man trotzdem das Suchen nach diesenUebergängen fortsetzte, während doch mit der auf-gestellten Behauptung zum mindesten die Er-kennbarkeit derselben unserseits geleugnetist. Man sucht also nach etwas, was man einge-standenermaßen der Natur der Sache nachgar nie finden kann. Thatsachen aber mußte manhaben. Da sie nun in der Phylogenesis (der Entwicklungzur Gattung) nicht zu finden sind, suchte und fand mansie in der Ontogenesis. Als eine Thatsache stellte mandie rudimentären Organe hin, ohne den Wider-spruch mit der übrigen Lehre zu beachten. Da dieseOrgane jedenfalls etwas Ueberflüssigcs sind, so ist inder Entwicklungslehre ihr bleibender Charakter unerklär-bar; eine fortdauernde Rückbildung ist aber nirgendsnachgewiesen, überhaupt nicht nachweisbar, wenn sie inunendlich kleinen Stadien vor sich gehend zu denken ist.

Eine zweite Thatsache hat man in der Aehnlich-kcit verschiedenartiger Embryonen auf ein-zelnen Entwicklungsstufen gefunden. Diese Ähnlichkeitsoll aus der Phylogenesis stammen, da das Individuumden Weg, den die Gattung zurückgelegt, selbst wieder inrascherem Gange zurücklegen müsse. Damit wären dieUebergangsstiifcn in der Phylogenesis erwiesen. Warumdies aber der Fall ist, warum eine spätere Entwicklungs-stufe ihre einzelnen Glieder der Vergangenheit ange-

hörende Stadien immer wieder durchmachen, also Ver-gangenes und längst Abgethanes immer wieder rcpristi-niren läßt, das ist im Hückelismus am wenigsten ein-zusehen, es müßte denn sein, daß die Entwicklung selbststets darauf bedacht war, die Beweise für sich aufzube-wahren. Daß sie das nur. durch einen Widerspruchkonnte, indem das Seiende das nicht mehr Seins-bercchtigte, dessen Bedingungen eigentlich nicht mehr vor-handen sind, immer wieder zum Sein bringt, das kanndieser Entwicklung um so weniger zugerechnet werden,als es ja auch ihren Anhängern verborgen bleibt.Werden vollends diese Ähnlichkeiten als bleibend ge-nommen, dann widersprechen sie dem Charakter des ganzenSystems, sind also in demselben unbegreiflich als eineLaune der allgemeinen Entwicklung. Als sich änderndkönnen sie nicht nachgewiesen werden; und konnten siedies, dann wären sie eigentlich wegen ihrer fortschreiten-den Veränderungen keine wahren Ähnlichkeiten mehrstreng nach dem System können sie es in der That nichtsein, könnten also nicht mehr zum Beweise deSSystems benutzt werden.

Zum Schlüsse muß ich noch auf einen Punkt ver-weisen, den man gemeiniglich übersieht. Nimmt man imvollen Ernst eine stetige allgemeine Entwicklung an, dannstehen weder die Gesetze der Natur, noch die derLogik fest. Dann gibt es nur Thatsachen.Diese können wir aber ohne feste logische Gesetzenicht feststellen. Damit sind alle wissen-schaftlichen Systeme, also auch der Hückelis-mus als System, zu Ende.

Zur Chronologie des heiligen Willibald.

Von Adam Hirschmann, Pfarrer in Schönfeld.

In den Beilagen der Angsburger Postzeitung 1893Nr. 4952 veröffentlichte Herr S.Bruchstücke aus der61ironolotz'ia. ^Villibaläina zur Geschichte des 8. Jahr-hunderts", deren Endresultate sich in die Worte zusammen-fassen lassen: Der hl. Willibald, Eichstütts erster Bischof,wurde am 20. Oktober 743 zu Sülzenbrücke in Thür-ingen vom hl. Bonifatius in die bischöfliche Würde ein-gesetzt, nachdem er am 22. Juli 742 zum Priester ge-weiht worden war. Nach 36jähriger Amtsführung schiedWillibald am 7. Juli 779 aus diesem Leben.

Diese Ausführungen fordern die Kritik heraus. Umfür die willibaldinische Chronologie einen festen Bodenzu gewinnen, müssen wir uns nach einem Dokumenteumsehen, das unbestrittene Geltung hat. Als ein solcheserweisen sich, wie schon der gelehrte Benediktiner Joh.Mabillon (Tlcsta, Vanotornin orä. s. Lonacl. IV, 354,Venedigeransgabe 1734) betonte, die Akten des erstendeutschen Nationalconcils, gemeiniglich Oonoilium Oor-raanionm genannt. Es erhebt sich vor allem die Frage:In welchem Jahre wurde dieses Nationalconcil abge-halten ?

Hcrgenröther (Handbuch der allstem. Kirchengesch.I, 3, 682) verlegt dasselbe auf den 21. April 741,Hefele dagegen (Conciliengeschichte III, 2 , 498) in dasnächstfolgende Jahr 742, während Will (Regelten zurGeschichte der Mainzer Erzbischöse I, 8 Nr. 42) sich fürdas Jahr 743 entscheidet. Nach der neuesten Publi-cation der bonifatianischen Briefe, welche Ernst Dümm-ler für das große Sammelwerk LlonumLuta, Oarraanias(Ljiistolas üörorvinAioi eb Larolini usvi tom. Ix§. 215433) besorgt hat, erachten wir es nicht für