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geboten, auf die Streitschriften näher einzugehen, welcheJaffa, Hahn, Oelsner, Dünzelmann und Loofs über dieAufeinanderfolge der Briefe des Apostels der Deutschen und die Zeit der von ihm gehaltenen Synoden gewech-selt haben (Vgl. Will, Negestcn p. VIII, Forschungenzur Deutschen Geschichte Bd. X, XIII, XV), sondernwir nehmen die Resultate der historischen Forschung, umsie für unseren Gegenstand zu verwerthen.
Der Eingang zu den Statuten des ersten dcutskbenNationalconcils (21. 6-. Lpx. I, 310; 1,6^. I, 16)lautet nun folgendermaßen: In ruzurms Ilomini ncwtriflesu Oliristi. Larlinannua, äux ot xrinasxs
i^raiieoruw, anno all ineurnations Oflristi ss^tin-Asntesiino czuLäruASLimo seounäo, XI Xa-Isnäas 21aias, sum oonsilio servorum Oei et opti-matum msorum sxisooxos, c^ui in rsgiw ineo surrt,euru xweslriteris ab eouoiliurrr et, L^aoäuin xrotewxore Olrristi eonAre^avi iü est Louitatiumareliiepissopuiu et Lni^llaräum et XsAentriäuinst 2Vintuuuin et IVilZaläuru et Oackauum stL Zäunn in vnm zrresllitsris eoruin: nt midi con-siliuin Zsäissent, Hnomoäo Isx Ost st eoelssiastica.relsgio rsenpsretnr, c^uae in äiedus xraeteritoruruxrineixnin äissixata, eorruit et ^ualiter xoxulusedristiunns nä sulutern nniinus xervenirs xossit etxer lalsos saeerästes äeeextus noo xsreat."
Nach dieser bestimmten Angabe wurde das erstedeutsche Naiionalconcil am 21. April 742 gehalten, undzwar nach Binterim's Vermuthung in Frankfurt a. M.Neben dem Erzbischofe Bouisatius werden als Theil-uehmer unter anderen aufgeführt die Bischöfe Burghardvon Würzburg, Negenfrid von Köln , Winta (Witta,Weiß) von Bnraburg und Wilbald. Ist nun dieserletztere identisch mit dem ersten Bischöfe von Eichstätt ,welcher gewöhnlich Willibald genannt wird? Einstimmigerklären sich Dümmler (I. v. I, 310 Nr. 4), Hefcle(I. o. III, 499), Ncttberg (Kirchengesch. DeutschlandsII, 390), Lefflad (Negcsten der Bischöfe von Eichstätt Nr. 1) für die Identität. Denn wo sollte Wilbald imUmfange der Herrschaft Karlmanns Bischof gewesen sein,wenn nicht in Eichstätt ? wie auch der erste Biographdes hl. BonifatiuZ l) angibt. Nach allen zeitgenössischenNachrichten ist Bischof Wilbald, welcher an der Synodevon 742 theilgenommen hat, derselbe, welcher sich 762bei Abschließung des ersten Todtenbundes im fränkischenReiche zu Attigny als „Bischof vom Kloster Eichstätt ,sxisooxus äs ruouasterio ^.ielistaäi" (Oelsner, KönigPippin S. 476) unterzeichnet hat.
Wenn aber Willibald von Eichstätt am 21. April742 schon als Bischof auftritt, ist es dann historisch undkanonistisch zulässig, daß er erst am 20. Oktober desdarauffolgenden Jahres 743 zum Bischöfe consecrirtworden sei? Selbst wenn man mit Will das Ooir-
*) IVillidaläi vita 8. Lonikatii: Lt ünos dcmao inclnstriasviros aä orcliueill oxiscoiiatus prowovit, 'VVillibaldum etLurcbaränm cisguo in iiitlwis orieutatinM Lraucborum xarti-bu8 et Laioarioium tsriniuis aocclssias sibi cowwissas im-xsitisiiäo äistriduit. Lt IVillidoläo suas guberuotionis xui-roebiLiv cvumrvnäavit in ivco ening voeobntnin est Lidstat,kuieddaräo vero in toco gui voeatur IVirradurob lliZnitalisotLeiuin äsIö^Lvit. Ll. 6. H. 348. Zum Jahre 746 habendie fuldaischcn Annalen Enhards den Eintrag: Lonikacias asnsenin anetoritatv seäis axostolicas, annuente Lartowanuo,ünas seäes exiscoxales constitnit, nnam in Castro IViiÄbnrg',nbi Lnrcbartnm cotlegam snnm orclinavit; alteram in locogni vocatnr Liedstat, cni IVitlidaliius eviscovus oräinatnsest. Ll. «. I, 346.
eiliuiu Oerwanisurn auf das Jahr 743 verlegen wollte,was ist damit für unsere Frage gewonnen? Der 21. April743 geht immer dem 20. Oktober 743 voraus.
Herr S. verweist uns auf die Aufzeichnungen derNonne von Heidcnhcim am Hahncnkamm, welche vondem hl. Willibald originale Nachrichten erhalten undtheilweise nur dessen Diktat niedergeschrieben hat.
Bei aller Wertschätzung der Nachrichten, welche dieseungenannte Klosterfrau der Nachwelt überliefert hat,können wir uns doch nicht dazu verstehen, auf EinenSatz dieser Nonne hin, der zudem verschiedener Aus-legung fähig ist, die willibaldinische Zeitrechnung, nachöffentlichen Urkunden gesichert, als falsch zu erklären.
Nach Holder-Eggcr, welcher das Hodoeporikon deshl. Willibald nach den ältesten und sichersten Hand-schriften neu herausgegeben hat (21. (1. L8. XV,1, 86—106) schrieb die angelsächsische Nonne, welchesich selbst als eine der zuletzt Angekommenen bezeichnet,sicher erst nach Wynuebald's Tod, 19. Dez. 761, nachdem 23. Juni 778 die Angaben ihres Berichterstattersnieder; bei aller Treue und Gewissenhaftigkeit in denAufzeichnungen gebricht es doch nicht an Fehlern undchronologischen Unebenheiten; waren ja doch seit Willi-balds Pilgerreise über 50 Jahre verflossen.
Lauschen wir nun den Worten unseres ersten Bi-schofes, wie sie die Nonne wiedergegeben hat. ImSommer des Jahres 721 verließ der hl. Willibald inBegleitung seines Vaters, dem eine spätere Traditionden Namen Richard beilegt, und seines Bruders Wynne-bald die angelsächsische Hcimath, um sie nie wieder zuschauen. Nachdem der Vater in Lucca eine Beute desTodes geworden war, erblickten die beiden Bruder imHerbste des genannten Jahres mit Dank gegen Gott dieBasilika des hl. Petrus . Vom 11. November 721 biszum übernächsten Osterfeste, 28. März 723, verbliebensie in Nom, vielfach durch Fieber an das Krankenlagergefesselt. Nach Ostern 723 trat Willibald mit 2 Ge-fährten die Reise nach Palästina an, überwinterte inPatara und zog am 11. November 724 in Jerusalem ein. Die hl. Stätten besuchend, verweilte er 3 Jahreim gelobten Lande; am 30. November 727 fuhr er vonTyruS ab und kam gegen April (eine Woche vor Ostern)in Konstantinopel an; daselbst verblieb er zwei Jahre(727—729). Dann trat er mit päpstlichen und kaiser-lichen Gesandten die Rückreise nach Italien an und stiegim Herbste 729 hinauf nach Monte Cassino , der Wiegedes Benediktinerordcns.
Hier nun wirft die Nonne einen Blick rück-wärts und zählt die Jahre der Pilgerreise, aber auchdie Jahre seit der Abfahrt von England zusammen, indemsie sagt: Illuä ernt autumuus, guruiZo veuit act s.Leneäiotum et tuuo Ilieruut 7 auuos, guoä äs Xowa,trausirs eoepit et omuiuru eraut 10 uuuos, czuocläs surr xatria trausibat. (21. 6-. XV, 1, 102.)Da aber Willibald die Pilgerreise nach dem Orient erstOstern 723 angetreten hat, so scheint die Nonne dieJahre der Abreise und der Ankunft als voll gezählt zuhaben, ebenso scheint sie verfahren zu sein bei derZählung der Jahre der Abreise von England und derAnkunft in Nom.
Auf Monte Cassino fand Willibald nur wenige Moucheunter dem Abte Petronax vor; als Novize war er imersten Jahre (729 — 730) Sakristan, im zweiten (730bis 731) Diakon (Aufwärter) im Kloster, 8 Jahre ver-sah er dann daZ Amt eines Portners (731 — 739).