Ausgabe 
(26.4.1894) 17
 
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Nach Umfluß dieser zehn Jahre zog der Schüler des hl.Benedikt in Begleitung eines spanischen Priesters nachRom; Papst Gregor III. (731 741) ließ den viel-gereisten Mönch zu sich rufen und hörte mit regem In-teresse dessen Erzählungen über die Pilgerreise im gelobtenLande zu: gnonioäc) septuplurn snnorum eslsulum inoxtsrnis tsrrninsrnni tsllnris prodsiiäo. xroloarst:.

Hierauf theilte ihm Gregor III. den Wunsch deshl. Bonifatius mit, daß er in die deutsche Mission sichbegebe. Als Willibald vorerst die Erlaubniß seinesAbtes sich erbitten wollte, erhielt er vom Inhaber desapostolischen Stuhles den direkten Befehl, dem hl. Boni-fatius nach Deutschland zu folgen.

Am 30. November 789 war Willibald nach Rom gekommen, gegen Ostern, 24. April, 740 verließ er dieewige Stadt. (I?ost lisss tnns tiiiitis ornonlorninIsdnlis psi'Asdst inäs VVillilisläus in xssslrs, gniillis vsnislzsb in nstsli 3 . ^näress.) In Luca be-suchte er das Grab seines Vaters, zog über Pavia ,Brescia, nach dem Gardnsee, überstieg die Alpen undeilte an den Hof des bayerischen Herzogs Odilo, wo ersich eine Woche aufhielt. Dann zog er zu Suidger undblieb gleichfalls eine Woche bei ihm. Hierauf ging ernach Linthard zum hl. Bonifatius. Dieser schickte ihnund Suidger uach Eihstat, um zu sehen, wie ihm dieGegend gefiele. Suidger hatte nämlich diese Gegenddem Bouifatius geschenkt und letzterer übergab sie unsermBischof Willibald. Jene Gegend lag ganz verwüstet, mitAusnahme eines Marienkirchleins befand sich dort keinHauS. Daselbst blieben Suidger und Willibald einigeZeit, einen geeigneten Wohnplatz aussuchend: Onrngusidi lusnsdsirt äuos sinrnl all Lidstst aligusutnlriuitöinp>ori 8 inäutium IVillidsläus stgrrs Luiä^sriusslinsiiicius ibiäsrn Irsditstionis losuin sxxlorsnäc)slsxsdsnt st xostss itsrnrn psr^sdsiit s-Louskstinm I?ri 8 ingurn^) st idi ersnt snm illo usgus äum ornnsskiiunl iterunr vsnisdsnt üilrstst. Dann kehrtensie wieder zum hl. Bonifatius nach Freising zurück undverblieben daselbst, bis sie Alle wieder nach Eichstätt ihreSchritte lenkten. Dort weihte Bouifatius den hl. Willi-bald zum Priester am Feste der hl. Maria Magdalena 22. Juli 740.

Der Aunnoustempel in Karnak (Theben ).

(Fortsetzung.)

Nun betreten wir den großen (48 X 103 in) hyp-äthralen Vorhof. Rechts und links sind die Säulengängenoch vorhanden; 18 Säulen standen auf jeder Seite;die linke Reihe steckt bis zu den Kapitälen im Schütte.In diesen Hof ließ Seti II. eine Kapelle, Ramses III. aber einen regelrechten Tempel einbauen. Letzterer ragtweit über die Südmauer hinaus, verschwindet aber gegen-über den gewaltigen Dimensionen des Hofes und desHeiligthums.

In der Mitte des Hofes war ehedem die Prozcssions-straße durch eine Doppelreihe von 21 ru hohen Säulenbezeichnet. Nur eine einzige hat mit ihrem Abakus dieStürme der Zeiten überdauert und schaut sich mit ihrem

2) S. verlegt Linthard nach Oberfranken oder Thüringen ;aber diese Stelle scheint mir dafür zu sprechen, daß Willibald denhl. Bonifatius schon das crste Mal in der Nähe von Frcisinggetroffen habe; daher haben die Herausgeber des Hodoeporikonsan Linthard bei Mallerödorf gedacht; Stamminger (§rano. s. I,473) sagt, Linthard sei ein Ort, der heute nicht mehr bestimm-bar sei.

schönen Glockenkapitäl ganz betrübt in dem weiten leerenHofe nach ihren längst verschwundenen Genossinnen um.

Den Ausgang aus diesem Hofe und den Eingangzu dem nächsten Saale vermittelt ein 2. Pylon; derselbeist von unten bis oben, innen und außen mitSculpturen (Gott Ammon und Pharao ) und Inschriftenbedeckt.

Der folgende Saal ist ein Wunderbau. Auf einerFläche von 5000 djllr sind 134 Säulen vertheilt, umauf riesigen Architraven noch gewaltigere Deckenplattenzu tragen. Die mittlere Doppelreihe (12 Säulen) istals Fortsetzung der Processionsstraße höher als die übrigenSäulen. Während diese bei einem Umfang von 8 in13 in hoch sind, haben jene einen Umfang von 10 in undeine Höhe von 21 in. Die Kapitüle der Processionsstraßehaben Glocken-, die übrigen Papyrosknospenform. Säulen,Abakus, Architrave und Wände, alles ist mit Bildern undInschriften bedeckt, wozu die Namen der königlichen Bau-herren, deren Widmung an Ammon und dessen Scgens-sprüche den Hauptstoff liefern. Einzelne dieser Säulensind zusammengestürzt, die meisten oder besser gesagt fastalle stehen noch; eine Säule lehnt mit einem Architrav-stück am Abakus ihrer Nachbarin, man glaubt jedenAugenblick, der Architrav werde herabfallen und dieSäule zusammenbrechen; ich kam nach 14 Tagenwieder und noch immer lehnte sie müde an der Schulterihrer Freundin, und so wird es wohl noch lange bleiben;denn die Aegypter haben so gut gebaut, daß die Zer-störung fast ebensoviel Arbeit als das Aufbauen kostet.

Wenn man vom Eingang dieses Saales aus, alsovom Thorweg des 2. Pylons aus, durch diesen steinernenWald riesiger Papyrosknospen und Glockenblumen schaut,so genießt man einen unbeschreiblich schönen Anblick.Neben diesen hochragenden Säulenschäften ist man soklein, und wenn man erst die Namen der Erbauer Seti I. und Ramses II. an den Säulen und Architraven liestund die Jahrhunderte und Jahrtausende, die seitdem durchdie Welt gegangen sind, im Stillen überschlägt und zuberechnen sucht, wie viele Jahrhunderte noch vergehenwerden, bis die letzte in den Staub sinkt, so wird dieSeele von der Majestät des Gedankens an die Ewig-keit durchschauert. Als die Tochter Ramses' II. denkleinen Moses im Nilröhricht fand, wurde an dieserHalle gebaut und standen schon die meisten Säulen;als der Pharao des Auszugs mit seinem Heere imSchilfmecre umkam, da war sie längst vollendet undausgeschmückt; als sich ein Altar Jehovahs in Aegypten erhob (in Leontopolis) und wieder zerstört wurde, dastand sie noch in vollem Glänze; als Gott seinen Sohnaus Aegypten rief, wiederhallte sie noch von den Gesängender Priester und Weihrauchwolken verhüllten die Kapitäle;als der Herr von Aegypten erkannt wurde (Jes. 19, 21),als Klöster und Lauren entstanden, als im Tempel vonLuxor und Medinet Habu das unblutige Opfer des neuenBundes gefeiert wurde, hatte sie noch nicht gealtert; alsdas Schisma das Glaubensleben erstarren machte undder Islam es ertödtete, da mag die erste Säule geborstensein; als Champollion die Hieroglyphen entzifferte, ver-riethen sie ihm ihr Jahrtausende bewahrtes Geheimniß,und jetzt stehen noch die meisten, ja fast alle in vollerKraft, und es wird noch Jahrhunderte und Jahrtausendedauern, bis die Zeit den Sieg über dieses Bauwerkdavonträgt, und wer weiß, ob diese Halle nicht nochZeuge sein wird der Erfüllung der Prophetenworte überAegypten (Jes. 19, 24 u. 25)!