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Meßopfer, Beicht- und Cömmnnion, Ablaß und Rosenkranz eingeflochtcn. Unter den vier Meßandachten ist die erste durch-aus neu und originell: Der Wortlaut der pricsterlichen Meß-gebete ist in Kleindruck vorangestellt, worauf je die schöne,durchaus gelungene Erklärung desselben in Gebets form (ingrößerem Drucke) folgt. Dadurch wird der sachgewandte Ver-fasser einer bekannten Bestimmung des allgemeinen Concils vonTncnt vollauf gerecht. Die beigefügten Andachten für die ein-zelnen Wochentage und für die Fastenzeit (Kreuzweg, LeidenChristi) machen das Gebetbuch „vollständig". Vortreffliche „Be-lehrungen für Kranke und Leidende" nebst den Gebeten fürSterbende und Abgestorbene, für den Verein der christlichenFamilie haben auch Aufnahme gefunden. Der dritte Theil(S. 651—698) umfaßt eine gründliche Lehre über Wesen undEigenschaften der Novencn und gibt dazu eine praktische An-leitung. 2. Auf den vielfach geäußerten Wunsch von Laien hatder Verfasser das Beicht- und Communionbuch separatherausgeben lassen. Die Beichtandacht ist in ihren Gebetenherzlich innig, mit ihren beiden Beichtspiegeln (für öfters undnur einmal im Jahre Beichtende) sehr lehrreich und durchihren ausführlichen Unterricht über die wichtigsten Bestand-theile (Reue, Vorsatz, Bekenntniß) eminent praktisch. Aus be-rechtigten Gründen sind die wesentlichen Punkte der Unter-weisung durch fetten Druck hervorgehoben. Die beigefügtenMorgen-, Abend-, Meßgebete, Stationenandachtcn und Litaneienerhöhen die Brauchbarkeit des Büchleins wesentlich, so daß esein hübsches, sehr handliches Gcbctbüchlein ist, namentlich fürMänner. Beide Büchlein empfehlen sich auch durch den billigenPreis und die schöne Ausstattung, und daö erste dürfte sich alsGeschenk für Brautleute und Firmlinge besonders empfehlen!
L.
Pater Theodosius , ein menschenfreundlicherPriester. Von Dr. P. C. Planta. Mit dem Bildund Facsimile des k. Theodosius. Bern , Wyß 1893.(1 M. 80 Pf.)
Ll. Wer kennt den Namen dcö k. Theodosius nicht, desBegründers der Krcuzschwestern, die in ganz Europa in derZahl von Tausenden für das Wohl der Jugend, der Armenund Kranken wirken? Jeder, der seinen Namen kennt, wirdaber erfreut sein, eine ausführliche Biographie des von Gott begeisterten und geführten Mannes zu lesen, der in dem kurzenZeitraum von 12 Jahren, 1853—1865, so Großes schuf! Wiedas kam, daß ?. Theodosius mit vier Ordensschwestern in Chur 1853 begann und schon 1865 bei seinem Tode über 400 segnenkonnte, erzählt der Verfasser im ersten und zweiten Theileseiner Biographie, in der er die Thatsachen, die Gründungen inder Schweiz und Oesterreich mittheilt. Die Erzählung ist ge-schichtlich treu, indem der Verfasser auch die Hemmnisse nichtverschweigt, die theils von außen kamen, theils in der Art undWeise der Unternehmungen selbst lagen. Wenig glücklich warder vortreffliche Mann nämlich in der Gründung von Fabriken,der er allerdings auch seine christlichen Ziele zu Dienst nehmenwollte. Von einem anderen Hemmniß werden wir noch sprechen.Für die katholische Socialwirksnmkeit, deren Idee und Ziel istaber vom höchsten Werthe der dritte Theil der Biographie,welcher sich „Des Pater Theodosius Welt- und Lebensanschauung"überschreibt, und aus den Schriften, Predigten und Reden desherrlichen Mannes die Summa der Grundsätze mittheilt, ausdenen I?. Theodosius seine edlen, Gott und der Menschheit ge-weihten Werke schuf. Dieser Theil ist geradezu ein herrlichesProgramm für kathol.-sociale Lehre und Wirksamkeit. Wir be-grüßten diesen Theil mit besonderer Freude. Und nun — derVerfasser, Herr NcgicrungSratb Dr. Planta in Chur , ist einProtestant, der Wahrheit und Wohlthun liebt und Gerechtig-keit übt. Das zeigt er namentlich darin, daß er für k. Thco-dosius eintritt in der übelsten Affaire, die ihm 1857 begegnete,als ihn der Stadtrath wegen einer Rede in der SalzburgerKatholikcnversammlung zu verfolgen begann und ihn nöthigte,die Großzahl seiner Ordensschwestern in Chur zu entlassen.Aber Gott der Herr fügte es zum Besten. ?. Theodosius hattebereits in Jngcnbohl sich angekauft, und verlegte einfach dahinden Hauptsih des Ordens. Dort aber blühte er mehr auf, alsin der Nähe des unfreundlichen Stadtrathcs von Chur . Sowaltet Gott mit Menschen, die ihm dienen!
Ernpp (Dr. G.), Octtingische Geschichte der Ne-formationszeit. NesormationSgcschichte des Riesesvon 1539—1553. Mit Bildern und Ansichten. Nörd-liugen, Tb- Reischle. 8°. 160 S.
W Der Verfasser hat sich die Aufgabe gestellt, mit Ver-werthung eines reichen, unbenütztcn Materials, vor allem des
Wallersteiner Archivs, die Neformationszeschichte des Rieses zubearbeiten. In einem ersten einleitenden Kapitel (S. 1—15)gibt er zunächst eine Darstellung des Bauernkrieges im Niese,während das 2. u. 3. Kapitel (S. 15—132 bczw. S. 133—151)die Reformation des Rieses in der 1. Periode (1524—1517),den schmalkaldischcn Krieg und das Interim zum Gegenstandhaben. Ein großer Tbeil des 2. Kapitels, namentlich der ganze§ 1 (S. 15—74) beschäftigt sich mit der Eintheilung der Graf-schaft Oettingen zur Reformationszeit, vor allem aber mit derFamiliengeschichte der damals lebenden Grafen, wobei cultur-hisrorischcn Notizen, die in der That sehr interessant sind, einebesondere Sorgfalt gewidmet wird; auch die übrigen Para-graphen des 2. Kapitels weisen zahlreiche familiengeschichtlicheBemerkungen auf. So wäre vielleicht der Titel „OcttingischeFamilien-, Cultur- und politische Geschichte zur ReformationS-zeit" bezeichnender gewesen für den Inhalt des Buches. Daö3. Kapitel ist leider etwas flüchtig ausgefallen; bei aller Kürze,deren sich der Verfasser aus buchhändlcrischen Rücksichten be-fleißigen zu müssen glaubte, wäre doch größere Prägnanz mög-lich gewesen. Was die Darstellung anlangt, so ist dieselbestreng objectiv. Leider sind manche stilistische Unebenheiten undziemlich viele Druckfehler sie hengeblieben, die indessen unter derLast des massenhaft vorgelegenen Aktenmatcrials — die Pe-danterie, wenigstens den Fundort, wenn auch nicht den Lager-ort, Seite für Seite des Buches anzugeben, hätte der Verfassernicht scheuen sollen — entschuldbar sind. Störend wirkt z. B.beim Beginn der Seite 25 der Ausfall einiger Worte. Eineanerkennenswerthe Beigabe sind die Abbildungen (besonders derSchlösser Harburg und Wallerstein ) und ein am Schlüsse an-gefügtes Orts- und Personenregister, in das aber leider dieNamen der Glieder des öttingischen Hauses nicht aufgenommensind. Die Bewohner des Rieses in erster Linie werden demVerfasser für das mühevoll geschaffene, lehr- und genußreicheWerk herzlichen Dank wissen.
Anzeiger des germanisch. NationalmuseumS. 1894.
Nr. 1 — Januar und Februar. Nürnberg, Germanisches
L*L Dem „Anzeiger", herausg. v. Hans Bösch, (enthalt, dieChronik des Museums) sind 24 Seiten „Mittheilungenaus dem germ. N.-M." beigegeben. S. 1—8: Bösch, EinPokal des Nürnberger Goldschmiedes Elias Lenker. Die Be-schreibung und Abbildung eines prachtvollen, mit Plastik undHeraldik geschmückten Schaustückes aus dem Besitze Veit Holz-schuherö ungefähr v. I. 1573. — S. 9—22: Kamann, Ausdem Briefwechsel eines jungen Nürnberger Kaufmanns im XVI.Jahrhundert. Ein interessanter Beitrag zur Kenntniß der Lehr-und Wandcrjabre eines jungen Kaufmanns jener Zeit, wie nichtminder der Nürnberger Kultur- und Geschlcchtergeschichtc, inBriefen der Angehörigen an den 1510—43 vom Elternhausentfernten Paulus Bchaim. (Schluß folgt.) — S. 22—24:Bösch, Zum Verkchrsleben im XV. Jahrhundert. Die Be-trachtung zweier (rcproduz.) Holzschnitte vom Anfang der 70erJahre des XV. Jahrhunderts mit Scenen aus dem Leben aufder Landstraße. _
Archiv für christliche Kunst 1894, Nr. 1-4.
* Professor KepplerS Archiv für christliche Kunsteröffnet den Jahrgang 1894 mit einem Bericht über die Er-richtung eines bischöflichen Kunstmuseums für die Diözese Not-tenburg. Stadtpfarrer Keppler-Freudenstadt beschreibt denherrlichen Tabernakelbau zu Weilderstadt, ein Werk des Früh-barock von der Hand dcS Stuttgarter Bildhauers Georg Müller(1611—24) und im Anschluß daran das einfachere Sakraments-bauö in Glatt (1550), endlich ein spätbarockes Altarkrenz (1711).Wieder ein Baustein zum Ehrentempcl der Renaissance, welche,soweit das kirchliche Kunstgebiet in Frage kommt, nur zu langemißkannt worden ist. — Lehrreich und recht dankenswcrth ist derBericht des Pfarrers Na ible üher die Restauration der Pfarr-kirche zu Glatt (Schlußartikel). — Dem praktischen Zwecke wirdferner in hervorragender Weise dienen eine Reihe von Artikelnüber „die Bemalung unserer Kirche n" aus der Feder desHerrn Professors Keppler selbst. Die zwei ersten Artikel inNr. 3 und 4 lassen zur Genüge erkennen, daß hier prinzipielleFragen von größter Tragweite in der dem Verfasser eigenenklaren und anschaulichen Weise zur Behandlung kommen. —Th. Schön, ein Beitrag zur Geschichte der Kirchenbaukunstim Mittclalter. Findlinge über einzelne Meister der Baukunst.— Ueber eine Monstranz in Renaissanceformcn, welche aus derHand des GotdarbeiterS Ballmann in Stuttgart hervorge-gangen ist und das schwierige Problem in befriedigender Weise