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mit sich und die goldenen Schilde, welche Salomongemocht."
Leider habe ich die Dsttros äoritss xsullunt 8<mvo^uxs 6Q (Paris 1829) von Champollion ,
dem Vater der Aeghptologie, nicht zur Hand. Ich mußdaher darauf verzichten, die schönen und begeistertenWorte, mit welchen er die Entdeckung dieser Abbildungbeschreibt und die Entzifferung dieser Inschrift einleitet,hier wiederzugeben.
Es war an einem Abend, als der erste Acgypto-loge sich der Südwand des großen Säulensaales näherte,die Abendsonne vergoldete die Obelisken des Heiligthumsund die kalten Bilder und Zeichen waren in warmeFarbentöne getaucht, da fiel sein Blick auf fünf langeReihen von Namensschildern, welche nach ihrer paironen-ähulichen Form von ihm den Terminus oartouelies —Patronen erhielten. Diese Namensschilder waren von zinnen-artiger Umrahmung eingefaßt, wahrend sie sonst nur einelanggestreckte Ellipse mit kleiner Tangente an der Spitzebilden. Alle diese Cartouchen sind Brustschilder vonPersonen, deren Profile asiatischen Typus zeigen undderen Hände auf den Nucken gebunden sind. Die Strick-enden ruhen in der Linken des Gottes Ammon, währendseine Rechte das eigenthümlich geformte Siegcsschwertgegen eine Schaar vor ihm knieender und um Gnadeflehender Feinde zückt. Weiter nach rechts ist allerdingsnur in den Umrissen eingemeißelt das Bildnis) des PharaoSesak. Daß es dieser König und kein anderer ist, lehrtder beigeschriebene Name: Lalreselwn^, und zum Ueber-fluß bestätigt eine Stele (Tafel) am Gebe! Silsile inOberägypten , daß dieser König dort Steine brechen ließzum Baue am Tempel in Karnak, Aus den Namender Inschrift erkannte Champollion sofort, daß es sichhier um die angezogenen Bibelstellen handele. Und inder That, wir haben in diesem Denkmal die Bestätigungdes Krieges Sesaks gegen die Nmn d. i. Semiten undJerusalem und noch dazu eine Erweiterung des biblischenBerichtes, indem in den Schildern die Namen der er-oberten Städte aufgeführt werden. Alle sind noch nichtsicher identificirt. Die wichtigsten mögen hier folgen:Megiddo, Nabbith, Beth-Schean, Gibeon, Beth-Horon,Ajalon, Makkedah, Jerusalem . „Die Liste beginnt inGaliläa, geht durch Samaria und die philistäische Ebenenach der Wüste von Beerscheba und wendet sich dannlängs der Hebronhügel nach Norden" (Dulsstins Dx>xloratiou Drurä ffulzc 1893 S. 245 gezeichnet 0. R. 6.).
Bei diesem Anblick und bei dieser Entdeckung ist esleicht verzeihlich, wenn bei dem Historiker und Excgctender Philologe zu kurz kommt. Champollion las nämlichganz richtig in einem Ringe dieser Städtenamen: lluäasiwalölr, übersetzte es aber mit „König von Judah" undglaubte in dem Gefangenen, der diesen Schild trägt,ein Porträt des Königs Noboam erkennen zu müssen.Ihm sind auch andere gefolgt, z. B. Vigouroux, undselbst der nüchterne Bädeker (Ebers, Dümichen undEisenlohr, drei berühmte Acgyptologen, sind die Verfasserdesselben) meint, daß man lluäast malolr mit „Königvon Juda" übersetzen darf. Ich will hier aber keinephilologische Abhandlung schreiben, möchte aberbemerken, daßweder der Zusammenhang der Inschrift, noch die Gram-matik eine derartige Uebersetzung duldet. Wir haben hier,wie in den andern Schilden, eine Festung vor uns, dieallerdings noch nicht sicher identificirt ist. Was die Porträt-ähnlichkeit mit König Noboam anlangt, so verschwindetdieser schöne Traum, wenn man die andern Köpfe be-
trachtet, da einer genau wie der andere geformt ist. Trotz-dem wir also keim Porträt des Sohnes Salomons voruns haben, so ist doch dieses Denkmal von unschätzbarerBedeutung für die biblische Wissenschaft und auch vonapologetischem Werthe, da wir hier die Genauigkeit der bi-blischen Angaben selbst in kleinen Dingen bewundern undbeweisen können.
Da dieser Schild, der 3. in der 3. Reihe (die ganzeDarstellung hat 120 Namen), so große Berühmtheit er-langt hat, habe ich von ihm noch bei später Abendstundebeim Mondschein einen Papier -Abdruck genommen, sowienoch von zwei erreichbaren Namen: Abklatsch, Photo-graphie und Augenschein bestätigen die Gleichförmigkeitder Profile auf's vollkommenste.
Noch weiter rechts an derselben Mauer ist dasEpos des ägyptischen Homer Pentaur zu lesen, wenn manden angehäuften Schutt wegräumt.
An der Wand, welche sich im rechten Winkel an-schließt, ist ein Vertrag des Königs der Cheta, Chetasar,mit Namscs II. in Hieroglyphen überliefert. Derselbedatirt vom 21. Tybi des 21. Jahres des Namses II. undist in Tanis abgefaßt. Vielleicht ist diese Inschrift be-stimmt, bei der Entzifferung der noch immer unent-räthselten chetitischen Schriftzeichen als Schlüssel zudienen.
Es wären noch zahlreiche, interessante Inschriftenund Denkmäler im Karnaktempel zu besprechen; aber dasAngeführte wird genügen, um eine Idee von der Pracht,Schönheit und Bedeutung dieses noch im Verfalle großenBanwerkes zu geben.
Jerusalem , Kloster St. Etienue,im Februar 1893.
Dr. Seb. Euringer.
Recensionen und Notizen.
Die Mutter Gottes von Lourdes . Vollständiges Gebet-und Untcrrichtsbnch mit Novcncnandachten zur MutterGottes von Lourdes für alle Verehrer Mariens vonAlfonS Schwarz. Pfarrer in Ottenbach (Württem-berg ). Mit Approbation des Bischofs von Nottenburg.Stuttgart , Süddeutsche Verlagshaudlung (D. Ochs),688 S., geb. von 2 M. an.
Beicht- und Communionbuch für Erwachsene. Ver-sehen mit einem Anhang der nothwendigsten Gebete vonAlfons Schwarz, Pfarrer in Ottenbach . Mit bischvff.Approbation. Stuttgart , Süddeutsche Verlagshaudlung(D. Ochö), 266 S., gcbd. von 1 M. an.
Unsere Zeit leidet gewiß keinen Mangel an Gebet- undErbauungsbüchern, und wir wären die letzten, die eine Ver-mehrung derselben wünschten, wenn diese nicht zugleich eineVerbesserung derselben wäre. Das trifft bei den beiden vor-stehenden zu. Deßhalb bringen wir sie zur Kenntniß der Leserder „Postzeitung". 1. Das Marien-Lourdesgebetbnch ist, obwohlin 3000 Exemplaren bestehend, schon nach 7 Monaten vergriffengewesen. Gewiß ein Beweis für den Werth des Buches! Andie zweite Auflage hat der Verfasser nochmals die besserndeHand angelegt, so daß alle Wünsche befriedigt sind. Dasdurch reichen und kernigen Inhalt, durch gründliche und popu-läre Unterweisung über die wichtigsten Punkte der Glaubens-lehre und des Glaubenslebens, durch Originalität der Formund Anlage sich auszeichnende Buch zerfällt in drei Haupt-theile. Der erste, historisch-apologetische Theil (inKlein-druck gesetzt) bietet in markigen Zügen eine lebensfrische Dar-stellung der Geschichte von Lourdes und eine überzcugungSvolle,nur auf glaubwürdigen, von competenten Autoritäten bestätigtenThatsachen beruhende Vertheidigung der wunderbaren Vorgängedaselbst (S. 3—62). Diese Einleitung kann nicht ohne mächtigenEindruck auf die vertrauensvolle Verehrung der Mutter Gottesbleiben. Den zweiten Theil bildet das eigentliche Gebet-und Unterrichtsbuch (S. 65—647). Neben den gut ge-wählten Gebeten und Andachten ist ein sehr zweckmäßiger undso recht für das praktische Leben berechneter Unterricht über