Ausgabe 
(24.5.1894) 21
 
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oder das Kreuz offen darzustellen, so mochte es ihremGefühl widersprechen, den Löwen , diesen schrecklichenMörder so vieler Glaubenszeugen, zu einem häufigenSymbol zu erheben.

Wie es in Achmim um die Verfolgung und ihreraffinirten Torturen stand, ist nicht leicht zu sagen.Wir zweifeln in jedem Falle an einerabsoluten Gleich-heit" der Lage hier und dort, einmal weil wir das pro-vinziale Christenthum nicht in allem mit dem römischenvergleichen dürfen und dann weil die uns vorliegen-den Funde, auf Grund deren allein wir zu urtheilenhaben, immerhin keine allzu blutige Sprache reden. Wiedem immer sei, soviel ist sicher, daß wir auf denaltchristlichen Denkmälern Oberägyptens demLöwen geradezu oft begegnen, und zwarmeistinsichtlich symbolischer Bedeutung.

Schon bei Betrachtung des Bildes vomHasen",auf das wir besonders hier verweisen, haben wir denLöwen in Gesellschaft unstreitig symbolischerThiere und in nicht mißzuverstehender Situa-tion bemerkt: so auf meinem hochwichtigen Clavus, deruns zwei Hasen und einen Löwen mit rothen Zungenvor einem verhüllten Kreuze zeigt, so auf Forrers Bor-düre, wo wir Hasen, Löwen und Gazellen einemorux Asiumata. zustreben sehen, so auf dem Clavus,der uns Tauben, Hasen und Löwen in Medaillons voreinem stark verhüllten Kreuz (oder Weihbrod?) sehenläßt. Hiezu kommen zahlreiche Nummern, dieuns Löwen undGazellen bieten, vielfach mit Hasenvergesellschaftet, so daß nicht die Spur eines Zweifelsdarüber aufkommen kann, daß der Löwe hier in irgendeinem Sinne den starkmuthigen, emporstreben-den Christenglauben symbolisire.

Ein sehr interessanter, leider in Folge allzudefektenZustandes zur Neproduction ungeeigneter Clavus enthältdie Arbeiten des Heracles ". Das Stück ist nach Stoff,Farbe und Zeichnung durchausspät", das heißt höchstensaus dem V. VI. Jahrhundert. Man braucht, wennich schon (wohl unter allgemeiner Zustimmung) aus diesemGrunde das Bild der christlichen Kunst überweise,nicht zu meinen, Herkules käme auf die altchristlichenMonumentewie Pontius ins Credo". Wir wissen ja,daß neben Orpheus und Theseus auch die Gestalt desHeracles in christlichem Sinne Verwendung fand!Daß auf allerdingssynkretistischen" Darstellungen selbstdie Venus eine Rolle spielte, sei nur flüchtig erwähnt.Für Orpheus aber, für Theseus und H eracles mußdie christliche Uebernahme eines mythologischen Typusarchäologisch anerkannt werden. Für Heracles gilt dasnoch für die späteren Jahrhunderte. So fand ihnForrer mit mir auf dem herrlichen romanischenRiesentaufbecken, das alsTeufelsstein" im Pfarrgartenzu St. Ulrich im badischcn Breisgau (bei Krotzingen-Bollschweil) zu schauen ist; hier fignrirt er als eine ArtSchlußbild unter Aposteln und Propheten, neben Christusund Maria. Doch zurück zu unserem Clavus. Ein Bildzeigt uns den Heracles, zwei Löwen nieder-drückend. Ich erblicke hierin eine Allegorie auf denSieg des Christenthums über das Heidenthum, es demLeser überlassend, diesen allegorischen Sinn nach gegebenenMustern noch weiter zu variiren.

Ochs und Stier.

Auf den altchristlichen Monumenten ist der Ochsein sehr seltenes Symbol. Wir betonen das letztere

Wort, denn in Verbindung mit dem Sujet der GeburtChristi , das zumal auf Sarkophagen des IV. undV. Jahrhunderts öfter erscheint, ist der Ochs keineswegseine seltene Zugabe. Mit seiner symbolischen Bedeutungkann man nicht allzuviel anfangen, selbst die sonst soergiebigen Väterstellen sind wenig mittheilsam. Man istdaher genöthigt, sich zunächst an die Worte des Cassio-dorius zu halten, der erklärt:unter den Ochsen seiendie Prediger zu verstehen, welche die Brust der Menschenglücklich pflügen und in ihr Gemüth den fruchtbarenSamen des himmlischen Wortes ausstreuen."

Wir gestehen aufrichtig, daß wir mit diesen Wortendie Symbolik des Ochsen weder fassen, noch sie als na-türlich und darum als wahr zu verstehen vermögen.Das mag eine Symbolik sein, wie sie die Schultheologiefür ihren Hausgebrauch gebrauchen kann: volksthümlichist sie nur, wenn sie auf etwas Volksthümlichesrecurrirt. Es gehört aber eine kleine Spitzfindigkeit dazu,ohne äußere oder innere Veranlassung in dem Ochsen,der unter andern: auch zumPflügen " angehalten wird,das richtigste Symbol für die geistige Pflugarbeit desEvangeliums zu erblicken.

Die Lösung des Räthsels kommt unseres Trachtensnicht von derPredigt des Evangeliums", die demPflügen der Aecker gleicht, sondern kun st geschichtlichkommt sie aus der Betrachtung der Darstellungsweissder vier Evangelisten in der altchristlichen Kunst.Das Symbol des Ochsen hat keine allgemeine, sonderneine spezielle Unterlage. Achmim liefert dafür ent-scheidende Beweise.

Wir müssen, um unsern Schluß übersichtlich vorzu-bereiten, wider unsern Willen zunächst Bekanntes wieder-holen, und wir können nicht besser sagen, was F. L.Kraus unter Quellenangaben so schön und klar zu-sammengestellt hat:Nachweislich schon im II. Jahr-hundert war es üblich, die geheimnißvollen Thier-gestalten auf die vier Evangelisten zu beziehen.Die Deutung war freilich nicht immerdie gleiche. So entspricht bei Jrenäus aäv.kasr. der Löwe dem Johannes, das Rind dem Lucas,der Mensch dem Matthäus, der Adler dem Marcus.Augustinus bezieht dagegen den Löwen auf Matthäus,den Menschen auf Marcus, das Rind auf Lucas, denAdler auf Johannes." Unsere heutige Deutung ist be-kanntlich für den Menschen Matthäus, für Marcus derLöwe, das Rind für Lukas, für Johannes der Adler.Zu ihrer Begründung beruft sich Hieronymus auf dieAnfänge der einzelnen Evangelien: Matthäus beginntmit der menschlichen Herkunft des Herrn, Marcus mitder Stimme des Rufenden in der Wüste, Lucas mit derGeschichte des (opfernden) Priesters Zacharias, Johannes aber schwingt sich in erhabenem Fluge über die Erdeempor zur Betrachtung des ewigen Wortes."

Blicken wir auf die altchristlichen Monumente,so sehen wir die Evangelisten anfangs in ganzer Figur,seit dem V. Jahrhundert auch im Brustbilde dargestellt.Die symbolische Abbildungsart greift aber bereitsgegen Ende des IV. Jahrhunderts Platz, einUmstand, der für uns von wesentlicher Bedeutung ist.Kraus führt uns chronologisch die einzelnen Darstell-ungen vor, denen wir in Kürze folgen: 1) Mosaik vonSt. Pudentiana in Rom , ca. 384398: links vom Be-schauer Engel und Löwe, rechts Stier und Adler,die drei Thiere ebenfalls geflügelt, ohne Inschriften;2) ähnlich wie 1), jetzt zerstört, Mosaik von S. Sabina;