Ausgabe 
(24.5.1894) 21
 
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8) Sta. Maria Maggiore, dieselbe; 4) Mosaiken von Ra-venna um 440; 5) dito von S. Ambrogio in Mailand ;

6) dito von S. Paolo f. l. m. in Rom . Ferner

7) ca. 530 S. Cosma e Damiano in Nom: Engelund Adler mit Buch; 8) S. Prisco in Capua vetereund 9) S. Apollinare in Classe mit veränderterOrdnung: Adler, Engel, Löwe, Stier, VI. Jahr-hundert; 10) S. Teodora in Rom , ca. 640: zu jezwei mit Büchern, Stier und Engel, Löwe und Adler;11) S. Prassede in Nom, Löwe und Engel, Adler undStier, alle mit Flügeln, Nimbus und Buch; S. Marcoin Nom 828844: Stier, Engel, Adler, Löwewie die vorigen. Dazu kommt ein Evangeliendeckel vonMailand aus dem V. Jahrhundert mit Engel und Stier,die sechs Flügel, Nimbus und Buch haben. Wichtigist noch dasdie altchristliche Tradition bewahrende"Pult der hl. Nadegundis in Poitiers : Adler und Mensch,Stier und Löwe in Medaillons und ohne Nimben. Be-merkenswerth, allerdings unser Räthsel leider nicht lösend,ist seit dem V. Jahrhundert die Darstellungsweise, dieEvangelisten in ganzer menschlicher Figur neben denSymbolen abzubilden. Für uns am wichtigsten in-dessen erscheint die Bemerkung von Cahier, wonach aufmehreren spanischen Darstellungen der Stierfür Marcus vorkomme.

Hier beginnen wir unsere Deutung für.die Ochs-figuren von Achmim . Wie die obige kurze Aufzählungschlagend beweist, kann davon nicht die Rede sein, daßdie exegetische Begründung unserer Deutung, Mat-thäus Mensch, Marcus Löwe, Lncas Ochse oderStier, Johannes Adler, durch Hieronymus, so plausibelund sogar richtig sie für den einmal fest fixirtenTypus ist, in der alten Kunst von Anfang an als stillesGesetz gewaltet Habei Willkürlich, d. h. verschieden vondem heutigen Usus, ist zunächst die Reihenfolge derSymbole. Nun fragt es sich, ob die so veränderteReihe der Symbole auch eine Aenderung in der Reihen-folge der Evangelisten bedinge, oder ob letztere stetsstehen blieben und die Symbole für sie allein wech-selten? Das Eine ist so bedenklich und unbedenklich wiedas Andere! Es genügt allein schon die Thatsache derWandelbarkeit, um in der Deutung alter Monumente ingewissem Sinne freie Hand beanspruchen zu dürfen. Aller-dings muß, wenn eine Beziehung dieses oder jenesSymbols auf einen andern als den hiefür typischenEvangelisten angenommen wird, die Deutung des Hierony-mus an dogmatischer Gewißheit verlieren. Wer sagt unsaber, daß Hieronymus die älteste Auffassung oder dochdie allgemeine in seiner Exegese wiedergibt? Dennes ist nicht sicher, angesichts der Variationen in derSymbolenreihe auch gar nicht von vornherein wahr-scheinlich, daß dieselben Symbole überall den-selben Evangelisten vertraten!

Was Cahier von etlichen spanischen Darstellungensagt, klingt durchaus nicht wundersam für den, der dieoben skizzirteVerschiedenheit der Reihenfolge in denSymbolen" bedenkt. Kommt dazu noch die Betrachtungaller Einflüsse, denen die hispanische Kirche in denältesten Zeiten erlag, die geschichtlich wie legendär ver-bürgte Einwirkung orientalischer Anschauungen, so ist dieDeutung des Ochsen als Symbol für Marcus nichtschwer zu begründen, zumal im Hinblick auf das Fol-gende, nämlich auf Achmim .

Achmim -Panopolis hat, wie seine Necropole beweist,sehr frühe dem Christenthum sich erschlossen. Es empfing

die Botschaft des Heils direct oder indireet über Ale-xandrien. Die alexandrinische Christengemeinde hattein der Urkirche eine hervorragende Stelle. Ihre Be-gründung führt die uralte und ununterbrochene Traditionauf den heiligen Ma rcus zurück, wie Eusebius bezeugt.Bevor er in Alexandrien Bischof ward, hatte JohannesMarcus erst den Paulus und Barnabas , dann denPetrus begleitet. Wie lebhaft sein Gedächtniß als das desStifters der bischöflichen Succession in der alexandrinische«Kirche fortlebte, bestätigt der Diacon Liberatus:ZuAlexandria ist es Sitte, daß der Nachfolger des ver-storbenen Bischofs bei der Leiche seines Vorgängers wachedeS Todten Haupt auf sein eigenes Haupt lege, ihn miteigener Hand begrabe und dann das Pallium desheiligen Marcus nehme und es sich umwerfe,worauf er rechtmäßig bestellt erscheint." Wiesehr Alexandrien an den philosophisch-speculativen, auchan den häretischen Bestrebungen im Urchristenthum An-theil nahm, ist aus der Kirchengeschichte hinlänglichbekannt.

Marcus ist es zweifellos, dessen Person und Wirkendie Signatur des apostolischen Urchristentums Aegyptens ist und als solche auch durch die verschiedenen kirchlichenUmwälzungen hindurch sich aufrecht erhielt.

Es wäre so auffallend, daß es unglaubhaft wäre,wenn demgemäß die Person und die Evangelisations-thätigkeit des heiligen Marcus der altchristlichen KunstAegyptens keine Anregung gegeben Hütte, wenn nicht auchhier die Monumente in ihrer offenen oder in ihrer bild-lichen Sprache eine Erinnerung gewahrt hätten an dieapostolische Wirksamkeit des ersten Bischofs von Alexandrien ,den wir als Apostel Aegyptens anzusehen haben. Leiderist es mit den Achmimfunden nach ihrer Ausgrabungnicht viel anders ergangen als bei derselben: Räubereihat sie dem Bodenohne Wahl" entrissen und Geldgiersie in aller Herren Länder getragen, bevor der Wissen-schaft Genüge geschehen war. Ohne die HingebungForrers wären sie kaum mehr öffentlich zu der Be-deutung gelangt, die ihnen beigemeffen werden muß. SoMüssen eben von verschiedenen Seiten und all-mählich Beiträge auch für diese hier aufgeworfeneFrage erwartet werden!

Indessen fehlt es nicht an gewichtigen Anzeichendafür, daß unsere Vermuthung richtig ist. Ich erblickediese Anzeichen in drei Gegenständen, die Forrer,wie er selbst ja sagt, alsForschungsmatexial" publicirte,von denen er aber einen allzurömisch" gedeutet habendürfte, das Wortrömisch" in vollem Ernste genommen.Ich meine mit letzterem die kleine Goldplaquetteauf seiner Tafel XIII, Fig. 3, mit den Köpfen vonPetrus und Paulus" und sonst die zweiThonlampen mit der Figur des Ochsen.

Zunächst die Goldplaquette, ein äußerst werth-volles Kleinod für den Archäologen. Forrer bezeichnetsie selbst alsfrüh" und betont:Die Art der Dar-stellung weist auf das III. und IV. Jahrhundert." Diezwei Häupter erklärt er alsBrustbilder von Petrusund Paulus". Auf den ersten Blick erinnertauch das Ganze mächtig an das berühmte Bronce-medaillon in der vatican. Bibliothek, das alsdie älteste und wohl auch authentische Dar-stellung der beiden Apostel zu betrachten ist.Wir müssen in Kürze dabei verweilen.Es hat un-gefähr drei Zoll im Durchmesser, die Ausführung