erinnert an den edlen Stil der classischen Kunst, unddie Köpfe sind mit großer Sorgfalt gearbeitet. NachBoldetti wurde es in dem Coemeterium der hl. Domitillagefunden, und alles spricht dafür, daß dieses Denkmalzu den Zeiten der Flantschen Kaiser, als die griechischeKunst noch in Rom blühte, verfertigt wurde. Die Ge-sichter sind lebensvoll und natürlich und verrathen einenstarkausgeprägten, individuellen Charakter. Einer derKöpfe trägt kurzes, gekräuseltes Haar, der Bart ist gleich-falls kurz geschoren und gekräuselt, die Züge siud rauhund gewöhnlich. Die Physiognomie des andern ist edler,unmuthiger und schärfer ausgeprägt, es ist ein kühner,stolzer Kopf mit langem und vollem Barte." Eine andereBronceplatte aus der Katakombe S. Priscilla (oder S.Callisto?) und dem HI.—-IV. Jahrhundert zugehörigzeigt Petri Porträt in gleicher Auffassung. Jeneswerthvolle Medaillon aber bestätigt die bei Niccphorus er-haltene Tradition über das Aussehen der beiden Apostel,nach welcher der Erstere Petrus, der LetzterePaulus wäre." Bon einigen „sehr mittelmäßig aus-geführten" Gläsern abgesehen, kehrt dieser Typus auf denMeisten Goldgläsern wieder.
Prüfen wir daraufhin die Goldplaq nette vonAch mim näher, so können wir sie sichtlich nicht zu denschlechten Producten zählen. Aber ebensowenig wirdunserm kritischen Auge Profil, Physiognomik, Haltung,Haar rc. des hl. Petrus darauf erscheinen. Wohl istder Kopf zu unserer Linken sicher ein Pauluskopf,allein ebensogewiß ist jener zur Rechten, nach dem vati-kanischen Vorbild, keinPetruskopf. Wir sehen nichtdas typische „kurze, gekräuselte Haar", nicht den „kurz-geschorenen und gekräuselten Bart", keine „rauhen undgewöhnlichen" Züge. Hier hilft nichts, um auf Petrus schließen zu lassen, wenn es sich um einen monu-mentalen Beweis handelt, den wir fordern müssen.Und mit „kirchengeschichtlichen" Conjectnren macht mandie klare Tradition der Kunst nicht anders. So wenigman die gestimmte altheidnische Kunst nach demlangweiligen Recept der Herren Kunstforscher immer nachRoms Pfeife tanzen zu lassen braucht, ebensowenig darfman besonnener Weise, der Autorität des römischenStuhles unbeschadet, das gesammte Urchri stenthum,dessen Einheit im Glauben und in der Liebe bestund, inseinem traditionellen Fühlen und Empfindenerst lange die „römische Schule" absolviren lassen. DemKünstler von Achmim , wenn er mit Leib und Seele fürdie einheimischen Christen schaffte, lag, der Ehrfurchtvor dem hl. Petrus wiederum unbeschadet, die Traditionvom hl. Marcus nun einmal näher als die vom Bischofder römischen Kirche! So erblicke ich denn in dem Kopfeneben dem in der Gesammtkirche hoch angesehenen Völker-apostel Paulus dessen und des Barnabas Freund,Schüler und Begleiter, den hl. Marcus, den Aposteldes ägyptischen Christenthums. Ueber den beiden Häupternleuchtet je ein Stern, die Mitte überragt ein Kreuz.Schöner und sinniger konnte der Künstler die evangelischeMissionsarbeit der beiden Apostel auf dem kleinen Raumnicht zum Ausdruck bringen!
Und nun nach diesem scheinbaren Umwege zuden von Forrer producirten Thonlampen, von Achmim und jener von Köln mit dem symbolischen Bild desOchsen. Es sind, wie die Abbildungen darthun, zweidurchaus verschiedene Darstellungen. Ob sie auch ver-schiedenen Sinn haben oder ob sie sich auch in ihrerBedeutung vereinigen lassen?
Die eine Lawpe zeigt uns nur den Kopf einesStieres, ohne jede weitere Zuthat. Wiewohl von„Kölner Provenienz", hat sie Forrer doch mit Rechtneben die folgende von Achmim gestellt, da ihreorientalische Herkunft nicht unmöglich, sie aber schon ansich beachtenswerth ist. Um so bedeutungsvoller ist diezweite Lampe. Sie zeigt einen springenden Ochsenmit darübergestellter Palme! Nun kennen wirdie Palme als Symbol des Martyriums; aber daS istnur eine ihrer mehrfachen Bedeutungen. Sie ist seitAlters das Zeichen des Sieges, im christlichen Sinnedas der Vollendung. Nach Ambrosius bedeutet sie„den Sieg in jenem Kriege, welchen Fleisch und Geistmit einander führen". Wie sollen wir nun unser Bilddeuten? Wenn der Stierkopf auf der „Kölner" Lampeeinen Evangelisten symbolisirt, so erst recht diese Ochsen-figur, die sich durch die Palme als christlich documentirt.Gewiß hat sie einen allgemeinen Sinn, etwa in derAnschauung des Cassiodorius; allein der Fundort ver-leiht ihr auch eine spezielle Deutung. Wir fassendemnach auf unserer Lampe die Figur des palmen -geschmückten Ochsen als ein Symbol des ägyptischenChristen, dessen Seele durch die Predigt des Evangeliumsaus dem Munde der Marcusschüler wie ein Ackerfeldgepflügt und besät worden ist, und die siegen soll durchdie Kraft, die im Glauben und im Worte Gottes liegt.
Weitere Darstellungen könnten, wenn sie nichtwirklich Neues bieten, diese Deutung nur bekräftigen.
(Fortsetzung folgt.)
Neise-Briefe aus dem Orient
von Dr. Seb. Euringer.
(Fortsetzung statt Schluß.)
Nun ging es an einem Beduinenfrkedhof vorbei.Jeder Friedhof hat einen Weli, d. i. ein Heiligengrab,das besonders ausgezeichnet ist. Wenn nämlich einMensch verrückt ist, den Verstand verliert, so wird er alsHeiliger angesehen; denn sagen sie, seine Seele ist bereitsim Paradies, und darum kann er nicht mehr vernünftigreden. Diese psychiatrisch-theologische Anschauung hat daSGute für sich, daß die unglücklichen Irrsinnigen vor jederNohheit und Inhumanität geschützt sind. Nach dem Todewird auf dem Friedhof über seinem Grabe aus unbe-hauenen Steinen ein Haus errichtet, damit man vonweitem schon dasselbe erkennt. Die Gräber der andernLeute siud sehr einfach; der Todte wird in das Grabgelegt, darüber der Sand geglättet, hie und da auch einkleiner Sandhügel errichtet und Kopf- und Fußende jedurch einen aufrecht stehenden spitzigen Stein bezeichnet.Eine solche Begräbnißstätte sieht aus, als ob Kinder mitSteinen gespielt hätten.
Wir betreten das bekannteste und berühmteste Thalder Halbinsel, das Thal der Inschriften, oder WadiMokattam. Es hat seinen Namen daher, daß die Sand-steinblöcke, welche am Fuße der Bergwände liegen, zahl-reiche Inschriften in semitischen Charakteren tragen. Zwarfinden sich auch in vielen andern Thälern ziemlich häufigderartige Inschriften, aber hier ist fast jeder freie Platzbeschrieben. Da die Buchstaben den hebräischen undphönizischen gleichen, so hat man lange Zeit sie fürZeugnisse der auswandernden Jsraeliten gehalten. DieseAnsicht ist durch die Entzifferung derselben hinfällig ge-worden, und im allgemeinen sind diese Inschriften sehr be-deutungslos. Es waren Nabatäer (Hauptstädte waren