Altmeister Glühe am 19. Oktober 1786 aus Bologna , „die Ge-stalt der hl. Cäcilia und noch mehr der hl. Agatha" (derenBilder der Dichter in Bologna sah) „wohl gemerkt und werdeihnen im Geiste meine Jphigenie vorlesen und meine HeldinNichts sagen lassen, was diese Heiligen nicht aussprechen möchten".Und die Jpbigenie wurde ein Muster-Drama von klassischerErhabenheit und Reinheit.
Auch unser laudSmänuischer Dichter Franz Bonn , dessenGedichte „Für Herz und HauS" eine so allgemein beifälligeAufnahme gefunden und bereits in zweiter Auflage erschienensind, hat seine Harfe wiederholt dem Lobpreis der bl. Cäciliagewidmet. Bereits vor ein paar Jahren ist im Habbel'schenVerlag erschienen: „Die heilige Cäcilia. Schauspielfür die Jugend. Musik von Mich. Halter." Die Kritik hatsich sehr lobend über dieses Werk der Bonu'schen Muse aus-gesprochen und u. A. daran gerühmt, daß „über dem Ganzenein solch gebeimnißvoller Zauberreiz liegt, der den Geist desHörers in die Sphären zwischen Himmel und Erde erhebt, unddas ist eben die frommkindlichc Auffassung und Begeisterung,die durchs Ganze weht und in menschlich-sündigen Figurenerst den unmalbaren Tugendglanz der guten Geister ins rechteLicht setzt." Der thatsächliche Erfolg der Aufführungen diesesSchauspieles mit der so ergreifend schönen Haller'schen Musikentsprach vollauf der lobenden Kritik. Wir wissen nicht, obvielleicht in diesem Erfolge für Dichter und Compositeur derImpuls, der Anlaß lag, sich nochinal und zu noch höheremSchwünge zur Verherrlichung der hl. Cäcilia zu erheben undein Kunstwerk zu schaffen —
„Bei dem es uns umschwebt wie Orgelton,
Gemischt mit dem Gesang von Himmelsstimmen."
Der Dichter gebraucht diese Worte in Bezug auf den „Namen "Cäcilia — aber wir dürfen sie auch auf das genannte Oratoriumanwenden, in dem uns „in Wort und Bild, begleitet von Ge-sängen" gezeigt werden soll, „wie ihr die Krone ward.- die drei-fach sie, die Äuscrwählte, schmückt, der Jungfrau'» Krone, desApostolats und des Martyriums". Und fürwahr, Dichter undKomponist haben die sich gesetzte Aufgabe meisterhaft durch-geführt, und nicht vergeblich hat der Dichter im Eingang dieheilige Heldin angerufen:
Q leihe du
Dem Worte Schwingen und dem Tone Kraft,
Daß deiner würdig wir dich feiern mögen —
Du Meisterin der Tonkunst — St. Cäcilia!
Wir tragen kein Bedenken, dieser Dichtung einen der erstenPlätze unter den Boun'schen Schöpfungen anzuweisen, sie zu demSchönsten und Besten zu rechnen, womit uns der gottbegnadigteedle Dichter schon erfreut hat. Hier hat er sich als Dichter nichtbloß „für HauS und Herz", sondern, wenn wir so sagen dürfen,für Welt und Kirche, Erde und Himmel, Zeit und Ewigkeit er-wiesen. Es sind so klang-, so inhaltsvolle Verse! Tiefe, ewigeWahrheiten, erhabene Gedanken, das Größte, was des ChristenHerz bewegt, was uns der Dichter in schönster Form vor dieSeele führt. Man könnte den Inhalt dieser Dichtung in diebekannten Worte Brentano'S kleiden:
O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!
Und wie klingt alles so jugendlich frisch und begeistert wieein FrühlingSsang, so daß man glauben möchte, der Dichterbesitze das Geheimniß, aus dem „Jungbrunnen" zu trinken!Dasselbe kann man auch von der Haller'schen Musik sagen,welche einem immer klaren und frischen Bergquell gleicht undan welche man, wie an die kirchlichen Compositionen des RegenS-burger Palcstrinajüngcrs, den sichersten Maßstab wahren Kunst-tvcrlhcs anlegen und sagen kann: Je öfter man sie hört, destomehr erfreut und erquickt man sich an ihr. Es ist uns schwer,uns zu entscheiden, welchem von den acht Tvnstücken, die sichunmittelbar an die Dcklaination anschließen („Wo der Dichterkeine Worte mehr findet, da soll der Musiker mit seinen Töneneintreten", sagt Grillparzer ) — „Chor der Geister — Braut-chor — Terzett — Solo und Duett — Kriegerchor — Engel-chor — Trauerchor — Schlußchor (Lobpreis und Anrufungder Heiligen) — wir den Preis der klassischen Schönheit zuer-kennen sollen. „Poesie und Musik sind zwei liebliche, ver-wandte Genien", sagt ein Kunstschriftsteller, und wenn beidein schöner Eintracht zusammenwirken, dann muß ein schönesWerk erstehen. Und wenn zu dem Wort und Ton auch nochdie lebenden Bilder sich gesellen in der entzückenden Farben-pracht und Gruppiruug, wie eS bei der ersten Aufführung desBonu-Haller'schen Werkes in NegenSburg geschehen ist, dannWird dasselbe überall die Zuhörer und Zuschauer in derselben
Weise befriedigen, erbauen, erheben und begeistern, wie eS inRegensburg geschah, und wird man überall dem NegcnSburgerMeisterpaar Dank wissen für diese schöne Gabe!
Recensionen rmd Notizen.
Spanien in Wort und Bild, Herausgegeben unter Mit-wirkung Sr. Kaiscrl. u. Kgl. Hoheit Erzherzog LudwigSalvator , Mons. Professor I. GrauS, DomcapitularKirchberger, R. Frhr. von Bibra, Mrs. Will Trclsall.Mit 157 Illustrationen und 1 Karte von Spanien .Würzburg , 1894. Quartausgabc. Verlag von Leo Wörl,k. u. k. Hosbuchhandlung. 607 S. Preis geb. 9 M.
8. Das außerordentliche Interesse, welches obgenannteSBuch, sowobl als reich illustrirtes Prachtwerk ersten RangcS,wie als hervorragende Schöpfung neuzeitlicher Länder- undVölkerbeschreibung, auch dein etwas verwöhnten Leser darbietet,ist begründet in der wahrhaft mustergiltigcn Darstellung undSchilderung eines Landes und Volkes, welches an sich schon alshöchst eigenartig und für sich einnehmend gilt, wie in demvollendeten Ensemble selbst, zu welchem die einzelnen, das Ganzeintegrirenden Theile deö Werkes wie zu einem organischenKunstgcsüge zusammentreten. Hat eS doch zum Gegenständejenes originelle Land, das schon in der Jugend uns cnthusias-mirtc, das, von Sang und Sage gefeiert, von Poesie undPhantasie verherrlicht, noch immer als das „unausgesungcneLand" gilt, immer uns neu und immer uns ferneliegcnd. Hates doch zum Gegenstände jenes ewig ernste, ritterliche und feier-liche Volk, von dem der Dichter sagt: „Stolz lieb ich denSpanier." Ja, stolz, wie seiner Bewohner chcvalereöker undccremvniöser Charakter, stolz, wie seine Geschichte und Romanze,ist das Vaterland jener Völkerstämme, deren verschiedene Wurzelnin die ehrwürdigsten Zeiten alter Tage hinabreichen. Stolz,wie seine Sitten und Gesetze, thürmen sich seine altersgrauenStädte, seine Burgen und Paläste, seine Kirchen, seine Rath-häuser, seine zahllosen Kunstbauten, seine Ruinen und Ueber-reste einer ersten und zweiten Cultur . Stolz ist das imposanteLand, wie das interessante Volk. Welch herrlichen Vorwurffür die Schilderung bildet solch eine Vorlage mit der ganzenMaicnblüthe ihrer Vergangenheit, die auf Schritt und Trittihre Spuren zurückgelassen hat! Wer möchte nicht Spezielleresvernehmen von solch einem Volke mit seinen Kämpfen und Er-rungenschaften, seinen Festen, seinen Gebräuchen, seinen Ge-wohnheiten, von jenen Regionen mit ihren bald schwermüthigernsten, bald sonnig heitern, bald grandiosen, bald idyllischenLandschaftSbildcrn, Bergen, Flüssen und Ebenen! Hier unfrucht-bar und unangebaut, dort ein endloses Fest der üppigsten Culturfeiernd, zeigen sich uns in Spanien Scenerien, welche so ganzverschieden sind von denen unserer Heimath. daß wir denreizenden Darstellungen und fesselnden Beschreibungen dieserneuen Glanzpublikation mit gespanntem Ohre um so lieberlauschen, als die Vorführung all deö Geschilderten in einerwunderbar schönen Sprache sich vollzieht, welche mit plastischerAnschaulichkeit die Worte zu meißeln versteht und, bei feinsterWiedergabe auch des Details und geschmackvollster Ausmalungdes Einzelnen, das Gesammtbild uns in reichen, satten Farbenvors überraschte Auge zaubert. Betrachten wir uns den edlenCirkel derjenigen, welche zu diesem gediegenen, formcnschönen,voll und ganz aus katholischem Standpunkte stehenden Werkemitgewirkt haben, so könnte dieser Kreis nicht besser gewähltsein und nicht glücklicher sich zusammengefunden haben: einmit allen Vorzügen des Geistes und Wissens ausgerüsteter,mit unerschöpflichen Neisemittelu ausgestatteter kaiserlicher Prinz,Erzherzog Ludwig Salvator , dessen angeborener Liebe zur Sache,feiner Beobachtungsgabe, hohem Ansehen und geübtem Augesich alles erschließt und aufthut, was Herz und Auge zu ent-zücken vermag. Ihm verdankt das Prunkwcrk neben andern:insbesondere die reizvollen Partien über die Balcarcn, sowieeinen ganz hervorragend großen und schönen Theil der Bilder,welche in einer Anzahl von 157 vorhanden sind, so daß aufjedes Blatt fast eine Illustration trifft, eine Thatsache, welcheden unvergleichlichen Schmuck des Werkes bildet, die in solcherkünstlerischen Vollendung und Schönheit ihres Gleichen suchen.Wir begegnen im Kranze der Mitarbeiter sodann einem Prä-laten, Mons. Pros. I, Graus, der als geistlicher Kunstkennererster Güte sich bereits einen klangvollen Namen erworben, diegeschilderten Länder selbst bereist, die von ihm gespendeten Bilder— kirchliche Kunstbauten — selbst an Ort und Stelle aufge-nommen und gezeichnet hat. Wir kennen ihn bereits rühmlichst
I aus seinem 1893 in L. Wörl's Neisebibliothek erschienenen Buche:
I „Eine Rundreise in Spanien ", als einen der tüchtigsten öfter-