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welche gewiß bald in vielen Pfarrbibliothekcn Aufnahme gefundenhaben wird. Es liegt über diesen Gegenstand keine anderePublikation vor, welche sich auch nur im entferntesten mit dervorliegenden an Vollständigkeit und solider Durcharbeitungmessen könnte. Wie ersichtlich, ist auch zur Frage der Auf-hebung der Stolgebühren, sowie zur Frage der Einführungeiner allgemeinen Stolgcbührcn-Ordnung Stellung genommen.
Wanderfahrten und Wallfahrten im Orient, vonDr. Paul Kcppler. Freiburg , Herder.
—e. Dein Werke sind 106 Abbildungen beigefügt, ein aus-führlicher Plan von der Kirche des hl. Grabes, eine Karte vonPalästina in seinem heutigen Zustand und ein Plan des jetzigenJerusalem . Der erste Theil handelt von den Wanderfahrtenim Pharaoncnland, wie sie der Verfasser vor zwei Jahrengemacht von Trieft über Alexandricn nach Kairo und Um-gebung, durch das Land Gosen an's Notbc Meer, durch denSuezkanal nach Portsaid. — Im zweiten Theil sind die Wall-fahrten im HI. Land geschildert: Durch die Ebene Saron unddas Gebirge von Judäa nach Jerusalem, von Jerusalem nachNabuluS, Dichennin, Nazareth, Labor, Liberias , über den Her-men nach Damaskus, durch den Libanon nach Baalbek undBeirut . — Rückreise über Gricchculaud und Konstantinopel.
Schon der Name dcS Autors bürgt dafür, daß wir in demBuche etwas ganz Gediegenes vor uns haben. Und in derThat, jedes Blatt liefert davon den Beweis. Wir rennen denOrient aus eigener Anschauung und haben schon viele Werkedarüber gelesen, aber daö von Kepplcr verdient wenigstens unterdenen von kleinerem Umfang die Palme. Es ist in des Wortesvollster Bedeutung ein wahres Prachtwerk. Keine Neiseschilder-ungeu von gewöhnlicher Sorte, alles ist hier originell, die ganzeDarstellung und Auffassung, von so vielseitigen und erhabenenGesichtspunkten auS geschrieben, wie es eben nur ein Gelehrtervon großem Geiste vermag. Und das Ganze ist wieder durch-weht vom Hauche eines kindlich frommen Gemüthes. So fesseltdas Buch, wie kaum ein anderes, Geist und Herz zugleich. —Die Bilder und Karten sind außerordentlich fein nnd natur-getreu. — Wir können somit das Werk allen, welche dieselbeReise schon gemacht haben oder noch machen wollen, allen, diesich überhaupt um den Orient interessieren, nicht genug empfehlen.Es bildet eine Zierde jeder privaten und öffentlichen Bibliothek,cö sollte namentlich in keiner Schule fehlen. — Der Preisbeträgt ungebunden 8 M.. scheinbar etwas viel, wer daö Buchaber liest, wird sagen müssen, eö ist goldeöwcrth.
Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicherVortrage. Achte Serie. Heft 191: „Die Zukunftdes Silbers" von I. Fränkel. — Heft 192: „DieNeligionS-Nnschauungen des Euripidcs" vonvr. plstl. Erich Bußler. Hamburg 1894. Vcrlagsanstaltnnd Druckerei A.-G.
Das kleine Werkchen Fränkels behandelt die Frage, wiebei der enormen Produktion und dem infolge dessen immermehr sinkenden Werthe dcS Silbers sich wohl dessen Zukunftgestalten werde. Nachdem sich die eigentlichen Culturstaatenvon der reinen Silbcrwährung abgewendet, fiel der Werth desSilbers allmählich um ^g, also fast um die Hälfte. DerAutor glaubt zwar nickt, daß in absehbarer Zukunft die Cultur-länder wieder auf das Silber als Währunzsmetall zurückkommenwerden, doch hofft er, da auch infolge des niedrigen Preis derBetrieb der minder ergiebigen Minen eingestellt werden müßte,daß das Silber eine gewisse Stellung als Gcbrauchsmetall fürden Cousum, als Währungömetall für Staaten, die noch nichtzur Goldwährung übergehen könnten, und überhaupt als Scheide-münze seinen Werth behalten werde. Die Abhandlung dient,auch wegen dcS darin verwertheten statistischen Materials, gut zurOrientiruug in der Silbcrfrage. — Die Schrift BußlerS solleine Ehrenrettung sein. Euripidcs, „den man gewöhnlich alsden Verkündcr einer stachen und trivialen Lebensweisheit hin-stellt, ist — als Mensch hetrachtct — bisher wenig zu seinemRecht gekommen". Und es sind deßhalb so ziemlich alle StellenauS des Dichters uns überlieferten Werken zusammengetragen,welche die religiöse Seite berühren. Es ist allerdings nicht be-wiesen, daß der Dichter seine eigene Anschauung damit aus-sprcchcn wollte, und daß die Ansicht, cS seien gerade die reli-giösen Aeußerungen nur ironisch gemeint, oder für den Cha-rakter der in den Dramen auftretenden Personen nöthig ge-wesen, unrichtig sei. Immerhin bietet der Vertrag eine Samm-
lung von religiösen Ansichten, die viel Interessantes enthält.Schade nur, daß die Stellung des EuripideS zu dem Leben derSeele nach dem Tode nicht berührt ist. ÜV. L.
vr. K. Krogh-Tonning, Die Gnadeulehre und diestille Reformation. Cbristiania. In Commissionbei Jakob Dybwad. 1894. Preis 2,80 Mk.
—I. Nicht gerade häufig sind heutzutage die Stimmen zuhören, die mahnen, der in immer breitere Schichten des Volkeseindringenden Gottlosigkeit gegenüber innerhalb der christlichenNcligionsgcnosscnschastcn treu zu hüten, was an lebendigemGlauben und frommer Sitte noch wirksam ist, und längst ver-altete Vorurtheile und Mißverständnisse aufzugeben. Um sodankcnswcrthcr ist daö durch den evangelischen DogmatikerKrogh-Tonning in vorliegender Studie festgestellte Ergebniß,daß die stille Macht der Zeit oder, sagen wir cö dankbar, dasleise Walten der göttlichen Gnade dazu gedient hat, einen derschwerwiegendsten dogmatischen Gegensätze zwischen der Refor-mation und der römischen Kirche, den bezüglich der Rccht-fcrtigungSlebre bestehenden, verschwinden zu machen. Den Nach-weis dafür halten wir bezüglich der von der katholischen Kircheund den namhaftesten protestantischen Theologen vertretenenLehrpunkte für erbracht; was allerdings die Massen darüberdenken, ist uns unbekannt. Ein bedeutsamer Schritt der An-näherung wäre damit gethan; gebe Gott , daß diese Erkenntnißsich mehr nnd mehr der Gemüther bemächtige, -nt omnss unumsind«. Wir empfehlen die mit vornehmer Ruhe und gründ-licher Sachkenntnis; geschriebene Broschüre mit gutem Gewissenden Theologen beider Bekenntnisse auf's wärmste; auch gebildeteLaien werden sie mit Nutzen lesen. (In Deutschland zu habenin der Buchhandlung Michael Seitz, Augsburg , Carmcliter-straße.) Dr. C.
Aus dem Hcrdcr'schcn Verlag:
Scheebcn, Dr. M. I. Die Herrlichkeiten der gött-lichen Gnade nach ?. Euseb. Nierembcrg 8. ck. freibearbeitet. Fünfte Auflage besorgt durch Pr. Alb. M.Weiß 0. Ist. XVI und 600 S. Preis 3 Mk., gcbd.3,60 Mk.
» Ein Psiugstgescheuk in des Wortes edelster Bedeutungkann dieses längstbckauute treffliche Buch Scheebcns genanntwerden; denn es handelt von dem höchsten und herrlichstenGeschenke des hl. Geistes, der Gnade, und zwar von dem Wesender Gnade, von der erhabenen, gehcimnißvollen Verbindungmit Gott, in welche uns die Gnade einführt, von den Wir-kungen und Früchten der Gnade nnd von der Erwerbung, An-wendung, Vermehrung und Erhaltung derselben. Das Werkvermag den Leser für den behandelten Gegenstand zu begeistern,und dies gelingt um so besser, als der Verfasser aufs gewissen-hafteste bestrebt ist, nur die alte katholische Lehre einzuprägen,wie sie gegründet ist auf die Worte der hl. Schrift, auf dieLehre der Vater und auf die AuSsprüche des kirchlichen Lehramtes.Das Buch ist auch für Laien geschrieben, welche „nicht so sehrdurch gelehrte Bildung als vielmehr durch ein christlich-gläubigesund von der Gnade erleuchtetes Gemüth für das Verständnißihrer überirdischen Herrlichkeit empfänglich sind"; besonders aberwerden Priester für sich heilsame Belehrung und vorzüglich fürihren Seelencifcr neue Kraft und Begeisterung schöpfen. DerText dieser neuen Auflage ist mit der größten Treue behandeltworden, nur einige unbedeutende Aenderungen wurden vorge-nommen, einzelne Citate richtig gestellt.
Von den Lebensbildern kathol. Heiliger von Re-de atis, Verlag von Beuziger u. Cie. in Einsiedcln, sindNr. 41—46 erschienen, behandelnd die Heiligen Robert, Hugo,Richard, Mathias, Genovcfa, Katharina. Diese allerliebstenSchristchcn, nach Inhalt und AuSstattung vortrefflich, seienhiemit abermals empfohlen. Preis per Schristchcn 10 Pf.
Die Echtheit und Glaubwürdigkeit der SchriftendcS Neuen Testamentes. Von Bischof Egger vonSt. Gallen. Verlag von Benziger, Einsiedcln. Preis1S Pfg.
Der Verfasser ist als Meister populärer Darstellungschwieriger Themata bekannt, als welcher er sich in seinem„populären Nachweis" oben genannter Eigenschaften der heiligenSchriften wieder bewährt. Das Schristchcn verdient weitesteVerbreitung im Volke behufs Aufklärung und Belehrung.