durch ihren Glanz das an sich schon so freundliche Gründer Königin unter den Bäumen. Mitten durch denGarten plätschert freundlich murmelnd ein Quellbächlein,dem es niemand ansehen würde, daß ihm all' diese Prachtzu verdanken ist. An beiden Seiten des Büchleins stehensanft gefiederte Tamariskensträucher; Vöglein singen inden Zweigen, Beduinen lagern in ihren Zelten oder insteinernen Häusern mit Veranda im Schatten der schönenBäume, der Boden ist mit Nasen bedeckt, und als Hinter-grund dienen die steilen grauen Granitfelswände, welchedas Thal einschließen. Wenn ich das Paradies zumalen hätte, würde ich die Oase Firan Zur Grundlagenehmen.
Jede dieser Dattelpalmen hat einen Besitzer; dieDatteln von Firan sind berühmt. Einst war diese Oaseberühmt unter dem Namen Pharan und hatte selbst eineneigenen Bischof; aber der Islam hat alles weggefegt, undvon den vielen Klöstern und Eremitenzellen am Serbalund Sinai und den umliegenden Thälern ist nur dasSinaikloster geblieben. Ich kann mich nicht genug sattsehen an dem üppigen Grün, den edlen Formen derPalmen, nicht genug den Vöglein und dem Büchlein zu-hören ; denn nach langer Wüstenfahrt ist all dieses doppeltschön, doppelt erwünscht.
Noch haben wir das Ende der Oase nicht erreicht,da zeigt mir Schech Schema einen hohen Berg, welchendie Araber Gebe! Munäga, d. i. Berg des Zwiegesprächeszwischen Gott und Moses , nennen. Alle Jahre im Sep-tember, wenn die Dattelernte vollendet ist, versammelnsich in diesem Thale alle Beduinen der Halbinsel, derSchech Musa, das Oberhaupt des ganzen Bedninen-stammes, steigt auf den Berg und schlachtet in einemSteinkreise ein Kamel, das Fleisch essen die Armen, dasBlut wird ausgegasten und zwar zu Ehren Moses '.Die Araber singen dabei: „O Berg des Zwiegesprächesdes Moses! Wir bitten dich um deine Gunst. Bewahredein gutes Volk, und wir wollen dich alle Jahre besuchen."Daran schließt sich im Thale eine weltliche Belustigung,Phantasia genannt, wobei die Reiter ihre Künste zeigen.Es sind noch zwei oder drei Feste im Jahre, wo dieBeduinen noch auf einigen andern Bergen Opfer dar-bringen. Das ist aber auch ihr einziger Gottesdienst.
Das Thal schließt mit einem Kessel ab, aus demein kleiner, schmaler Engpaß, Bauweb d. i. Pförtchengenannt, in das nächste Thal führt. Dieser Engpaßsieht genau so aus, als ob ihn Menschenhände gefertigthätten, und doch ist es Werk der Natur; die Berge mitbeiden Seiten treten je 1 — 1 Vz Meter zurück, und eskommt einem vor, als müsse sich dieses Pförtchen hintereinem wieder schließen.
Vorn Bauweb führen zwei Wege nach dem Sinai,der eine, bequemere durch das Wadi esch-Schöch in 11Stunden, welches Wadi man für die Wüste Sinai halten und als Marschroute der Jsraeliten annehmen kann,da es unmittelbar vor dem Fuße des Sinai endet; derandere, welcher über einen höchst beschwerlichen, aberinteressanten Paß führt, erreicht in lOstx Stunden dasKloster. Da letzterer landschaftlich schöner ist, so wählteich denselben. Was diesen Weg vor allem auszeichnet,das ist die Aussicht auf den majestätischen, fünfzackigenSerbal, der sich hier in seiner ganzen Breite den Blickendarbietet. Man will ihn für den Sinai nehmen, wasich aber nicht unterschreiben möchte. Aber auch, wennman ihn nicht für den Berg des Gesetzes hält, ist er inseiner würdevollen Majestät ein imposanter Anblick. Mein
Lager wurde so aufgeschlagen, daß ich den Berg mitseiner fünfzackigen Krone möglichst lange betrachtenkonnte.
Am letzten Tage mußte unser Gepäck einen langenUmweg machen, während wir in 5 Stunden über densteilen el Hauwi-Paß die Ebene Nliha erreichten.Erst in den letzten Stunden tritt der imposanteGottesthron, der Sinai, vor das erstaunte Auge, undzum erstenmale schaut mau mit Ehrfurcht den Berg, dernach dem Calvarienberg der erhabenste Berg der Weltist. Hier treffen alle Religionen, welche an einen Gottglauben, zusammen, Juden, Christen und Muhammedanerverehren in ihm eine hl. Stätte.
Nach einiger Zeit tritt auch der Berg der heiligenKatharina hervor; aber immer wieder kehrt der Blickzum Gottesberg zurück. Noch ein kurzer Ritt und wirhaben den Klostergarten erreicht, der seinen vollen Schmuckangelegt hatte: Mandeln und Aprikosen stehen in vollerBlüthe, Citronen leuchten unter den grünen Blätternhervor, die Oelbäume zeigen ihren Blätterschmuck, nurdie Feigen haben noch keine Triebe; dieses alles in einerHöhe von 1528 wr über dem Meere. Nur eines stört:die langweiligen zahlreichen Cypressen, diese Pickelhaubenunter den Bäumen.
Endlich Mittags 12 Uhr stehen wir vor dem festungs-artigen Kloster. Ursprünglich eine Festung, hat es diesenCharakter nach außen bewahrt, und da mit den Festungs -manern die Peripherie gegeben war, so ist das Innerezu einem gewaltigen Winkelwerk geworden. Denn dasKloster ist kein einheitliches Gebäude, sondern ein Com-plex von Häusern und Hütten. Das Kloster gehört denschismatischen Griechen, gegenwärtig sind 22 Mönche da.Nachdem wir in den Hof eingelassen waren, geben wirunsre Empfehlungsschreiben ab; der Oekonom nahm unsfreundlich auf und erlaubte uns die Zelte im Hofe auf-zuschlagen. Ein junger Mönch, der französisch sprach,zeigte mir Kloster, Kirche und Bibliothek. Doch davondas nächstemal.
Recensionen und Notizen.
Dr. L. B enari o: Die Stolgebühren nach bayerischemStaatskirchcn recht. (Preisgekrönt von der Ju-ristensakultät Würzbnrg.) C. H. Bcck'schcr Verlag inMünchen . (Preis kart. 2 M. 50 Psg.)
* Eine gründliche Darstellung der gesammten Rechtsver-hältnisse, die für die Stolgebühren in Betracht kommen, aufwelche die Geistlichkeit nachdrücklich hingewiesen zu werden ver-dienn Folgende Kapitel deuten den Faden an, welchen derVerfasser bei seiner wissenschaftlich und praktisch gleich bedeut-samen Untersuchung verfolgte: Kap. I. Begriff und Name derStolgebühren; Kap. II. Der Umkreis der geistlichen Amtshand-lungen. aus deren Anlaß Stolgebühren entrichtet werden; Kap. III.Das Recht auf Stolgebühren; Kap. IV. Die Competenz zurBestimmung der Höhe der Stolgebühren; Kap. V. Der Umkreisder Bezugsberechtigten; Kap. VI. Die Verpflichtung zur Zahlungder Stolgebühren; Kap. VII. Die Organisation des Rechtsschutzes;Kap. VIII. Die Frage der Aufhebung der Stolgebühren bczw.der Einführung einer allgemeinen Stolgebührcu-Ordnung. Alswillkommene Beilage sind in einem Anhang beigegeben: 1)LandtSund Policey Ordnung der Fürstenthumbcn Obern undNidcrnBayern von 1616, 3. Buch; 2) Kirchenordnnug für das Hoch-stift und Bistum Wirzburg vom 36. Juli 1693; 3) Stolgebühren-Orduung für die katholischen Stadtpfarreien München l. d. Jsarvom 5. Mai 1876; 4) Verzeichnis der in der katholischen Stadt-pfarrei Dillingcn bei Taufen, Hochzeiten, Leichenbegängnissen,Gottesdiensten rc. zu entrichtenden Gebühren u. Taxen; 5) Preu-ßisches Kircheugesetz vom 23. Juli 1392 betreffend die Aufhebungder Stolgebühren für Taufen, Trauungen und kirchliche Auf-gebote; 6) Preußisches Staatsgesetz dazu vom 3. September 1892.Wir denken, diese Mittheilung werde genügen, um den Leser aufden interessanten Inhalt dieser Schrift aufmerksam zu machen,