Ausgabe 
(31.5.1894) 22
 
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symbolischer Bedeutung, verhältuißmnßig selten zu be-obachten ist. Ob hieran lokale Momente wir be-finden uns in einem Lande, wo Esel, Maulthier undKamel vielfach das Pferd vertreten! die Schuld tragen,wollen wir nicht entscheiden. Um so häufiger erscheint,sicherlich in Abhängigkeit von italisch-ravennatischen oderasiatischen Einflüssen, das Pferd in figuralen Scenen,wie in Darstellungen des heiligen Georg, in Gazellen-und Löwenjagdsccuen, in Bildern des Hercules, vondenen ich selbst Beispiele besessen habe und u. a. HerrForrer noch besitzt.

Ein Claims mit aufgestickter Pferdfigur, dem IV.Jahrhundert ««gehörig, befand sich ehemals in meinemBesitze. Da jegliches weiteres Anzeichen dabei fehlte,möchte ich nicht eine symbolische Bedeutung für durchausgewiß erachten. Daß dem Pferd aber auch in Achmim ein symbolischer Charakter überhaupt zukomme,dafür ist Beweis eine Fibula der SammlungForrer in Form eines Pferdes, die wir allerdingsmindestens in das Ende des IV. oder V. Jahrhundertsdatiren müssen, die aber als ein Glied in der Kettezahlreicher thierischer Symbole von ähnlicher Form undVerwendung erscheint.

Die Schlange.

Die Symbolik der Schlange ist christlich ge-dacht so alt, wie die Urgeschichte vom Paradies unddem ersten Sündenfalle. Aus der Schlange sprach derSatan, derVerführer von Anbeginn", und ihr galtder göttliche Fluch, laut dessen ihr vom Weibe (Maria)der Kopf zertreten würde. Und dann wieder war dieSchlange ein Sinnbild der göttlichen Gnade geworden,da Moses ihr ehernes Bild vor dem Volke errichtete.Endlich hat Christus, die böse Symbolik nicht auf-hebend, auch ein gutes Moment in sie gelegt, indem erSchlangenklugheit als Accidens zur Taubeneinfaltseinen Hörern empfohlen hat.

In das Christenthum übertragen, hat die Schlangeihren symbolischen Doppelcharakter bewahrt. Sie ist auchhier das Bild des Verführers, das Vorbild des Erlösers.Jnsoferne sie aber den ersteren darstellt, vergegenwärtigtsie daS Böse überhaupt, eine Allgemeinheit desBegriffs, die sich dann wieder in alle möglichen Einzel-begriffe zergliedern läßt. Nur so ist es zu verstehen,wenn wir in ihr das dem Christenthum feindlicheHeide nthum personifizirt sehen. Und zwar ist letzteresals solches, nicht etwa alsUnglauben im Allgemeinen"gedacht: wenigstens auf sehr vielen Darstellungen vonAchmim -Panopolis.

Auf dem Boden von Achmim müssen wir allerdingsder Schätzung gedenken, in der die Schlange (dieägyptischeBrillenschlange") bei den alten Bewohnern des Nillandesgestanden hat. Auch davon künden uns monumentaleUrkunden. So besaß ich aus entschieden vorchristlicher,d. h. römischer Periode einen prächtigen, leider etwasdcfecten Claims mit dem sein ausgeführten Bild einervielgewundenen, schön gefleckten Schlange. Das werth-volle Stück Habs ich im Münchener Alterthumsvercin,wo es auch einen begeisterten Liebhaber fand, mit andernStoffen von Achmim durch den damaligen Ncchtsprakti-kanten Karl Hollfelder besprechen lassen.

Insonderheit ist es aber die Idee des SiegesChristi oder des Christenthums über das Heidenthum,die in Achmim zu bildlichem Ausdruck gekommen ist.Hiebei muß zuerst die Rede sein von dem Verhältniß

von Schlange und Drache. Ich idcutificire Beide alsgleichwerthige Begriffe, gestützt auf die offenbare An-schauung der alten Allegorie. Wer sich in der Welt-poesie und Weltsage einigermaßen auskeimt, weiß, wiedie alte Welt den Drachen bald eine Schlange, bald dieSchlange einen Drachen nennt. Aus der christlichenAnschauungsweise erhellt das Gleiche: dieBibel derAllegorie", nämlich die Apokalypse kann uns dies ambesten zeigen. Hiezu treten unsere Monumentalbeweise.Wie sehr der alte Künstler bei seiner allegorischen Con-ception die Umgebung auf sich einwirken ließ, sehenwir an der Thatsache, daß wiederholt die Schlaugen-siguren von Achmim einekrokodil ähnliche" Gestaltausweisen. Der heilige Georg ist der Schlangensicgerder Legende, der Drachentödter des Orients: ihn geradeerblicken wir sicherlich in der oben skizzirten höherenSymbolik als Feind und Verruchter der krokodil-ähnlichen Schlange. Für die Allegorie des Sieges überdas Heidenthum ist diese Halbmetamorphose nicht un-wesentlich: das heidnische Aegypten erblickte ja auch imKrokodil eine Weihe des Götterglaubens.

(Schluß folgt.)

Reise-Briefe aus dem Orient

von Dr. Seb. Enring.er.

(Schluß.)

Gegen 4 Uhr langen wir bei Palmengärten an,ein wohlthuender Airblick nach soviel Staub und Sandund kahlen Höhen. Es ist ein kleiner Fleck Erde, clHcswe, wo der Qnellbach der eine halbe Stunde ent-fernten Oase Firan plötzlich im Sande verschwindet.Dieses hübsche Plätzchen liegt bald hinter uns, und wirhaben wieder eine Zeit laug die Wüstenvegetation, nuretwas üppiger, vor uns.

Ein großer Hügel, ein Fclsblock von 30 m Höhe,liegt quer im Thal, an seinem Fuße fließt ein Büchlein,und hinter dem Hügel, Mehnrrct heißt er, harrt dasZelt unser. Der Lagerplatz ist einer der schönst ge-legenen Punkte der Halbinsel. Vor der Thüre meinesZeltes konnte ich den Anblick der Oase Firan, des altenRaphidim, genießen, rechts schaute der majestätische Serbal,den manche (mit Unrecht, glaube ich) für den Sinaihalten, auf das Thal herab. Die rings das Thal ein-schließenden Berge tragen Ruinen alter Kirchen, Kapellen,Forts aus den Jahrhunderten vor dem Eindringen desIslam. Hier hat einst Israel gelagert, von dem Felsendes Serbal hat Moses das Wasser mit seinem Stäbegeschlagen, hier hat Moses seinen Schwiegervater Jcthroempfangen; auf dem Hügel Meharret hat Moses, vonAaron und Hur unterstützt, während der Amalekiter-schlacht gebetet. Es ist wohl keine Stelle außer demSinai so beglaubigt, wie die Lage von Naphidim. Ichstieg auf den 30 in hohen, von allen Seiten freienHügel, auf dessen erster Terrasse die Ruinen einer christ-lichen Kirche liegen. Ein Kapitäl mit vier Kreuzen liegtam Boden. Die Spitze des Hügels krönt ein verfallenesschon vielleicht mehr als ein Jahrtausend verlassenes,Kloster, dessen Lehmwände auf Steinmauern ruhten.Am nächsten Morgen durchwanderten wir die lieblicheOase Firan. Denkt euch einen Palmengarten mehr alseine Stunde lang; herrliche Palmbänme wechseln mitPalmgebüsch, das ohne Stämme seine mehrere Meterlangen Blätter dircct aus der Wurzel hervorbringt. DieSonne am tiefblauen wolkenlosen Himmel verschönert