Ausgabe 
(31.5.1894) 22
 
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man dem einzelnen tüchtigen Künstler direkten Auftragertheilt. Denn nur so hat er Gelegenheit, sich recht zuentwickeln und den Beweis seiner Kunst, als beste Em-pfehlung seiner Tüchtigkeit, zu geben. Die Gesellschafterstrebt nun in der That dieses laut ihren Satzungenihr vorschwebende Ziel, aus ihren Mitteln solche Kunst-werke für Kirchen, Schulen oder sonstige öffentliche Zweckevon Mitgliedern anzukaufen, bezw. zu bestellen, oder derenHerstellung zu fördern.

Vorläufig aber steht ihr, als einer noch ganz jungen,im ersten Entwicklungsstadium begriffenen Vereinigung,nur das eine, wohl nicht zu unterschätzende Mittel zurVerfügung, die christlichen Künstler, die jüngern auf-strebenden wie die ältern bereits bewährten, in weiter«Kreisen durch Photographische Vervielfältigung und Ver-breitung ihrer Werke mittels der Jahresmappe bekanntzu machen. Diese Werke aus dem Gebiete der Archi-tektur, Malerei, Bildhauerei und der Kleinkünste könnennatürlich sowohl bereits in Folge von Bestellung aus-geführte und vollendete Kunstschöpfungcn als auch speciellfür die Mappe bestimmte Zeichnungen und Entwürfesein.*) Möchte daher die Mappe, um dem gedachten Zweckeimmer vollkommener und ausgiebiger zu dienen, einenimmer reichern und werthvollern Inhalt an Bildern undZeichnungen bieten können! Möchte, um dies zu er-möglichen, die Zunahme der Gesellschaftsmitglieder, wiebisher, von Tag zu Tag fortschreiten.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber die frühchristlichen Thiersymbole vonAchmim-Panopolis in Oberiigypten und inden Katakomben.

Studie von vr. G ustav A. Mül ler, Museumsbcvollm. undHerausgeber derAutiguitätcu-Zeitschrift" in Strahlung i. E.

(Fortsetzung.)

Der Pfau.

Wie man für die Figuren des Hahns und desHirsches Äquivalente in der heidnisch-klassischen Kuustund Ideenwelt findet, so ist auch der Pfau ein Gemein-gut der christlichen wie der pagancn Kunst: sein christ-licher Charakter liegt eben in der Deutung, die man ihmbeigab. Bei den Heiden war der Pfau Symbol derApotheose. Daß sein Fleisch für unverweslich galt, warbestimmend für seinechristliche Conversion", für seineAufnahme durch die altchristliche Kunst: hier ward erein Sinnbild der Auferstehung von der Verwesungdes Fleisches und theilte sich demnach in die SymbolikMit Baum und Adler, Phönix und Ei.

Zu den aus den Katakomben bekannten Dar-stellungen treten nunmehr die gleichartigen Funde vonAchmim . Wie sonst vielfach, so- sehen wir auch in diesemFalle auf den koptischen Gewändern eine schärfere,kräftigere Bildlichkeit der Gedanken, als wir diesim Occident meist gewöhnt sind. Trefflich illustrirt dieseBeobachtung ein im Original 20 am langes Clavusstückvon Achmim . .Freilich sagt uns die färben- und claven-reiche Gewandung der nimbirten Christusgestalt, daß wireine Darstellung mindestens des IV. Jahrhunderts voruns haben. Nichtsdestoweniger ist die Symbolik desBildes eine altübliche und vielsagende. Die Gestalt mitdem Kreisnimbus ist Christus, der die Rechte an»

*) Eine neue Jahresnuippc mit hervorragenden Werken istbereits in Vorbereitung und wird biö Juli d. I. erscheinen.

scheinend vorwärts, die Linke aber aufwärts erhebt zueinem über seinem Haupte befindlichen und, wie manannehmen möchte, von einem Blumenhorn nippendenPfau. Deutlicher, wie hier, kann die innige Beziehungdes Pfaus zur Auferstehung von der Symbolik nicht er-reicht werden. Das Bild spricht direct die Verheißungdes Herrn aus:Ich bin die Auferstehung und dasLeben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auchstirbt. Ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage".

In formaler Hinsicht beachtenswert ist der Um-stand, daß der Pfau auf den Stoffen von Achmim stattdesRades" einen langgestreckten Schweif trägt. Istdies vielleicht auf dem vorigen Bilde weniger deutlichgemacht, so zeigt es umsomehr eine Thonlampe. Hierist der Schweif ziemlich weit ausgestreckt. Ich halte dieFrage für discutirbar, ob wir die zwcigartige Linien-schattirung auf demselben nicht für eine Palme zuhalten haben, eine Verbindung, die in dem mitdem Monogramm Christi geschmückten Hirsch-geweih ein Pendant und gleichzeitig ein Docu-ment für ihre Möglichkeit besitzt. Ferner glaubeich, meinem verdienten Freunde Forrer allzugroße Vor-sicht zum Tadel anrechnen zu sollen, wenn er geradediese Lampe alsjedenfalls wesentlich jünger" wiedas IV. Jahrhundert bezeichnet. Warum diesjeden-falls" und auch noch dieswesentlich"? Weil der Pfauin jener Auffassung wie in den Stoffen wieder-kehrt" ? Aber wir haben gar keine Veranlassung, z. B.den oben erwähnten Stoff mit Christus und dem Pfauwesentlich jünger als in das IV.V. Jahrhundert zudatiren. Der Nimbus des Erlösers hindert uns durch-aus nicht, den Stoff in die zweite Hälfte des IV.oder in das V. Jahrhundert zu setzen. Auf Goldgläserndes III. und der ersten Hälfte des IV. Jahrhunderts istder Nimbus allerdings selten, öfter erscheint er aufMosaiken seit dem IV. Jahrhundert. Forrerselbst datirt seine hochinteressante FigurChristus Georgals Drachentödter" in das IV. Jahrhundert, und manwird ihm unbedenklich beistimmen. Abgesehen vom Nim-bus, ist aber Christus auf unserer Darstellung mit demPfau wesentlich gleich aufgefaßt wie auf dem ge-nannten Stoffe, ja Haltung und Bewegung, oder sagenwir Linienführung, sind dieselben. Ganz gewiß ist jedochdie Lampe mit Pfau und Palmzweig nichtjünger als unser erstes Bild: die Symbolik mit ihrerschlichten Einfachheit schließt ein späteres Alterals das IV. Jahrhundert zwar nicht alsunmöglich"aus, aber sie macht dasselbe in hohem Grade aus innerenGründen unwahrscheinlich.

Das Pferd.

Die Eigenschaft der Schnelligkeit hat das Pferdmit dem Hasen gemein, und dies ist ein symbolischerGrund, weßhalb wir es zuweilen neben dem Hasendargestellt finden. Aber die Schnelligkeit ist nicht dereinzige Grund. Das Pferd nahmen die christlichenKünstler nicht in FolgeVergleichs" mit dem Hasen,sondern aus der geläufigen Vorstellung des Wettlaufs.Bald stehen auf altchristlichen Monumenten die Pferde,bald sehen wir sie im Laufe; hier sind sie mit einerPalme geschmückt, dort nicht; ja etliche Mal ist dasZiel angedeutet, das sie erreichen sollen.

Die christlichen Gräber von Achmim haben auchfür dieses Kapitel der Symbolik Beiträge geliefert. Dochmuß gesagt werden, daß auf Gewandstücken und sonstigenGegenständen das Pferd für sich allein, also in direct