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verwendet würden. Hieher gehört in erster Neihe diemonumentale Ausschmückung der Tempel des Aller-höchsten, der Kirchen- und Cultusbauten, die schon beiden Griechen und Römern durch vornehmere und reichereKunstformen vor den Privatgebäuden ausgezeichnet seinmußten. Nach den Kirchen beanspruchen wohl die denhöhern und allgemeinen Staatszwecken dienenden, derPflege der öffentlichen Wohlfahrt geweihten Bauwerkeeinen zum Wolke redenden nationalen und christlichen,nicht aber unpopulären altheidnischen Vildschmuck. FürAusstellungen und Gallerten „moderner Meister" dasGeld des Volkes auszugeben, halten wir mit Andern fürganz und gar unberechtigt. Denn das so ausgegebeneGeld dient doch im Grunde nur der Begünstigung einereinzelnen Stadt, fast ausschließlich der Hauptstadt, ein-zelner weniger Persönlichkeiten und eines gewissen mo-dernen Kunstwortes, welcher der wahren und echten Volks-kunst, nämlich jener, die ihren Grund und Boden, unddamit ihre Berechtigung für die Oeffentlichkeit, in derSeele des Volkes selbst, in der breiten Basis der Ge-sammtnation hat, nur schädlich, ja verderblich sein kann.Diese Kunstsportgeschichten sind rein lokaler und persön-licher Natur und gehen die Nation als solche nichts an.Das Volk steht ihnen kalt und zum Theil geärgert gegen-über. Sie dienen nur zur Verfluchung und Entnatiouali-sirung der Kunst, welche immer mehr auf das Niveaneines künstlich gemischten Treibhausgewächses ohne natur-wiichsige Lebendigkeit und Ursprünglichkcit herabsinkt.Würden daher unsre Landboten von nun ab die fürjede Bndgctperiode für Knnstzwccke zu bewilligende Summe— etwa 150,000 Mark — einzig und allein zurFörderung der idealen, monumentalen deutschen Kunstauf dem Gebiete der Malerei und Bildhauerei be-willigen, und zwar mit der ausgesprochenen Bestimmunggerechter und sachdienlicher Verwendung — nicht umeinige Wenige zu bereichern, sondern vielmehr streb-samen und tüchtigen Kräften Gelegenheit zum Schaffenund zur Entwicklung ihrer Kräfte zu geben — gewiß,sie würden sich ein großes Verdienst um die Kunst unddie Künstler, sowie nm's bayerische Volk, und den Dankaller Billigdenkenden erwerben.
Zu den bereits erwähnten Hindernissen des Empor-kommens und der Ausbreitung talentvoller, zu christlich-idealer Anschauung hinneigender Künstler in Bayern kamnoch, daß in den letzten Jahrzehnten die nach Geist undAuffassung allein berechtigte Kunstform religiöser undidealer Vorwürfe vor dem Areopag der herrschendenKunstrichtung in München geradezu verfehmt war. DenLeuten dieser Richtung gilt ja heute noch das wirklichobjective, wenn auch mit idealem Sinne aufgefaßte undin idealisirender Form dargestellte „Historienbild" alsetwas Ueberlebtes, für unsere fortgeschrittene und nuneinmal auch fortspringende Zeit nicht mehr Berechtigtesund Abgethanes, bereits der Geschichte selbst Anheim-gefallenes. — Daß aber junge, aufstrebende Talente aufdem für sie als Künstler grundlegend fein sollendenBoden ihrer akademischen Bildungsstätte eine begeisterndeAnregung empfingen, das Feld idealer christlicher Kunst-bestrebungen zu betreten, das beförderte am wenigstengerade jener bis vor Kurzem den angehenden Kunstjüngerndie ästhetischen Grundsätze dockende sogen. „Wonne .."durch seine sarkastischen Verunglimpfungen der die ganzechristliche Kunst erst begründenden heiligsten historischenPersonen des Christenthums.
Es muß daher als eine höchst erfreuliche mannhafte
That anerkannt werden, daß vor etwa neun Jahren einjunger, strebsamer Akademiker einen Kreis gleichgesinnterKollegen um sich zu sammeln begann und zur Bildungjenes, den Lesern dieses Blattes bekannten, akademischen„Albrecht-Dürer-VereinS" zu gegenseitiger Förderung inder Pflege christlich-idealer Kunstbestrcbungen zu begeisternwußte. Dieser Verein eyistirt auch heute noch und ver-dient gewiß die aufrichtige Sympathie aller wahren Kunst-freunde im geistlichen wie im Laienstandei Entwickeltesich doch aus ihm, als dem grundlegenden Keime, undzwar wieder vorzüglich durch die Initiative und die Be-mühungen des Gründers jenes Vereines, des BildhauersHerru Georg Busch in München , die in diesem Blatteschon mehrfach genannte „Deutsche Gesellschaft für christ-liche Kunst ", welche sich in ihrem ersten Beginne, wennauch als „prmillns Arox«, aus jenen der Akademie be-reits entwachsenen, inactiv gewordenen Mitgliedern desAlbrecht-Dürer-Vereins und einigen mit ihnen schon inVerbindung stehenden Kunstfreunden zusammensetzte. AuSdieser kleinen, für die christliche Kunst begeisterten Schaarist nun bereits nach dem kurzen Zeitraum von l^ Jahrim stetigen Fortschreiten eine nach Verhältniß stattlicheGesellschaft von 600 Mitgliedern — unter ihnen 15 Bi-schöfe nebst einer Reihe hervorragender Künstler — ge-worden.
Wir unterlassen es hier, die Gesellschaft für christ-liche Kunst und ihre Bestrebungen den Lesern der Post-zeitung auf's Neue zu empfehlen. Letztere, die Bestreb-ungen der Gesellschaft, empfehlen sich, sollte man meinen,von selbst. Denn sie gehören doch gewiß mit zu jenen,deren unsere materialistische Zeit so sehr benöthigt ist,zu denen von „positivster" Art. Sie sind also ansich schon keine schlechte Empfehlung für die Gesellschaftselbst. Diese hat die Bedeutung eines sehr ernst gemeintenVersuches — vielleicht für lange Zeit und weiten Raumletzten Versuches — die christliche Kunst aus ihrer Ver-sunkenheit und Versumpftheit wieder auf eine gewisserespektvolle Höhe zu bringen und ihr den gebührendenRaum und damit den gewünschten Einfluß auf das Volkzurückzuerobern.
Doch den besten Grund zu erfolgreicher Empfehlungder genannten Vereinigung wird immer der thatsächlicheBeweis abgeben, daß dieselbe neben begeisterten und ver-ständnißvollen Kunstfreunden auch solche leistungsfähigeKräfte i« sich schließt, die den Ansprüchen, die man anein christliches Kunstwerk der Gegenwart stellen muß,voll und ganz gewachsen sind. Die Gesellschaft könntefreilich mit einer Neihe von bekannten und bereits be-rühmten Namen aufwarten, die an sich schon eins Bürg-schaft für das Vorhandensein solcher Kräfte wären, indemihre Gesammtleistungen vollgiltig ihre künstlerische Qua-lität und manches Einzelwerk ihre Fähigkeit speciell fürdas religiös-kirchliche Kunstwerk bezeugen. Daß solcheweltbekannte Künstler schon seit länger als einem halbenJahrhundert nicht öfter in der Lage waren, ein hervor-ragendes christliches Kunstwerk zu schaffen, daran sindsie selbst doch am allerwenigsten schuld.
Es kommt nun jener Gesellschaft vor allem auch daraufan, alles, was an frischen aufstrebenden Kräften tauglichund gewillt, die christlich-idealen Knnsttraditionen für dieNachwelt zu retten und weiterzuführen, heranzuziehen,zu sammeln und theilnahmsvoll mit Rath und That inihren Bestrebungen zu fördern.
Die beste und wirksamste Unterstützung der Künstler— und der Kunst — wird freilich immer diese sein, daß