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Monaten die gastlichste Unterkunft. Die Worte, welcheein Geschichtsschrciber auf den Vater des Erzbischofs an-wendet, sind auch auf den Sohn anzuwenden: „nomocü sinAula-r dontä s latteruturu". Ju der heiligenStadt betrat Orlando wohl das interessanteste damaligemusikalische Terrain der Welt, wir brauchen nur an denNamen Palestrina zu erneuern. Sein einflußreicherGönner empfahl den jetzt zwanzigjährigen jungen Künstlerals Kapellmeister in die Kirche S. Giovanni in Laterans ,deren amtliche Bücher ihn auch als „Naastro cii xuttüin Imiora.no g. Hown 1541" verzeichnen. Es wirdvon Einigen bestrittcu, daß er Kapellmeister in Laterans war, wenn er es so jugendlich geworden, hatte er es sicherfeinem obcngcnanuteil Protektor zu verdanken, da es inNom ältere tüchtige Meister in großer Anzahl gab.Während seines Aufenthaltes in Nom ließ er im Jahre1545 das erste Buch vierstimmiger Messen und das ersteBuch Motetten zu fünf Stimmen in Venedig drucken.Bald kam ihm die Nachricht zu, seine Eltern seien sehrschwer erkrankt, und Kinderliebe allem andern vorziehend,eilte er sofort in die Heimath, ohne indessen seine Elternnoch unter den Lebenden zu finden. Da er in seinerVaterstadt nichts mehr zu suchen hatte, so folgte er mitFreuden der Einladung des Edelmanns Julius Cäsar Beaucaccio, und reiste mit diesem durch England undFrankreich . Ueber diese Neise ist in den Quellen nichtszu finden; nach Beendigung derselben ließ er sich inAntwerpen nieder. Antwerpen war damals schon einesehr große und auch eine sehr reiche Stadt. Wo aberReichthum herrscht, gedeiht auch die Kunst, und dieseblühte damals auch in großartiger Weise in Antwerpen ,in erster Linie die Musik. Orlando berichtet Quickelberg:yHntavarpino inansit ctuos uniios, intar viros ornu-iissiinos, äoLlissinios st irodiliLsiaios, guos uncli^noin Uusieig excütavil, o, guidus etiuirr snwnuo nän-rnntus voneratusguo tnit." Bereits seit dem drei-zehnten Jahrhundert hatte in Antwerpen eine namhafteChorschule, „rnaatmLö importanto", bestände», und dieKantorei bestand aus einer großen Anzahl der bestenSänger. Von den berühmten Männern, mit denen unserMeister hier verkehrte, sei nur der Bischof von Arras ,Antonios Perrenot, erwähnt, später berühmt als CardinalGrauvella. Diesem widmete Orlando ein i. I. 1556bei I. Latio erschienenes Werk: „il prima lidrc» clo'motstii a, ainHua vool nuovomkuta posti in Inas".In Antwerpen entstand nun jene lange Reihenfolgegroßartiger Schöpfungen, welche heute noch Bewunderungverdienen.
Ju Deutschland lag die Tonkunst noch nie so sehrdanieder, als gerade in der Zeit von 1550—1570, währendwelcher nicht ein einziger Tonsctzer von Auszeichnunggenannt wird. Gerade damals war Albert V. , genanntder Großmüthige — wir können ihn auch den Kunst-sinnigen nennen — Herzog von Bayern . Er war einFreund der Wissenschaften und Künste, ein begeisterterFreund der Musik. Da er auch sehr nobel war betreffsder Honorare, so sammelten sich um seinen Hos die be-deutendsten Künstler auf den verschiedensten Gebieten derdamaligen Zeit. Sei es nun, daß der Herzog Orlandoschon durch seine Cvmposiiionen kannte, sei es, daß erdurch ein Glied der Familie Fngger, welche Familie einegroße Faktorei in Antwerpen besaß, auf Orlando auf-merksam gemacht wurde, kurz Orlando nahm die ehren-volle Einladung des Herzogs an und ging im Jahre1557 nach München . Sandberger sagt über diese Be-
rufung: „Es ist kein Zweifel, daß Orlando der Quali-tät und Quantität seiner innerhalb eines Zeitraums vonweniger als zwei Jahren erschienenen nahezu 100 Ton-sätze das Nenomse verdankte, welches ihn für den Werberdes bayerischen Herzogs als eine thunlichst herbeizuführende„Acgilisition" erscheinen ließ. Dazu mag noch seine Per-sönlichkeit gekommen sein, von deren Witz und lustigenPossen man sich allerlei Kurzweil für die hohen Herrenversprach." So hatte denn mit dem Aufenthalt in Ant-werpen die erste Periode im Leben Orlando's ihren Ab-schluß gefunden. In München weilte er, abgesehen vonMehreren Reisen, volle siebennnddreißig Jahre, d. h. biszu seinem Tode. Flechten wir, bevor wir das Lebenund Wirken unseres Meisters weiter betrachten, hier einekurze Kritik Dr. Witt's, des freimüthigen Kritikers, ein,über einige Werke Orlando's. Von zehn Messen desMeisters sagt er, daß „unter diesen keine einzige, dieganz befriedigt oder vollkommen kirchlich genannt werdenkann." (Es ist wohl hier nicht zu vergessen, daß Dr.Witt doch recht geraume Zeit nach Orlando lebte undwirkte!) Er tadelt ferner unleidige Manieren rc. underhebt den Dorwnrf, daß manches geschrieben ist alsParadestück für seine Gesangsvirtuosen. Dagegen istOr. Witt voll Lob über manche Motetten Orlando's.So nennt er z. B. die Motette „justornm Lniinns"„ein Beispiel von ausnehmend herrlicher und originellerErfindung. Ich getraue mir zu behaupten und thatsächlichzu beweisen, daß die Litteratur der letzten drei Jahr-hunderte keine einzige Vokalcompofition für die Kircheauszuweisen hat, die an Wirkung mit dieser MotetteOrlando's concurriren könnte." So nennt ihn alsoDr. Witt doch auch wieder einen großen, einen sehrgroßen Meister. Daß auch ein Meister nicht, lautergleich Meisterhaftes schafft, dies ist gewiß auch sehr be-greiflich.
(Fortsetzung folgt.)
Die Lehrtätigkeit der Jesuiten vor dreihundertJahren.
(Schluß.)
Kommen wir jetzt nach Bayern . Durch den Schutzund die Fürsorge Herzog Wilhelms IV. bestanden dortnoch gute Klosterschulen, wie zu Tegernsee und Nieder-altaich, dann auch in Fornbach, welche letztere von HerzogAlbrecht V. im Jahre 1558 besonders belobt werdenkonnte. Als dieser Herzog 1569 eine Schulordnung instreng katholischem Sinne vorschrieb, konnte von ihm dassechs Jahre vorher gegründete Jesuiten -Gymnasium inMünchen als Mnsteranstalt bezeichnet werden. Außerdiesem Gymnasium bestanden daselbst 3 „Poetereyen"d. h. Lateinschulen, welche ungefähr 300 Schüler zählten.Die eine dieser Schulen, die dem Magistrat unterstelltwar, in ihrem Rektor Castner eine treffliche Leitung besaßund 60 Schüler hatte, mußte ganz geschlossen werden,denn das Jesuitcngymnasinm wuchs rapid; im I. 1587hatte es schon 600, zwei Jahre darauf 800 und imI. 1602 schon 900 Schüler. Als Lehrer besonders aus-gezeichnet werden?. Peltan, ?. Mengin und 1^. Stewartgenannt. Albrecht V. eröffnete i. I. 1574 „das Gre-gorianum", ein Alumnat mit 40 Freiplätzen, welchevon dem Nachfolger Wilhelm V. auf 50 erweitert wurden.Die Zöglinge wurden sogar Mittags und Abends ausder Hofküche gespeist. Ein schönes Zeichen für die altenBaycruherzöge l Solche Förderung der Wissenschaft sucht